Bericht fordert Unterstützung der EU bei der Bewertung von Innovationen
Ein Bericht über die Kontrolle und Bewertung von Innovationsprogrammen ist zu dem Schluss gekommen, dass die effektivere Bewertung von Innovationsprogrammen und -maßnahmen "integraler Bestandteil zur Erreichung der Ziele von Lissabon" sein sollte. Der Bericht ist das Ergebnis einer Studie einer hochrangigen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Louis Lengrand and Associates. Sie wurde auf Antrag der GD Unternehmen der Europäischen Kommission durchgeführt und umfasst Fallstudien aus sieben Ländern und Regionen, Interviews mit Experten und eine Meinungsumfrage unter anderen Experten. Die Studie ermittelte drei verschiedene Kulturen der Innovationsbewertung. Die fortschrittlichsten Kulturen (Finnland, Schottland und Schweden) nutzen Bewertung als zentrales Element für die Entwicklung ihrer Innovationspolitiken. Deutschland wurde einer zweiten Gruppe zugeteilt, in der beachtliche Erfahrungen in Zusammenhang mit Bewertungen gesammelt wurden. Aber während Bewertungen als Lernwerkzeuge genutzt werden, sind sie hauptsächlich auf die Analyse des Programmaufbaus und der Programmbereitstellung begrenzt und haben einen geringeren Einfluss auf die politische Gestaltung. In einer dritten Gruppe erkennt man die Bedeutung von Bewertungen nun ebenfalls an, jedoch befindet sie sich im Hinblick auf deren Entwicklung und Umsetzung weiter im Rückstand. Ungarn, Spanien und die Region Wallonien in Belgien gehören zu dieser Gruppe. Die Bewertung der Wirksamkeit von Innovationsprogrammen ist keine einfache Aufgabe. Viele Ergebnisse sind erst nach Abschluss des Programms sichtbar, und in manchen Fällen erkennt man sie erst viele Jahre später. Der Bericht betrachtet "Überdeterminierung" als weiteres Hindernis für Bewertungen. Der Begriff Überdeterminierung "bezieht sich teilweise auf die 'Interferenzen', welche das Herausfiltern von durch Intervention bedingten Ergebnissen erschweren, die auf verschiedenen, aus ständigen politischen und wirtschaftlichen Prozessen und Ereignissen resultierenden Veränderungen beruhen. Des Weiteren bezieht sich dies auf die Art und Weise, wie Ergebnisse durch die Verflechtungen von politischen Initiativen beeinflusst werden", so der Bericht. Der Bericht beschreibt außerdem die Schwierigkeiten, die in Zusammenhang mit der Einleitung von Bewertungen nach Abschluss eines Programms auftreten können. Zu diesem Zeitpunkt ist es oftmals zu spät, angemessene Indikatoren einzuführen. "Wenn man bei der Planung von Programmen die anschließende Bewertung bereits einplant, kann dies erheblich den Nutzen der Bewertung erhöhen", empfiehlt der Bericht. Die Fallstudie über Finnland zeigt ein hervorragendes Beispiel der Aktivitäten des Landes zu Innovationsbewertung. TEKES, die finnische Agentur zur Finanzierung von Forschung und Innovation, spielt eine tragende Rolle bei der Förderung von Innovation und deren Bewertung. Diese Agentur befindet sich bereits in der dritten Generation der Bewertung von Programmen. Während andere Länder mit der Durchführung von Bewertungen kämpfen, möchte Finnland sogar eine grundlegende Neuerung seiner Innovationspolitik umsetzen. "Was zählt, ist nicht die Unterstützung der Unternehmen, sondern die Verbesserung der Innovationskapazität der finnischen Unternehmen, um ihnen die Fähigkeit zu geben, global wettbewerbsfähig zu sein. Auf dem Gebiet der Bewertungen sucht TEKES nun weder nach einer Fokussierung auf Maßnahmenebene, noch nach einer Konzentration auf die Ergebnisse im Hinblick auf