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Inhalt archiviert am 2023-03-01

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Schlüsselzahlen zu W&T: China sitzt EU im Nacken

Die Europäische Kommission hat am 19. Juli ihre "Schlüsselzahlen 2005 zu Wissenschaft, Technologie und Innovation" veröffentlicht, die auf eine Stagnation der Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) in der EU hindeuten, was der Kommissar für Wissenschaft und Forschung...

Die Europäische Kommission hat am 19. Juli ihre "Schlüsselzahlen 2005 zu Wissenschaft, Technologie und Innovation" veröffentlicht, die auf eine Stagnation der Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) in der EU hindeuten, was der Kommissar für Wissenschaft und Forschung Janez Potocnik als "besonders beunruhigend" beschrieb. Bei den diesjährigen Schlüsselzahlen stehen erstmals Daten für 2003 zur Verfügung - das Jahr nach der Verpflichtung der Staats- und Regierungschefs auf dem Europäischen Rat von Barcelona, die F&E-Ausgaben bis 2010 auf drei Prozent des BIP der EU zu erhöhen. Dennoch ist dem Bericht zufolge die Wachstumsrate der F&E-Ausgaben der EU "bei weitem nicht ausreichend, um das Dreiprozent-Ziel im Jahr 2010 zu erreichen". Die Wachstumsrate der F&E-Intensität der EU (mit anderen Worten, die Änderung des Anteils des BIP, den sie für Forschung ausgibt) lag zwischen 2000 und 2003 bei rund 0,7 Prozent. "Falls dieser Trend unverändert bleibt, wird die F&E-Intensität der EU nur etwa 2,2 Prozent im Jahr 2010 betragen", heißt es in dem Bericht. Die F&E-Intensität von China wächst dagegen seit 1997 um rund zehn Prozent jährlich und die ernste Nachricht in den Daten lautet: "Falls die aktuellen Trends sowohl für China als auch die EU-25 in den kommenden Jahren anhalten, wird China die EU bis 2010 in Bezug auf den Anteil des für F&E zugewiesenen BIP eingeholt haben." Nicht zum ersten Mal wird die derzeitige Lücke in der F&E-Intensität zwischen der EU und ihren Hauptkonkurrenten, die USA und Japan, in erster Linie auf die niedrigeren privaten Forschungsinvestitionen innerhalb Europas zurückgeführt, wobei die Unternehmen im Jahr 2003 lediglich einen Beitrag von 55,5 Prozent zu den Gesamtausgaben leisteten, im Vergleich zu 74,5 Prozent in Japan. In dem Bericht heißt es jedoch, dass die öffentlichen Forschungsinvestitionen in dieser Gleichung eine Rolle spielen, wobei hervorgehoben wird, dass "die höchsten Ausgaben der Wirtschaft für F&E in den meisten Fällen mit hoher regierungsfinanzierter F&E-Intensität Hand in Hand gehen, wie zum Beispiel in Schweden, Finnland, Deutschland und den USA". Zwar bereitet das offensichtliche Versagen der EU beim Angehen der sinkenden Forschungsinvestitionen Kommissar Potocnik besondere Sorgen, bei der Präsentation der Schlüsselzahlen vor Journalisten am 19. Juli in Brüssel wies er jedoch auf weitere Schlüsselbereiche hin, in denen Europa ebenfalls an Boden verliert. Nach einem starken Wachstum der internationalen Ausgaben für F&E, von dem die EU zwischen 1997 und 1999 profitierte, wenn auch in geringerem Maße als die USA, ist diese Finanzierungsquelle im Jahr 2000 stark zurückgegangen. Dies kann zwar teilweise auf die zu jener Zeit vorherrschenden Wirtschaftsbedingungen zurückgeführt werden, doch Potocnik stellte auch heraus: "Es ist auch der Fall, dass die Unternehmen unter schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen mit begrenzteren Mitteln ihre