Hightech-Schutz der europäischen Meeresumwelt
Der Schutz der europäischen Küste vor natürlicher oder von Menschen verursachter Verschmutzung und vor Wucherungen schädlicher Mikroalgen, so genannten Harmful Algal Blooms (HAB), ist eine wichtige Umweltschutzaufgabe in Europa. Zur Bewältigung dieser Aufgabe leistet das DISMAR-Projekt einen bedeutenden Beitrag: Es hat ein neues System entwickelt, das die unzähligen Daten von Wetter- und Meeresüberwachungsstationen in ganz Europa zusammenführt. Mit diesem System, das sich jetzt in der Demo-Betriebsphase befindet, können wahrscheinliche Ergebnisse vorausgesagt werden, was wiederum den Behörden die Möglichkeit gibt, optimal auf Verschmutzungen zu reagieren. Während Ölpests einstimmig als die größten Umweltkatastrophen gelten, werden die Risiken in Verbindung mit biologischer Verschmutzung oft unterschätzt: HABs können ein ganzes Küsten-Ökosystem zerstören, dem Wasser lebenswichtigen Sauerstoff, Sonne und Nährstoffe entziehen und die Nahrungskette, den lokalen Tourismus und die Fischerei gefährden. DISMAR steht für Data Integration System for Marine Pollution and Water Quality, also Datenintegrationssystem für Meeresverschmutzung und Wasserqualität. Ziel des Projekts, das unter dem Programm "Technologien der Informationsgesellschaft" (IST) des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) finanziert wird, ist die Entwicklung eines fortschrittlichen und intelligenten Informationssystems zur Überwachung und Prognostizierung der Meeresumwelt. Damit soll das Management von ökologischen Krisen in den europäischen Küstenregionen und Meeren verbessert werden. Das System unterstützt Behörden und Katastrophendienste, die für die Vermeidung, Abschwächung und Erholung von solchen Krisen zuständig sind. Laut Dr. Stein Sandven, DISMAR-Projektkoordinator und Forschungsdirektor von NERSC, dem norwegischen Umwelt- und Fernerkundungszentrum, ist die Betriebsdemo abgeschlossen, das heißt, das System funktioniert und das Projekt wird in sechs Monaten beendet sein, auch wenn noch einige technische Verbesserungen vorgenommen werden müssen. Wichtigstes Ziel von DISMAR ist die Entwicklung eines verteilten Systems für die Überwachung und Prognostizierung der Meeresumwelt. Das System verarbeitet Daten der europäischen Überwachungsstationen in verschiedene Modelle. Sobald eine Ölpest oder HAB erkannt wird, muss vorhergesehen werden, wie Meeresströmungen und Wettermuster die Reinigungsarbeiten beeinflussen werden, und welche Gebiete in Gefahr sind. Nur so können die erforderlichen Maßnahmen priorisiert und zielgerichtet veranlasst werden. Durch die Integration der unterschiedlichsten Daten ist DISMAR ein leistungsstarkes Werkzeug für diese Aufgabe. Über ein Internet-Portal bietet DISMAR mehreren Diensten einen einzigen Zugangspunkt. Das System liefert nicht nur Satellitendaten und andere Beobachtungen sondern auch Modellergebnisse, die internationalen Standards für Metadaten und Daten entsprechen. DISMAR entspricht auch so weit wie möglich den INSPIRE-Leitlinien. INSPIRE hat gemeinsame Leitlinien und einen Architekturrahmen für die Entwicklung einer Infrastruktur für räumlich bezogene Daten für Europa definiert, und zwar auf der Grundlage des Einsatzes interoperabler räumlich bezogener Informationsdienste über das Internet. Das DISMAR-Konsortium besteht aus 17 Organisationen aus sechs Ländern: Norwegen, Deutschland, Italien, Frankreich, dem VK und Irland. Das Team hat sein System zunächst in sechs europäischen Küstenstandorten eingesetzt, die im Großen und Ganzen die unterschiedlichen Küsten-Ökosysteme Europas repräsentieren. Dazu gehören die Nordsee/das Skagerrak sowie die Küsten von Deutschland, Italien, Frankreich, dem VK und Südwest-Irland. Diese Standorte tragen insbesondere auch der Tatsache Rechnung, dass es sich bei vom Menschen verursachter Meeresverschmutzung zumeist um grenzüberschreitende Ereignisse handelt. Das Team möchte jetzt seine Arbeit fortführen und über weitere Teile Europas ausdehnen. Deshalb will man erneut Mittel beantragen, um DISMAR voll betriebsfähig zu machen. "Mit einem weiteren Dreijahresprojekt zur Fortsetzung dieser Forschung könnten wir wirklich viel tun, um diesen Dienst europaweit betriebsfähig zu machen", erklärte Sandven gegenüber IST Results.
Länder
Norwegen