Chemische Industrie muss "das Mittelalter hinter sich lassen"
Die chemische Industrie in Europa bedarf dringend einer Modernisierung, so Andrzej Stankiewicz, der am 21. April zum neuen Professor für Prozessintensivierung an der Technischen Universität Delft, Niederlande, ernannt wurde. Stankiewicz ist weltweit einer der ersten, die ein solches Amt bekleiden. Die Stellungnahme des Professors polnischer Herkunft gründet sich auf seine Vision von einer nachhaltigen Zukunft. Heute beobachtet er zwar auf der einen Seite eine Entwicklung hin zu nachhaltigen biologischen Ressourcen wie Zuckerrohr und Zellulose, vermisst jedoch auf der anderen Seite eine entsprechende Entwicklung hin zu moderneren, effizienteren chemischen Prozessen. Dem würde er gerne abhelfen. Umweltverträglichkeit allein genüge nicht, so Professor Stankiewicz, und die chemische Industrie bedürfe dringend einer Veränderung, um sie "aus dem Mittelalter zu führen". Leider halte die chemische Industrie jedoch zu sehr an altmodischen Methoden fest, die nur wenig Risikobereitschaft abverlangen. "Die in der chemischen und auch in der biotechnologischen Industrie verwendeten Anlagen sind sehr alt, nicht innovativ und ineffizient. Ich beziehe mich also nicht nur auf bestimmte Verfahren, sondern auf die Industrie als Ganzes", sagte Professor Stankiewicz im Interview mit CORDIS-Nachrichten auf dem Weg zur Amtseinführung. "Die Produktivität lässt zu wünschen übrig und ist unter energetischen Gesichtspunkten ineffizient." Professor Stankiewicz, der außerdem als Industriechemiker tätig ist, glaubt, dass zur Modernisierung der Branche bedeutende Investitionen im Bereich "Prozessintensivierung" von Nöten sind. Dazu zählt die Miniaturisierung chemischer Reaktoren, um durch den Einsatz neuartiger Reaktionen, die aufgrund von Größenbeschränkungen auch mit extremen Parametern sicher ablaufen, die Abfallproduktion zu reduzieren, den Energiebedarf zu drosseln und vor allem die Effizienz zu steigern. "Prozessintensivierung ist mein Fachgebiet", so Professor Stankiewicz. "Es stehen neue Verfahrensmethoden und Anlagen zur Verfügung, mit denen sich die Verarbeitungsleistung in gewaltigem Ausmaße erhöhen ließe. Beispielsweise lassen sich mit der Mikrotechnologie Produkte weitaus effizienter als mit herkömmlichen Methoden herstellen." Ständig werden neuartige Methoden der Prozessintensivierung entwickelt, aber weitere Forschungsbemühungen sind nötig. Zu den neuartigen Methoden zähen die Nutzung von Mikrowellenstrahlung oder Mikrowellenlicht und der Einsatz von Überschallschockwellen im chemischen Prozess zur Steigerung der Effizienz oder Reaktionsbeschleunigung.
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