neue Technologien oder das intellektuelle Kapital der Projekte. Vielmehr versucht TEKES die Auswirkung auf den wirtschaftlichen Wohlstand, das Wohlergehen der Bürger und die nachhaltige Entwicklung zu ermitteln", heißt es in dem Bericht. Laut Studie basiert der allgemeine wirtschaftliche Erfolg Finnlands zum Teil auf einem anhaltend hohen Maß an öffentlicher Finanzierung von Forschung und Innovation. Von den Bewertungsprogrammen hängt das Wissen darüber ab, wo die Ressourcen des Landes eingesetzt werden sollen. "Deshalb können wir die Schlussfolgerung ziehen, dass der Einsatz der Bewertungsergebnisse als Instrument zur Politikgestaltung - zumindest - nicht schadet", so der Bericht. Die meisten Länder befinden sich im Vergleich zu Finnland im Rückstand - sowohl was Innovation als auch Bewertung betrifft. Laut Bericht gestaltet es sich in Spanien schwierig, eine Bewertungsagenda mit einer Verwaltungsagenda und einer politischen Agenda zu kombinieren. Der Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsplan des Landes sieht die systematische Bewertung von Innovationsmaßnahmen vor, und Ressourcen werden entsprechend zurückgehalten. "Jedoch blockieren die traditionelle Steuerung und Kontrolle, die jährliche Haushaltsplanung und die dazugehörige Bereitschaft, entsprechende Mittel einzusetzen, immer noch Bewertungsinitiativen", stellte die hochrangige Arbeitsgruppe fest. "Entweder findet gar keine Bewertung statt (obwohl sie geplant ist), oder unabhängige Einrichtungen (wie die COTEC-Stiftung) führen Bewertungen durch. Jedoch werden diese nicht in Anspruch genommen, da sie unabhängig von der Regierung erfolgen", heißt es weiter. Der Bericht merkt an, dass Spanien beträchtlich von EU-Unterstützung profitieren würde, sowohl in Form von finanzieller Unterstützung als auch in Form von Anweisungen. Die Fördermittel könnten dazu beitragen, einen nationalen Bewertungsmarkt zu fördern und Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen, empfiehlt die hochrangige Arbeitsgruppe. Sie schlägt außerdem vor, dass das Personal der Europäischen Kommission einen Teil seiner Zeit in Ländern wie Spanien verbringen könnte, um den für Bewertungen relevanten Wissensstand und die entsprechenden Fähigkeiten zu verstärken. Weitere politische Empfehlungen beinhalten die Begünstigung von Lernprozessen durch die Förderung der Entwicklung, der Wartung und des Einsatzes einer Datenbank mit Bewertungen von Innovationsprogrammen, die Förderung eines Dialogs und die Sicherstellung der Veröffentlichung und Verbreitung von Bewertungsergebnissen. Auf EU-Ebene empfiehlt die Arbeitsgruppe: die Einrichtung eines Forums zur Diskussion und Umsetzung bewertungsbasierter Gestaltung von Innovationspolitik und deren Realisierung, die Überprüfung und Dokumentation des sich verändernden Wesens von Bewertungen, die Suche nach empfehlenswerten Verfahren und die Unterstützung der Ausbildung neuer Sachverständiger auf Gemeinschaftsebene anhand von Schulungs- und Netzwerkaktivitäten. Neben dem Abschlussbericht brachte die Studie auch einen praktischen Leitfaden über die Bewertung von Forschungsprogrammen und eine Pilot-Initiative hervor. Der Leitfaden, bekannt als SMART INNOVATION, basiert auf einem Frage-Antwort-System und liefert Gründe für eine Bewertung, die nach Meinung der Arbeitsgruppe zur Erstellung einer Bewertungskultur eingesetzt werden könnten. Die Pilot-Initiative wird Erfahrungen und eine allgemeine Orientierungshilfe bieten und darüber hinaus Zielvorgaben für die Durchführung von Bewertungen liefern.
Länder
Spanien, Finnland