Mars Express findet Nachweise für ein vereistes Meer
Von der europäischen Raumsonde aufgenommene Bilder zeigen etwas, das ein gefrorenes Meer sein könnte. Es zeigt sich in Form von Packeisschollen und könnte nach Ansicht eines internationalen Wissenschaftlerteams direkt unter der Oberfläche des Roten Planeten liegen. Das anscheinend unterirdische Meer liegt bei 5 Grad nördlicher Breite vom Marsäquator und würde als solches die erste große Wasseransammlung bedeuten, die man bisher außer den polaren Eiskappen des Planeten gefunden hat. Nach einem Bericht des Magazins New Scientist haben die Wissenschaftler, die mit der hochauflösenden Stereokamera an Bord von Mars Express arbeiten, "Platten" entdeckt, die den Eisformationen in der Nähe der Pole auf der Erde ähneln. Ein Rätsel, das sich durch diese Theorie des gefrorenen Meeres - sollte sie sich als wahr erweisen - stellen würde, ist die Frage, wie diese Eisplatten in einer solchen Nähe des Äquators gefroren bleiben konnten, wo doch das Sonnenleicht sie eigentlich hätte schmelzen lassen müssen. Das Team glaubt, dass vielleicht eine mehrere Zentimeter dicke Schicht Vulkanasche das Eis schützt. "Ich halte das für ziemlich plausibel", erklärte Michael Carr, ein früheres Mitglied des Teams von US Geological Survey, gegenüber New Scientist. "Wir wissen, woher das Wasser kam. Man kann die vom Wasser geformten Täler bis in diesen Bereich verfolgen. Vielleicht ist das Eis immer noch im Boden und wird wirklich von einer Vulkanascheschicht geschützt." Das Team schätzt, dass das unterirdische Meer 800 bis 900 Kilometer groß und 45 Meter tief ist. Diese Tiefenschätzung basiert auf der Untersuchung der Krater in den Platten, die den Wissenschaftlern für ihren Durchmesser zu flach erscheinen, was die Vermutung nahe legt, dass sie mit Eis gefüllt sind. Nach der Zählung der Krater im Eis denken die Wissenschaftler, dass die Platten etwa fünf Millionen Jahre alt sind. Ferner haben die Forscher eine mögliche Erklärung dafür gegeben, wie das unterirdische Eis zunächst an diese Stelle kam. Große Eisschollen, die einst im Wasser trieben, wurden mit Vulkanasche bedeckt, wodurch sie nicht in die dünne Atmosphäre des Mars verdampft sind. Das Eis brach auseinander und driftete ab, bevor das verbleibende flüssige Wasser gefror, aber letztendlich schmolz das nicht von Vulkanasche bedeckte Eis und verdampfte, und nur die Eisplatten blieben zurück. Es gibt jedoch noch weitere unbeantwortete Fragen zu dieser Theorie des gefrorenen Meeres. Wenn es beispielsweise auf dem Mars in relativ jüngerer Zeit zu einer großen Sublimierung kam, wie das Team vermutet, warum gibt es dann so wenig Wasserdampf in der derzeitigen Marsatmosphäre? Normalerweise würde man hoffen, dass der Radar MARSIS von Mars Express, der nach unterirdischen Wasservorkommen suchen und im Mai eingesetzt werden soll, verwendet werden kann, das Vorhandensein eines solchen gefrorenen Meeres zu bestätigen. Aber vielleicht hat das Instrument mit der Unterscheidung zwischen Eis und felsigem Untergrund Schwierigkeiten. Dr. Carr schloss: "Um es zu erhalten, müsste man es begraben. Aber wenn man es begräbt, kann man es nicht entdecken."