Neuinvestitionen in der attraktivsten Region für F&E, nämlich in Asien, konzentriert haben." Ein weiterer Bereich, in dem die EU dem Kommissar zufolge ihre Leistung verbessern muss, ist beim Anbieten attraktiverer Laufbahnen für Forscher. Während die EU wesentlich mehr Hochschulabsolventen in den Bereichen Wissenschaft und Technologie (W&T) hervorbringt als die USA oder Japan, stieg die Zahl der professionellen Forscher pro tausend Erwerbstätigen im Jahr 2003 lediglich auf 5,4 gegenüber 10,1 in Japan und 9,0 in den USA. Der Kommissar sagte: "Dies hängt natürlich mit den geringen Ausgaben für F&E in Europa zusammen, aber auch mit der Tatsache, dass Forschungslaufbahnen in Europa nicht als attraktiv empfunden werden. Die Gehälter sind niedriger. Was noch wichtiger ist, die Arbeitsmärkte und die Forschungs- und Innovationssysteme sind entlang der nationalen Grenzen in Europa weiterhin sehr stark zersplittert." Das letzte wichtige Problem, das Potocnik gegenüber Journalisten hervorhob, war der relative Mangel an in Europa verfügbarem Risikokapital im Vergleich zu seinen Konkurrenten. Die Finanzierung in der Frühphase von Hightech-Projekten in den USA sei zweimal so hoch wie in der EU, sagte er und ergänzte: "Aber die Hauptlücke ist das Risikokapital für die Expansionsphase von Hightech-Unternehmen. Dort erreicht das Verhältnis zwischen den USA und Europa fünf zu eins." Der Kommissar war jedoch weit davon entfernt, deprimiert zu sein, und die in den Zahlen enthaltenen guten Nachrichten sind, dass Europa auf den Hightech-Märkten aufholt. "Im Jahr 2002 war unser Weltmarktanteil an Hightech-Exporten immer noch wesentlich geringer als der Anteil der USA, aber wir machen Boden gut. Die europäischen Produkte gewannen zwischen 1997 und 2002 Marktanteile, während die Anteile der USA und Japans beträchtlich zurückgingen", sagte Potocnik und fügte hinzu, dass dieser Trend hauptsächlich auf das Wachstum in den neuen EU-Mitgliedstaaten zurückzuführen sei. Potocnik hat trotz der düsteren Gesamtanalyse in den Schlüsselzahlen die Hoffnung nicht aufgegeben. "Ich zeige Ihnen all diese beunruhigenden Zahlen nicht um der Diskussion willen, sondern weil ich überzeugt bin, dass die Situation geändert werden kann, wenn wir schnell und umfassend handeln. Und ich bin entschlossen, in meinen Verantwortungsbereichen zu tun, was ich kann." Er plädierte dafür, alle europäischen Forschungsminister anzuschreiben, um die Schlüsselzahlen hervorzuheben und seine Bedenken vorzubringen, und gab bekannt, dass die Kommission kurz nach der Sommerpause Vorschläge und einen Aktionsplan vorbringen werde, um die Reformen in den Mitgliedstaaten zu unterstützen. Vor allem wird Potocnik die nationalen Minister auffordern, ihre Unterstützung für die Verdoppelung des Forschungshaushalts der EU im nächsten Finanzzeitraum zu erneuern. Er stehe vor einem Rätsel: Während grundsätzlich fast universelle Unterstützung seitens der Minister und der Mitgliedstaaten für die Einrichtung eines Europäischen Forschungsrats, die Einführung eines Forschungsprogramms für Raumfahrt und Sicherheit, den Bau des ITER und die Stärkung des vorrangigen Themenbereichs "Kooperation" des Rahmenprogramms bestehe, gebe es bisher einen deutlichen Mangel an Unterstützung, was die Mittel betreffe. Er schloss mit den einfachen Worten: "Ich bin besorgt um Europa, aber ich bin - wie immer - optimistisch."

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