NEWS-Plattform führt Nachrichtenagenturen ins 21. Jahrhundert
Die Testphase für die Nachrichtenplattform NEWS (News Engine Web Services) ist erfolgreich abgeschlossen worden. Im Rahmen des NEWS-Projekts, an dem sich Forscher aus Deutschland, Israel, Italien und Spanien beteiligt haben, ist eine Plattform für Nachrichtendienste entwickelt worden, die Nachrichten "klassifiziert, kommentiert und analysiert". Ziel der Forschungspartner ist nun die Kommerzialisierung dieser Plattform. "Nachrichten wurden bisher normalerweise in ungefähr zwölf Rubriken eingeteilt, beispielsweise Sport, weltweite Nachrichten oder Finanzen, die jeder Journalist auswendig kannte", erklärte Dr. Ansgar Bernardi, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Wissensmanagement am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), gegenüber IST Results. "Diese Einteilung ist nicht sehr genau. Unser System kann eine Nachricht automatisch analysieren und nach 1.300 verschiedenen Kriterien klassifizieren", betonte er. Das NEWS-Projekt wurde im Rahmen des Programms "Technologien der Informationsgesellschaft" (IST) unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) initiiert. Für die Praxis bedeutet dies, dass Nachrichtenartikel auf rasche und "intelligente" Art und Weise gefunden werden können. Die Plattform beruht auf bereits bestehenden "Semantic Web"-Projekten. Ziel dieser Projekte ist die Schaffung eines universalen Instruments, das Computern ermöglicht, Internetseiten zu "verstehen". Die Suchanfragen können zu einer breiten Themenpalette durchgeführt werden, wobei die Ergebnisse einen großen Datensatz mit Informationen zum Nachrichteninhalt liefern. Bei einer Anfrage zum Präsidenten der Europäischen Kommission für April 2005 wird beispielsweise eine Reihe von Artikeln über Barroso aus dem letzten Jahr angezeigt. Das System muss "trainiert" werden, um bestimmte Themenbereiche analysieren zu können. Genau das kann von Nutzen sein, wenn man zum Beispiel Artikel über den Sänger Michael Jackson suchen möchte und stattdessen Artikel über den Bierexperten Michael Jackson erhält. "Dieser Aspekt war zunächst ein Nebenprodukt unserer hauptsächlichen Forschungsarbeit, aber wir verzeichnen gute Erfolge und ich glaube, dass ein gewisses wissenschaftliches Interesse geweckt werden wird", so Dr. Bernardi. "Wir gehen davon aus, dass die Nutzer der Plattform die Grundfunktionalität übernehmen und dann das System so weiterentwickeln, dass es auf ihre Bedürfnisse der Informationsanalyse zugeschnitten ist." Die zweijährige Forschung hat bislang bereits Früchte getragen und durch das Interesse an dem Projekt stehen nun weitere Fördermittel zur Verfügung. "Wir haben in der Projektphase ein breites Netzwerk entwickelt und das Projektkonsortium hat sich auf gegenseitige Unterstützung für zwei weitere Jahre geeinigt. In der Zwischenzeit gehen wir kommerziellen Möglichkeiten nach. Mehrere Nachrichtenagenturen haben Interesse an der Plattform bekundet", berichtete er. Zu den Projektpartnern zählen das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Ontology Ltd. aus Israel, die italienische Nachrichtenagentur Agenzia ANSA, die spanische Nachrichtenagentur Agencia EFE und die Universidad Carlos III de Madrid.
Länder
Deutschland, Spanien, Israel, Italien