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Biotechnologie ist gut für die Menschen, so die Industrie

Um die Kluft zu den Vereinigten Staaten im Biotechnologiesektor zu schließen, bedarf es nach Aussage von Vertretern der europäischen Gesundheits- und Biotechnologiebranche einer zweigeteilten Lösung: Einerseits müsse eine paneuropäische Börse geschaffen werden, andererseits mü...

Um die Kluft zu den Vereinigten Staaten im Biotechnologiesektor zu schließen, bedarf es nach Aussage von Vertretern der europäischen Gesundheits- und Biotechnologiebranche einer zweigeteilten Lösung: Einerseits müsse eine paneuropäische Börse geschaffen werden, andererseits müsse das Konzept der 'Europäisierung' junger, innovativer Unternehmen (Young Innovative Companies - YIC) umgesetzt werden. Diese Argumente wurden auf der Einführungsveranstaltung zu Bio Impact laut, der ersten wissenschaftlichen Studie über die Auswirkungen von auf Biotechnologie basierenden Arzneimitteln auf die Lebensqualität und Lebenserwartung von Patienten. Am 10. Februar fiel in Paris und Brüssel der offizielle Startschuss für die Studie. Auf der Veranstaltung forderte die Biotech-Industrie zudem ein europaweites Fast-Track-System zur Registrierung innovativer Produkte sowie eine gemeinsame Politik für die Erstattung der Kosten für innovative Produkte durch die nationalen Sozialversicherungssysteme. Das YIC-Konzept wird derzeit in Frankreich entwickelt und sieht keine Sozialabgaben, keine Einkommensteuer und keine Kapitalertragsteuer für Unternehmen vor, die jünger als 15 Jahre sind und mindestens 15 Prozent ihrer Ausgaben in Forschung und Entwicklung (FuE) investieren. 'Europa muss im Gesundheitssektor unabhängig sein, ebenso wie im Verteidigungssektor', erklärte Philippe Pouletty, Vorsitzender von France Biotech und stellvertretender Vorsitzender von EuropaBio, dem europäischen Verband der Biotechnologieindustrien. 'Die Kluft zwischen der EU und den USA im Bereich Biotechnologie ist enorm und wird immer größer. Das Verhältnis zwischen den Investitionen in der EU und den USA beträgt 1:17. Das ist kein guter Wert. Wir haben vergleichbare BIP, aber die Bevölkerungszahl in Europa ist höher. Wir können uns einen solchen Rückstand nicht leisten, da wir anderenfalls von in den USA erforschten und entwickelten Arzneimitteln abhängig werden.' Die Biotechnologie ist ein strategischer Sektor. 50 Prozent aller neuen Arzneimittel stammen aus diesem Bereich, vor allem innovative Medikamente (Insulin, Wachstumshormone, Impfstoffe, monoklonale Antikörper zur Krebsbehandlung und Zelltherapie). Fast 250 Millionen Patienten kommen die Fortschritte in der Biotechnologiebranche bei Diagnose und Behandlung bereits zugute. Aus der Studie Bio Impact geht hervor, dass diese Arzneimittel sicherere und effizientere therapeutische Lösungen mit weniger Nebenwirkungen bieten, insbesondere in Fällen, in denen der unbefriedigte medizinische Bedarf besonders hoch ist, einschließlich Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Hämophilie, multiple Sklerose, Hepatitis, schwere Anämie, Entzündungen und Wachstumshormonmangel. Die Biotechnologie kann auch bei seltenen Krankheiten hilfreich sein, die in der Regel genetischen Ursprungs sind. In Europa sind 1.500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit der Entwicklung neuer therapeutischer Produkte im Biotechnologiesektor befasst. Nach Aussage der Biotech-Industrie ist es von entscheidender Bedeutung, ein geeignetes Umfeld für innovative Biotech-Unternehmen zu schaffen und ihre Verbindungen zur akademischen Forschung und pharmazeutischen Industrie zu intensivieren. Allerdings ist die Biotechnologie ein sehr kapitalintensiver Sektor. Bei der Arzneimittelentwicklung können auf ein Unternehmen zehn Jahre ohne Einnahmen zukommen, weshalb langfristige Investitionen in beträchtlicher Höhe vonnöten sind. Zwar erkennt die Branche inzwischen an, dass sich die Bedingungen in Europa verbessern, beklagt jedoch, dass die zentralen Elemente immer noch fehlen. 