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Internationaler Bericht: Pharmaindustrie muss mehr in Nanotechnologie investieren

Obgleich die europäischen Regierungen Fördermittel für die Nanotechnologieforschung zur Verfügung stellen, investieren große Pharmaunternehmen nur sehr wenig Geld oder Humanressourcen in diesen Bereich, so die Aussage eines neuen Berichts. In dem von Lux Research verfassten ...

Obgleich die europäischen Regierungen Fördermittel für die Nanotechnologieforschung zur Verfügung stellen, investieren große Pharmaunternehmen nur sehr wenig Geld oder Humanressourcen in diesen Bereich, so die Aussage eines neuen Berichts. In dem von Lux Research verfassten Bericht 'Why big pharma is missing the nanotech opportunity' wird die Behauptung aufgestellt, dass Spitzenunternehmen in der Pharmaziebranche durch das Nichtinvestieren in die Nanotechnologie strategische Risiken eingehen, denn andere Industrien scheuen sich nicht vor Investitionen in diese Technologie. 'Die Nanotechnologie bietet viele Chancen für die Pharmariesen, von der besseren Wirkstofffreisetzung bei existierenden Arzneimitteln bis hin zu völlig neuen Therapien auf der Basis von Nanomaterialien', erklärt Matthew Nordan, Vizepräsident bei Lux Research. 'Die großen Pharmakonzerne investieren derzeit jedoch nicht in die Nanotechnologie. Wenn dieser Trend anhält, wird sich die Nanotechnologie in der Arzneimittelbranche erschöpfen, genau wie es bei der Biotechnologie der Fall war, als sich große Pharmaunternehmen Chancen entgehen ließen und neuen Mitwettbewerbern die Möglichkeit gaben, Fuß zu fassen', fügt er hinzu. Während der sog. 'biotechnologischen Revolution' lizenzierten große Pharmaunternehmen Arzneimittel von Jungunternehmen erst in einer späteren Phase ein, um frühe Investitionen zu vermeiden. In Anbetracht des zunehmenden Drucks auf die Medikamentenpipeline der Pharmaindustrie hat jedoch beispielsweise die europäische Pharmaindustrie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von etwa 11,2 Milliarden Euro in 1995 auf über 20 Milliarden Euro in 2002 erhöht. Diese spät erfolgenden Investitionen kamen jedoch zu spät, um neue Arzneimittel in die Forschungspipelines zu liefern. Daher ist die Zahl der auf den Markt gebrachten neuen Arzneimittel von durchschnittlich knapp 40 pro Jahr in den 1990er Jahren auf etwas über 20 seit dem Jahr 2000 zurückgegangen. Laut Bericht könnte die Nanotechnologie dazu beitragen, die Pipelineprobleme des Sektors zu lösen, indem die Wirkstofffreisetzung und Wirksamkeit von in der Entwicklungsphase befindlichen oder auf den Markt gebrachten Arzneimitteln verbessert wird, während aus neuen Nanomaterialien neuartige Behandlungsstrategien in Form von biologisch aktiven Implantaten entwickelt werden könnten. Laut den Ergebnissen des Berichts, die auf Interviews mit Nanotechnologieexperten aus 33 weltweit tätigen Unternehmen basieren, 'weisen große Pharmaunternehmen durchschnittlich 16 Mitarbeiter und weniger als die Hälfte von einem Prozent ihrer FuE-Ausgaben der Nanotechnologieforschung zu, wohingegen Elektronik- und Werkstoffunternehmen gleicher Größe über 100 Mitarbeiter und mehr als 8 Prozent [ihres] FuE-Budgets aufwenden.' Dies steht auch im Gegensatz zur Größenordnung der von manchen Ländern in die Nanotechnologie investierten Mittel. Tatsächlich wurde das Potential und die Bedeutung dieser Technologie von den EU-Regierungen früh erkannt. Kürzlich stellte Deutschland Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro für Jungunternehmen im Bereich der 'Bionanotechnologie' als Teil des Programms Nanotechnologien für Gesundheit und Gesellschaft (NanoforLife) bereit. Genauso erhöhte Frankreich im Jahr 2004 seine Fördermittel für Nanowissenschaften und Nanotechnologien auf 70 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren. Und auch Großbritannien wies im Jahr 2003 90 Millionen GBP (130 Millionen Euro) der nationalen Initiative für mikro- und nanotechnologische Produktion zu.

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