Hohe Konzentration der FuE-Aktivitäten in Wirtschaftsclustern und EU-Spitzenregionen
Neue Eurostat-Zahlen zu den FuE-Aufwendungen und zum FuE-Personal (FuE - Forschung und Entwicklung) in den europäischen Regionen zeigen eine hohe Konzentration der FuE-Aktivitäten in Wirtschaftsclustern und EU-Spitzenregionen. Auf nationaler Ebene erzielt Deutschland das höchste Gesamtergebnis und weist außerdem die höchste Anzahl FuE-intensiver Regionen auf. Die jüngste Ausgabe von "Statistik kurz gefasst" liefert Daten, die deutlich machen, dass einige Spitzenregionen europäischer Länder in Bezug auf FuE-Intensität (d. h. FuE-Aufwendungen als Prozentsatz des BIP) Werte weit über dem Wert der nationalen FuE-Intensität liefern, wie z. B. in der Tschechischen Republik, Deutschland, Polen, dem VK, Bulgarien und Rumänien. Beim Vergleich der FuE-Intensitäten zwischen den best- und letztplatzierten Regionen in einem Land ist in Deutschland das größte landesweite Gefälle mit Braunschweig am oberen Ende der Skala festzustellen. Braunschweig weist von allen europäischen Regionen, für die Daten vorliegen, die höchste FuE-Intensität auf: 7,11 Prozent im Vergleich zu den Durchschnittswerten der EU15 und EU25 mit 1,93 Prozent bzw. 1,99 Prozent. In Finnland waren, gefolgt von Griechenland, die größten relativen regionalen Abweichungen bei der FuE-Intensität in der EU zu beobachten. Die Spitzenregion in Finnland übertrifft den europäischen Durchschnittswert um mehr als das Doppelte. In Griechenland wurde in der Region Kriti FuE mit einem Prozent in überdurchschnittlichem Ausmaß durchgeführt, während in Notio Aigaio von FuE kaum die Rede sein konnte. Im Jahr 2002 lag der europäische Durchschnittswert für den Anteil des FuE-Personals an den Erwerbspersonen auf der Ebene EU-25 bei 1,44 Prozent und auf der Ebene EU-15 bei 1,54 Prozent. Dieser Anteil wird von den bestplatzierten Regionen der meisten Länder problemlos überschritten, mit Ausnahme von Estland, Irland (auf nationaler Ebene betrachtet), Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Portugal, Slowenien und der Slowakei. Was die Länder außerhalb der EU betrifft, so hatten die bestplatzierten Regionen in Rumänien und Norwegen sowie Island einen Anteil beim FuE-Personal zu verzeichnen, der über dem EU-Durchschnittswert lag. Die deutsche Region Braunschweig, in der gut vier Prozent der Erwerbspersonen dem FuE-Personal zuzurechnen waren, war bei den deutschen und europäischen Regionen auch mit Blick auf den Anteil des FuE-Personals an den Erwerbspersonen führend. Auch hier können zwischen den best- und letztplatzierten Regionen innerhalb eines Landes wiederum große Diskrepanzen verzeichnet werden: In der Hauptstadt der Tschechischen Republik war der Anteil des FuE-Personals an den Erwerbspersonen insgesamt beispielsweise um 16 Mal höher als in Severozápad, während Wien eine über 26 Mal größere FuE-Personaldichte aufzuweisen hatte als das Burgenland. Die regionale Struktur der Verteilung des FuE-Personals über ganz Europa zeigt, dass hohe Konzentrationen des FuE-Personals auf dem europäischen Kontinent in den hauptstädtischen Regionen und/oder den wichtigen industriellen und technologischen Regionen anzutreffen sind (Süddeutschland oder Norditalien). In den neuen Mitgliedstaaten entfallen hohe Konzentrationen des FuE-Personals eher auf eine oder zwei Regionen pro Land. Auch regionale Unterschiede bei der FuE-Intensität auf der Ebene NUTS 1 für die drei wichtigsten institutionellen Sektoren, die FuE durchführen (Unternehmenssektor, Staatssektor, Hochschulsektor), sowie für alle Sektoren zusammengenommen werden dargelegt. Die führende Region bei der FuE-Intensität im Unternehmenssektor war Braunschweig (Deutschland) mit 5,25 Prozent gefolgt von Västsverige (Schweden) mit 5,19 Prozent. Unter den 15 führenden Regionen waren sechs deutsche Regionen, zwei finnische, vier schwedische, zwei Regionen des Vereinigten Königreichs und eine niederländische. Die von den 15 führenden Regionen erstplatzierte Region hat eine FuE-Intensität aufzuweisen, die den Mittelwert von EU-25 (1,25 Prozent) um mehr als das Vierfache übersteigt, während die FuE-Intensität der Region auf dem letzten Platz der Top-15 immer noch doppelt so hoch wie der EU-Mittelwert ist. Was die FuE-Intensität im Staatssektor auf der Ebene NUTS 1 betrifft, so liegt Deutschland bei den 15 führenden FuE-Regionen mit neun Regionen mit großem Abstand an der Spitze, während Frankreich mit drei Regionen vertreten ist, die Niederlande mit zwei und Griechenland mit einer. Berlin und die französischen überseeischen Departments (Départements d'Outre-Mer) verzeichnen FuE-Aufwendungen in Höhe von über einem Prozent ihres regionalen BIP. Selbst die FuE-Intensität der Region auf dem letzten Platz ist immer noch knapp doppelt so hoch wie der Mittelwert von EU-25 für den Staatssektor (0,25 Prozent). Deutschland und Frankreich haben darüber hinaus das größte regionale Gefälle bei der FuE-Intensität im Staatssektor zu verzeichnen. In anderen europäischen Ländern sind die regionalen Unterschiede in diesem Sektor sehr viel weniger ausgeprägt als beispielsweise im Unternehmenssektor. Was den Hochschulsektor (HES) betrifft, so lag der Durchschnittswert von EU-25 für die FuE-Intensität bei 0,42 Prozent, was etwa einem Drittel des im Unternehmenssektor erzielten Wertes entspricht. In keiner Region war die HES-Intensität größer als ein Prozent des BIP. Mit Berlin nimmt Deutschland auch hier wieder die Spitzenposition ein. Die auffälligsten regionalen Unterschiede hatte wiederum Deutschland aufzuweisen. Betrachtet man den Anteil des FuE-Personals an den Erwerbspersonen insgesamt auf der Ebene NUTS 1, wird der offensichtliche Zusammenhang zwischen FuE-Personal und -Aufwendungen bestätigt. Deutschland zeigt auch die stärkste Entwicklung des FuE-Personals im Hinblick auf die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten. Nur zwei Regionen, beide in Deutschland, sind unter den Top-15 für die drei Sektoren im Hinblick auf die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten vertreten.