'Die europäischen Unternehmen leiden unter der Fragmentierung und Kapitalschwäche der europäischen Börsen sowie dem geringen Interesse europäischer Investoren an Technologiewerten. Der Börsengang ist für das Wachstum eines Biotechnologieunternehmens jedoch unerlässlich, wenn man bedenkt, dass Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro erforderlich sind, bis das erste Medikament entwickelt und die Gewinnzone erreicht ist. Der Mangel an Ausstiegsoptionen behindert die Finanzierung von Biotech-Startups zusätzlich, da Risikokapitalgeber immer noch eher bereits bestehende Unternehmen finanzieren, als in Startups zu investieren', erläutert France Biotech. Um das Lissabon-Ziel zu erreichen, müsse Europa den Privatsektor erreichen, insbesondere in Branchen mit hohem Wachstumspotential, so EuropaBio weiter: 'YIC verfügen über das erforderliche Wachstumspotential, werden jedoch als Quelle für Innovation und Beschäftigungswachstum bislang kaum genutzt.' Nach Angaben von EuropaBio bieten YIC den Regierungen Investitionschancen mit hoher wirtschaftlicher Rendite. Die Industrie fordert zudem den Abbau bürokratischer Hürden, die die Entwicklung derzeit hemmen, sowie eine Verkürzung des Zulassungsverfahrens für neue Produkte. Ysbrand Poortman vom Europäischen Netzwerk von Patientenorganisationen, Firmen und Wissenschaftlern (EPPOSI) forderte zudem eine Umstrukturierung des derzeitigen Erstattungssystems im Gesundheitssektor, um Biotech-Produkte in dieses System zu integrieren. 'Das derzeitige System reagiert erst, wenn etwas passiert ist', erklärte Poortman. 'Mithilfe biotechnologischer Lösungen können Krankheiten frühzeitig erkannt und die Behandlung eingeleitet werden, bevor der Schaden allzu groß ist. Wir müssen ein neues Gesundheitssystem entwickeln, dass stärker auf Prognose und Prävention ausgerichtet ist. Wirtschaftlich würde dies Sinn machen', fügte er hinzu. Nach Ansicht der Industrie muss die Öffentlichkeit über die Vorteile der Biotechnologie informiert werden. 'Nun, da wir Ergebnisse erzielen, möchten wir auch zeigen, dass es sich lohnt, Vertrauen und Geld in die Biotech-Branche zu investieren', erklärte Erik Tambuyzer, stellvertretender Vorsitzender von EuropaBio. Die Entscheidung der belgischen Regierung vom 10. Februar, die Kostenerstattung für sämtliche Biotech-Arzneimittel einzufrieren, kommentierte Dr. Tambuyzer mit den Worten: 'Das Problem ist, dass viel zu viel über die Patienten und viel zu wenig mit den Patienten gesprochen wird. Ihre Meinung ist nicht gefragt. Die Patienten und ihre Lebensqualität werden für Finanzierungsfragen missbraucht.' Obwohl das Investitionsvolumen in Europa in der Biotech-Branche die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bereits überholt habe, kommen die Biotech-Produkte immer noch nicht bei den Patienten an, beklagte Dr. Tambuyzer. Die Menschen sollten sich ins Gedächtnis rufen, was die Biotechnologie bereits für die Gesellschaft geleistet habe, fügte Johan Vanhemelrijck, Generalsekretär von EuropaBio, hinzu. 'Der Diagnosetest zur Bestimmung gesunder Nahrungsmittel ist ein Biotech-Tool, ebenso wie der DNA-Test. Diese Hilfsmittel sind inzwischen selbstverständlich geworden, aber wir dürfen nicht vergessen, wie viel Forschungsarbeit im Vorfeld erforderlich war. Die Öffentlichkeit vergisst so etwas viel zu schnell', schlussfolgerte er.

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