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Comparative Study on Ancient Syriac Grammars

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Der syrische Dialekt verbindet Konzepte des Griechischen und Arabischen

In einem EU-Projekt wurde untersucht, wie sich die Erforschung der syrischen Grammatik entwickelt hat, insbesondere im Bezug auf linguistische Konzepte des Arabischen und Griechischen.

Gesellschaft

Syrisch ist ein literarischer Dialekt des Aramäischen, einer im Nahen Osten und Arabien einst weit verbreiteten semitischen Sprache. Neben Latein und Griechisch ist Syrisch eine der Sprachen, die mit frühen christlichen Texten in Verbindung gebracht werden. Einige syrische Autoren haben sich der Grammatiktheorie gewidmet, ihre Arbeit ist jedoch nur wenig erforscht. Moderne Wissenschaftler hatten dieses Thema nach kurzem Interesse im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert fast aufgegeben. Bisher wurden etwa 80 % der syrischen grammatischen Texte noch nicht als kritische Editionen veröffentlicht. Das EU-finanzierte Projekt CSASG hat die Erforschung syrischer Grammatiker neu aufleben lassen. In den Forschungsarbeiten ging es um eine detaillierte Betrachtung der Wechselwirkung zwischen griechischen, syrischen und arabischen Sprachtheorien sowie um die Beschreibung der syrischen Sprache durch syrische Autoren in diesem Kontext. Syrische Renaissance Die Forscher haben die Werke dreier syrischer Grammatiker aus dem 12. und 13. Jahrhundert übersetzt und analysiert. Diese Epoche nennt man die syrische Renaissance, in der sowohl die Sprache als auch grammatische Konzepte einen Aufschwung erlebten. Der erste der drei war Bar Zo‘bi. Er erfasste eine syrische Grammatik als Werkzeug zur Klassifikation und Interpretation von Sprache, das auch als Grundlage für tiefergehende Studien in der Logik gedacht war. Bar Zo‘bi bezog sich stark auf die griechische linguistische Tradition, besonders auf Aristoteles, und widersprach klar der Annahme, man könne linguistische Konzepte des Arabischen auf das Syrische übertragen. Ein Student von Bar Zo‘bi, Bar Shakko, arbeitete die Gedanken seines Lehrmeisters in eine leichter zugängliche Form um und beschäftigte sich mit verschiedenen Aspekten der Syntax. Zu guter Letzt wollte Barhebaeus korrektes Schreiben im Syrischen vermitteln. Er war der Meinung, dass man mit Logik ein besseres Verständnis von Grammatik gewinnt und nicht andersherum. Barhebaeus untersuchte die Syntax im Detail und kombinierte die ursprüngliche syrische Tradition mit Aspekten des Arabischen. Dass er Korrektheit so stark in den Mittelpunkt stellte, spiegelte die damals vorherrschende Divergenz und Degeneration der gesprochenen aramäischen Dialekte wider. Grammatische Fehler kamen immer häufiger vor und die Grammatiker wollten den früheren Standard wiederherstellen. „Die wichtigste allgemeine Tendenz ist für uns“, so CSASG-Forscherin Dr. Margherita Farina, „dass Syntax als eigenständiger Bestandteil des linguistischen Denkens auftritt.“ Frühere Theorien der semitischen Grammatik hatten Syntax als Ergebnis von korrektem Lesen und Sprechen eines Textes verstanden. Da diese Sprachen ohne Vokale geschrieben werden, muss der Leser sie beim Lesen einfügen. Damit zeigt er, dass er die syntaktische Funktion der Worte verstanden hat und zwischen gleich geschriebenen, aber verschieden ausgesprochenen Wörtern unterscheiden kann. „Laut unseren historischen syrischen Autoren“, so Dr. Farina weiter, „spiegelt die Syntax wider, dass Satzteilen eine Bedeutung und Funktionen zugeordnet werden müssen.“ Theorien verschmelzen Das Projektteam fand heraus, dass die syrische Tradition in einem allgemeineren Kontext für die sprachwissenschaftliche Dynamik im Nahen Osten des Mittelalters eine zentrale Rolle spielte. Die syrische Tradition diente als Verbindung zwischen griechischem und arabischem Denken. Die syrischen Denker übernahmen außerdem sprachwissenschaftliche Überlieferungen des Aramäischen und Mesopotamischen. „Die syrische Grammatik vereint zwei äußerst unterschiedliche Konzepte der Sprachbeschreibung“, erklärt Dr. Farina, „und ist damit ein Dreh- und Angelpunkt zwischen mesopotamischen und griechischen Ansätzen der Sprachbeschreibung.“ Im Rahmen von CSASG ist ein Open-Source-Katalog syrischer Grammatikmanuskripte entstanden. Diese Quelle wird noch in e-kobe integriert, eine globale Datenbank syrischer Texte. Die Forscher arbeiten weiter an einer Monografie, in der die Projektergebnisse im Detail dargestellt werden. Sie soll Ende 2019 erscheinen. Dr. Farina will außerdem die übrigen unveröffentlichten syrischen Texte nach und nach veröffentlichen. Sie wird die Rolle der syrischen grammatischen Tradition im Kontext orientalischer Sprachtheorien des Mittelalters weiter untersuchen. Die Forschungsarbeiten haben neue Erkenntnisse über die Evolution und Interaktion von Schulen grammatischer Theorien gebracht und die Bedeutung syrischer Grammatiker in dieser Disziplin gezeigt.

Schlüsselbegriffe

CSASG, Syrisch, Grammatik, Sprache, Griechisch, Arabisch, Aramäisch, Sprachtheorien

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