Europäische Wissenschaftler erklären, warum der Nordpol aus Eis besteht
Ein Team von internationalen Wissenschaftlern der Autonomen Universität Barcelona in Spanien und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in Deutschland hat den Mechanismus gefunden, der die Bildung eines Eisschilds auslöst. Die Forscher arbeiteten hauptsächlich mit über die Jahre gesammelten Daten über die Überreste von Meeresorganismen sowie mit Klimamodellen. Sie ergründeten dabei das zuvor ungelöste Rätsel, warum sich seit 2,7 Millionen Jahren in der Arktis Eis bildet. Wie das Team erklärt, führte ein plötzlicher weltweiter Temperatursturz vor 2,7 Millionen Jahren dazu, dass der Arktische Ozean gefror und Nordamerika und Europa mit einer Eisschicht überzogen wurden. Das Fallen der Durchschnittstemperaturen allein erklärt jedoch noch nicht, warum sich so viel Eis gebildet hat und bis heute vorhanden ist. Obwohl dazu viele verschiedene Theorien entwickelt wurden, blieb die Bildung des Eisschilds bis heute ungeklärt. Die beiden von Antoni Rosell aus Barcelona und Gerald H. Haug aus Potsdam geleiteten Teams haben nun die Antwort darauf gefunden. Laut ihren Forschungsarbeiten "war die wichtigste Veränderung in der Zeit eine Zunahme des Temperaturunterschieds zwischen Sommer- und Wintertemperaturen um sieben Grad Celsius in nur einigen wenigen Jahrhunderten. Die Sommer wurden wärmer und die Winter kälter, wodurch im Sommer mehr Wasser aus dem Meer in die Atmosphäre verdampfte. Die Luft wurde feuchter und der Schneefall nahm zu. Als der Winter einsetzte, führte der jähe Temperatursturz zur Bildung von Eis", erklären die Wissenschaftler. Der Temperaturunterschied scheint durch eine Schichtung des Meerwassers entstanden zu sein, die auf die Bildung eines "Süßwasserdeckels" zurückzuführen ist. Dies, so die Forscher, bedeutete, dass das Wasser sich weniger als zuvor vermischte und Schichten von unterschiedlicher Dichte in verschiedenen Lagen und verschiedenen Tiefen bildete. "Als der Frühling kam, begannen sich die Schichten an der Oberfläche zu erhitzen. Da das Wasser sich nicht mischte, stieg die Temperatur dieser Schichten weiter an und größere Mengen an Wasser verdampften. Während der Sommermonate nahm dieser Effekt noch zu, da höhere Temperaturen die Schichtenbildung steigern, im Winter jedoch vermischte sich das Wasser wieder und die Temperaturen fielen mehr als in den Jahren zuvor", erläutern die Wissenschaftler. Die beiden Professoren und ihre Teams rekonstruierten die jahreszeitlichen Temperaturänderungen im Nordpazifik, indem sie die Daten aus der Analyse der Überreste von Meeresorganismen neu interpretierten und diese Temperaturen mithilfe eines Klimamodells prüften. Diese Rekonstruktion zeigte, wie der Ozean, aufgrund seiner Oberflächentemperatur und Größe in unterschiedlichen Jahreszeiten sowie der Verdampfung von Wasser aus dem Meer, große Klimaveränderungen hervorrufen kann. Die Rekonstruktion offenbarte außerdem, dass die glazialen Zyklen intensiver sind und die Temperaturen auf der Erde im Allgemeinen sinken. "Durch diese Forschung können wir genauer verstehen, warum es Klimaveränderungen gibt, und welche Rolle insbesondere der Ozean bei diesen Klimaveränderungen spielt", so Professor Rosell vom spanischen Team. "Diese Informationen werden die Klimamodelle verbessern, die dazu verwendet werden, vorherzusagen, wie sich das heutige Klima in Zukunft verändern wird", so sein Fazit.
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Deutschland, Spanien