Französische Expertin erklärt ihr Konzept eines "neuen Transaktionsraums" für Innovation
Europa ist nicht innovativ genug, was die Pädagogik betrifft, die auf die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern ausgerichtet ist, und leidet unter einer mangelnden Debatte über dieses Thema, sagt Marie-Claude Roland, die die Einleitung eines EU-weiten Projekts beabsichtigt, das sich auf nationaler Ebene bereits als äußerst erfolgreich erwiesen hat. Das vom französischen Institut für Agronomische Forschung (INRA) finanzierte Projekt Reflexives richtete im Jahr 1995 einen neuen pädagogischen Raum für die Ausbildung von Forschern im Allgemeinen und Nachwuchswissenschaftlern im Besonderen ein. "Die grundlegende Idee von Reflexives besteht darin, dass die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern nicht nur Doktoranden umfassen kann, sondern auch Doktorväter einschließen sollte und dass beide zusammenarbeiten sollten", sagte Dr. Roland gegenüber CORDIS-Nachrichten. Dr. Roland ist eine Sprachwissenschaftlerin, die über die Schreibpraktiken von Forschern promovierte. Sehr bald erkannte sie, dass, falls die Forschung durch ein System der Reproduktion erfolgt - in dem die Studenten ständig die Art, in der eine wissenschaftliche Arbeit verfasst wird, reproduzieren - dies die Qualität der wissenschaftlichen Forschung beeinträchtigen wird. Dr. Roland wollte diese Praktiken ändern und beschloss, Lehrkraft zu werden. Seither arbeitet sie an Schreibtechniken und der Konzeption von Forschung, das heißt an der Formulierung von Forschungsfragen. Dr. Roland, die ihre Arbeit auf mehr als eintausend Doktorandenprojekte in Frankreich, Dänemark und Kanada stützte, entwickelte die Theorie, dass Doktoranden es schwierig finden, Forschungsfragen zu formulieren. "Häufig sind Doktoranden technikorientiert und neigen dazu, die Ziele und Themen ihrer Forschung aus den Augen zu verlieren", erklärte Dr. Roland. Jedoch können die in einem vom Wettbewerb bestimmten Arbeitsmarkt geforderten Kompetenzen, die Schlüsselqualifikationen, "nur erworben werden, wenn die Studenten an der Analyse von Themen, der Problemlösung und der Formulierung von Fragen arbeiten", so Dr. Roland gegenüber CORDIS-Nachrichten. "Andernfalls erlangen sie lediglich technische Kompetenzen und nicht übertragbare Qualifikationen." "Doktoranden müssen lernen, von der Laborbank wegzukommen. Sie müssen lernen, zu analysieren und zu erklären und nicht einfach ihre Versuche zu beschreiben", fügte Dr. Roland hinzu. Doktoranden leiden häufig unter einem Problem der Beschäftigungsfähigkeit und es sei notwendig, sie nicht nur auszubilden, sondern auch potenzielle Arbeitgeber darüber zu informieren, wie Forschung funktioniert, meint Dr. Roland. Reflexives organisiert daher Seminare, auf denen all diese Fragen angesprochen werden, nicht durch Vorträge und Reden, sondern durch kollektives Lernen, Reflexivität und Epistemologie in der Praxis. Zielgruppe sind Forscher, Doktorväter, Doktoranden und Postdoktoranden und sie sollten auch Journalisten, Privatangestellte und Unternehmen interessieren. Dr. Roland ist sich darüber im Klaren, dass sie ein sehr sensibles Thema anspricht, da die Doktorväter sich angegriffen fühlen könnten, wenn ihnen gesagt wird, was sie zu tun haben. Jedoch, erklärt sie, "neigen die Doktorväter dazu zu sagen, dass sie keine Zeit haben, und die meisten von ihnen wollen nicht mit einbezogen werden. Ein Aspekt des Forscherberufs ist jedoch, Lehrkraft zu sein. Wir müssen dies hervorheben. Die Tutoren müssen beteiligt werden", fügte sie hinzu. "Unser Team führt seit 1997 Reflexives-Seminare mit zunehmenden Erfolg durch", so Dr. Roland. "Die Doktorväter werden immer stärker beteiligt. Wir haben eine große Auswahl an Forschern angesprochen, hauptsächlich in Frankreich, aber auch in Dänemark und Kanada." Als Reaktion auf den Erfolg des Projekts versucht Dr. Roland jetzt, ein EU-weites Projekt für die Ausbildung "aktiver Vermittler", die Reflexives für ihr eigenes Land entwickeln würden, ins Leben zu rufen.
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