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Inhalt archiviert am 2023-03-01

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Debatte um das Testen menschlicher Gehirnzellen in nicht menschlichen Primaten

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ethikern mahnte zur Vorsicht in Bezug auf Versuche im Zusammenhang mit dem Implantieren menschlicher Gehirnstammzellen in Menschenaffen und andere Affen, insbesondere wenn das Ergebnis dazu führt, dass ein großer Teil des Gehirns eines Schi...

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ethikern mahnte zur Vorsicht in Bezug auf Versuche im Zusammenhang mit dem Implantieren menschlicher Gehirnstammzellen in Menschenaffen und andere Affen, insbesondere wenn das Ergebnis dazu führt, dass ein großer Teil des Gehirns eines Schimpansen aus menschlichen Neuronen besteht. Die Wissenschaftler haben es abgelehnt, einen Forschungsstopp zu empfehlen, und schlagen stattdessen Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Zwischenfällen, die zu potenziell unlösbaren moralischen Dilemmas führen, vor. Es sind derzeit keine derartigen Versuche geplant, aber es ist möglich, dass solche Versuche im Rahmen von Studien zu Stammzellentherapien durchgeführt werden. Mit diesen Therapien sollen Krankheiten durch die Implantation von Stammzellen behandelt werden, die sich zu verschiedenen Zellen, einschließlich Gehirnzellen, entwickeln können. Falls sich Stammzellen als viel versprechend bei der Behandlung menschlicher Hirnerkrankungen erweisen sollten, müssten potenzielle Therapien an Tieren getestet werden. Das Heikle daran ist, dass diese Versuche weit über Tierversuche hinausreichen würden, da sie zur Schaffung eines menschlichen Gehirns in einem nicht menschlichen Primatenkörper führen könnten. Ein Gremium von über 20 Wissenschaftlern, Philosophen und Rechtsanwälten hat über mehr als zwei Jahre hinweg darüber beraten, wie weit derartige Forschung gehen dürfte. Seine Schlussfolgerungen wurden in der Forschungszeitschrift Science, Ausgabe vom 15. Juli, veröffentlicht. Nach Bestätigung der allgemeinen Ansicht, dass Primaten überhaupt nicht für Versuche eingesetzt werden sollten, betrachtete die Gruppe unter der Leitung von Dr. R. Faden, biomedizinischer Ethiker an der Johns-Hopkins-Universität in den USA, die Arten von Forschung, die erlaubt werden sollten, falls die Versuche von den Regulierungsbehörden gefordert werden sollten. In der künftigen neuen Welt der Neurowissenschaft hoffen Chirurgen, verlorene oder kranke Teile des Gehirns durch neue, gesunde, im Labor gezüchtete neurale Stammzellen ersetzen zu können. Das vorherige Testen dieser Therapie an Tieren würde zeigen, wie gut sich die Zellen in das Gehirn integrieren. Klinische Versuche sind üblicherweise von vorherigen Tests mit Ratten oder Mäusen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der menschlichen Krankheit aufweisen, abhängig oder mit diesen verbunden. Für einige Krankheiten, insbesondere für diejenigen, die das menschliche Gehirn betreffen, bieten die Nagetiermodelle jedoch üblicherweise nicht genügend Fallähnlichkeit. Falls Stammzellentherapien für Alzheimer oder Parkinson entwickelt werden sollten, könnten die Regulierungsbehörden insbesondere Tests an Primaten fordern, bevor klinische Versuche an menschlichen Patienten erlaubt würden. Die Debatte wird eine frühere Polemik zu der Frage wiedereröffnen, ob Primaten geeignete Modelle sind, um Therapien für menschliche Krankheiten, insbesondere menschliche Hirnerkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, zwei vorrangige Forschungslinien in diesem Bereich, zu reproduzieren und zu entwickeln. Das Gremium beschloss, diese frühere Unstimmigkeit beiseite zu legen und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, ob Versuche mit Stammzellen und dem Gehirn irgendwelche neuen, einzigartigen ethischen Probleme aufwerfen würden. Die dramatischsten Unterschiede zwischen Menschen und anderen Primaten befinden sich im Gehirn: Das menschliche Gehirn ist viermal größer als beispielsweise das eines Schimpansen und die biochemischen Bahnen im Gehirn sind einzigartig. Zum Beispiel unterscheidet sich die Genexpression im menschlichen Gehirn erheblich von der anderer Primaten. Menschen unterscheiden sich von allen Säugetieren dadurch, dass ihnen ein bestimmtes Zuckermolekül auf der Oberfläche der Zellen, insbesondere im Gehirn, fehlt. Es ist wahrscheinlich, dass dies erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung und Funktionsweise des Gehirns hat. Darüber hinaus ist das menschliche Gehirn mit spezifischen Zelltypen angereichert, die an Kommunikation, Sprache, Verständnis und autonomen Funktionen und Merkmalen der menschlichen Wahrnehmung beteiligt sind. Das Gremium erachtet es nicht als wahrscheinlich, dass das erwachsene Gehirn eines Primaten durch menschliche Zellen erheblich verändert würde. Die Gruppe war jedoch zutiefst beunruhigt über die möglichen Ergebnisse, wenn menschliche Zellen in Tiere in früheren Entwicklungsstadien integriert würden. Und je näher die Primatenart dem Menschen ist, umso höher ist das Risiko einer beträchtlichen Verschiebung in Richtung menschlicher Wahrnehmung. Wenn menschliche neurale Stammzellen in den Embryo eines Schimpansen eingepflanzt würden, könnten diese Zellen tatsächlich Teile des Gehirns konstruieren, sodass sie dem Menschen ähnlicher sind. Dr. Faden erklärte, dass die Gruppe "die Möglichkeit nicht ausschließen könnte, dass bestimmte Versuche möglicherweise die Wahrnehmung oder die Emotionen des Tieres derart ändern, dass dies aus ethischer Sicht problematisch wäre". Das Gremium empfahl die Minimierung der Möglichkeit, dass solche Versuche die "Moral" der Tiere durch Änderung ihrer mentalen Fähigkeiten verändern könnten.

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