Kommission finanziert Forschung zur Beurteilung der Betreuung von Behinderten in Europa
Die Europäische Kommission stellt Mittel für eine Studie bereit, um herauszufinden, wie viele behinderte Menschen sich noch in Betreuungseinrichtungen in Europa befinden, und um die Kosten und das Verfahren für einen Ersatz der Einrichtungen durch Betreuung in der Gemeinschaft zu beurteilen. Das Projektkonsortium unter der Leitung des Tizard Centre an der Universität Kent im VK, in dem Forscher aus Spanien, Deutschland, Belgien und der Tschechischen Republik vertreten sind, wird die Situation in 22 europäischen Ländern bewerten. Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt erhält Fördermittel in Höhe von 350.000 Euro vom Referat "Eingliederung von Menschen mit Behinderungen" der GD Beschäftigung und soziale Angelegenheiten der Kommission. CORDIS-Nachrichten sprach mit einem der Koordinatoren des Projekts, Jim Mansell vom Tizard Centre, und fragte ihn genau, was die Partner zu erreichen versuchen. "Die Kommission bat uns, die Zahl der behinderten Menschen einzuschätzen, die noch in Einrichtungen in Europa betreut werden, was eine Analyse vorhandener Datensätze umfasst. Die Qualität derartiger Daten variiert jedoch in den einzelnen Ländern erheblich, sodass dies keine leichte Aufgabe ist." Es wird schwierig genug sein, bloß eine genaue Vorstellung von der Zahl der Behinderten zu erhalten, die in Einrichtungen betreut werden, aber wo dies möglich ist, wird das Team auch versuchen, qualitative Daten beispielsweise zu den verschiedenen Arten von Einrichtungen, die noch genutzt werden, und der Zahl qualifizierter Mitarbeiter, die in diesen Einrichtungen tätig sind, zu sammeln. Der Zugang zu solchen Daten werde "der Kommission ermöglichen, ihre Politiken auf eine wesentlich solidere Grundlage zu stellen, als sie dies jetzt kann", glaubt Professor Mansell. Ein weiteres Nebenprodukt könnte die Schaffung eines EU-weiten Modells für die Sammlung derartiger Daten sein, das ähnliche Initiativen in Zukunft wesentlich erleichtern würde. Professor Mansell erläuterte dann, dass es ein zweites Schlüsselziel für das Projekt gebe. "Neben dem Interesse an dem umfassenden Bild möchte die Kommission außerdem wissen, welche Kosten durch eine Umstellung von Betreuung in Einrichtungen auf eine Gemeinschaftsbetreuung für behinderte Menschen entstehen würden." Dieser Teil des Projekts wird Forscher von der London School of Economics (LSE) einbeziehen, die mit Kollegen am Tizard Centre zusammenarbeiten, und detailliert die Situation in drei europäischen Ländern betrachten. "Wir werden ihre Erfahrung mit dem Schließen von Einrichtungen analysieren, um einen Entwurf dafür vorzulegen, wie die Regierungen einen derartigen Wandel bewirken können", sagte Professor Mansell. CORDIS-Nachrichten fragte Professor Mansell, ob eine dem Projekt zugrunde liegende Annahme darin bestehe, dass eine Betreuung in der Gemeinschaft per Definition einer institutionellen Betreuung vorzuziehen sei. "Die Skandinavier beispielsweise würden wahrscheinlich sagen, dass es eine Grundsatzangelegenheit ist, dass behinderte Menschen nah bei ihrer Familie und ihren Freunden bleiben sollen. Natürlich kann die Betreuung in der Gemeinschaft so schlecht organisiert sein, dass die Menschen in Einrichtungen besser aufgehoben sind, aber wenn die Dienstleistungen ordnungsgemäß erfolgen, sind die Menschen in der Gemeinschaftsbetreuung wesentlich besser aufgehoben", argumentiert er. Professor Mansell räumt zwar ein, dass die Betreuung in der Gemeinschaft im Allgemeinen teurer als eine institutionelle Betreuung sei, was bei einigen Ländern, die auf das Gemeinschafts-basierte System umzustellen versuchen, Bedenken hervorruft, er ist jedoch nicht der Meinung, dass ein direkter Vergleich fair ist. "Es geht eher um Kosteneffizienz als um Kostenvergleich, und der Schlüsselfaktor ist, dass die Gemeinschaftsbetreuung sehr viel effektiver ist." Während Professor Mansell zufolge viele Länder, einschließlich der nordischen Länder, des VK und Italiens, bereits beträchtliche Fortschritte bei der Abschaffung der institutionellen Betreuung für Behinderte erzielt haben, bewegen sich die meisten anderen, darunter Belgien, Spanien und die Niederlande, jetzt in diese Richtung. Damit nicht irgendjemand die Bedeutung und den Wert eines solchen Trends in Frage stellt, sagte er abschließend: "Diese großen, isolierten Einrichtungen basieren auf einem 200 Jahre alten Modell, das entworfen wurde, um behinderte Menschen aus der Gesellschaft zu entfernen." Dieses Projekt sollte einige der Schlüsselressourcen bereitstellen, die erforderlich sind, damit dieses Modell Geschichte wird.
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