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Bericht nennt Herausforderungen für die bulgarische Innovation

Der Fonds für angewandte Forschung und Kommunikation (ARCF), eine private gemeinnützige Organisation mit Sitz in Sofia, hat einen Bericht veröffentlicht, der die Leistung und das Potenzial der bulgarischen Wirtschaft im Bereich der Innovation aufzeigt. Der Bericht trägt den ...

Der Fonds für angewandte Forschung und Kommunikation (ARCF), eine private gemeinnützige Organisation mit Sitz in Sofia, hat einen Bericht veröffentlicht, der die Leistung und das Potenzial der bulgarischen Wirtschaft im Bereich der Innovation aufzeigt. Der Bericht trägt den Titel "Innovation.bg: Measuring the innovation potential of the Bulgarian economy" ("Innovation.bg: Ermittlung des Innovationspotenzials der bulgarischen Wirtschaft") und zielt darauf ab, sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor in Bulgarien in seinen Bemühungen zur Etablierung einer innovationsbasierten Wirtschaft zu unterstützen. Es wird ein Hauptaugenmerk auf bestimmte wirtschaftliche, politische und institutionelle Umstände im Land gerichtet, wobei mehrere Herausforderungen ermittelt wurden, die Bulgarien zur Entwicklung eines "modernen" Innovationssystems zu meistern hat. Trotz eines beträchtlichen Wirtschaftswachstums seit Ende der 1990er Jahre belegen wirtschaftliche Daten, dass Bulgarien immer noch weit hinter der durchschnittlichen Wirtschaftskraft der 25 EU-Mitgliedstaaten liegt. Dennoch werden die homogenen, arbeits- und materialintensiven Produkte und niedrigen Produktionskosten als Faktoren betrachtet, die der jüngsten Wettbewerbsfähigkeit Auftrieb verschafft haben. Dem Bericht zufolge ist Innovation langfristig ein wichtiges Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der bulgarischen Industrie und der gesamten Wirtschaft. Jedoch fielen Investitionen in Bereiche, die für den Innovationsprozess von Bedeutung sind - vor allem Wissenschaft und Technologie -, niedrig aus. Im Bericht wurde festgestellt, dass der Anteil innovativer Unternehmen Bulgariens etwa einem Viertel des entsprechenden Durchschnitts der EU-25 entspricht. Bei den Unternehmen, die als innovativ eingestuft wurden, beruhe die Innovation hauptsächlich auf dem Erwerb neuer Maschinen und Geräte, während Investitionen in Marketing, Weiterbildung der Mitarbeiter sowie Forschung und Entwicklung (F&E) zweitrangig seien, so der Bericht. Dieses unternehmerische Handeln spiegle die Anfangsphase einer Markt- und Innovationsentwicklung in der bulgarischen Wirtschaft wider, die durch die Herstellung erschwinglicher Produkte mit geringer Differenzierung charakterisiert ist. Es hat sich herausgestellt, dass die Branchen mit den höchsten ausländischen Direktinvestitionen gleichzeitig einen größeren Anteil an innovativen Unternehmen aufweisen. Um ausländische Investitionen vollständig nutzen zu können, sollten einheimische Unternehmen in stärkerem Maße Innovation und Wissen aus dem Ausland aufnehmen sowie weitere ausländische Investitionen mit höherem Grad an F&E anziehen. Die Gesamtausgaben für F&E Bulgariens (Anteil am BIP des Landes) lagen über die letzten zehn Jahre hinweg mehr oder weniger konstant bei einem Viertel des Durchschnittswerts der EU-15. Der Beitrag der Unternehmen zu F&E entspreche noch nicht einmal der Hälfte des staatlichen F&E-Beitrags. In den europäischen Wirtschaftsräumen, die im Bereich der Innovation führend sind, herrscht eine umgekehrte Situation. Die mangelnden Investitionen wirken sich am stärksten auf den Bereich der F&E aus, der die angewandte und experimentelle Forschung und Entwicklung betrifft, welche dem Bericht zufolge in der heutigen Marktwirtschaft für die Innovation von entscheidender Bedeutung sind. Um diesen Mangel an F&E-Förderung kurz- bis mittelfristige zu beheben, empfiehlt der Bericht, den Beitrag der Privatwirtschaft zu F&E an den staatlichen anzugleichen, sowie den in F&E investierten Anteil am BIP auf 1,5 Prozent zu erhöhen. Auf längere Sicht sollten die Ausgaben für F&E drei Prozent des BIP erreichen und damit der EU-weiten Zielsetzung entsprechen. Der Bericht betont, dass für größere Investitionen eine verlässliche Infrastruktur für F&E geschaffen werden müsse, was Aufgabe des öffentlichen Sektors sei, damit das bulgarische Innovationssystem erfolgreich in den Europäischen Wirtschaftsraum integriert werden kann. Bulgarische F&E-Organisationen sowie innovative Unternehmen sollten an auf F&E spezialisierten Programmen der EU und der NATO teilnehmen. Um ihre Wettbewerbsvorteile zu erhalten, sollten Unternehmen spezielle F&E-Abteilungen einrichten, in denen stärker wissensbasierte Produkte mit einem höheren Mehrwert entwickelt werden, empfiehlt der Bericht. Weitere entscheidende Faktoren für die langfristige Entwicklung des bulgarischen Innovationssystems sind Qualität und Quantität des verfügbaren Humankapitals. Die Fähigkeit der bulgarischen Wirtschaft, neues Wissen aufzunehmen, zu nutzen und anzupassen sowie Innovationen aus dem Ausland einzuführen, wird dem Bericht zufolge von der Qualität der Hochschulbildung und des lebenslangen Lernens beeinflusst. Im Bericht werden die Schwierigkeiten beschrieben, die es auf allen Ebenen im Bildungssystem des Landes gibt. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass die Universitäten bereits begonnen hätten, sich angemessener auf die Anforderungen der Wirtschaft einzustellen. Dies trifft vor allem auf technische Studiengänge - besonders im IT-Bereich - zu. Der Bericht empfiehlt politischen Entscheidungsträgern, sich verstärkt um die Förderung dieser im Anfangsstadium befindlichen positiven Tendenzen zu bemühen und die an die Bildungsabschlüsse gestellten Qualitätsanforderungen zu erhöhen. Wissenschaftliche Karrieren (auf Doktoratsebene) und Arbeitsplätze im Bereich F&E bestimmen ebenfalls das nationale Innovationspotenzial einer Volkswirtschaft, so der Bericht. Allerdings zeigen Statistiken von 2002, dass die Beschäftigung in F&E auf 1.000 Einwohner gerechnet in Bulgarien niedriger ausfiel als in den zehn neuen Mitgliedstaaten. Tatsächlich ist diese Zahl im Privatsektor noch geringer. Würde der öffentliche Sektor auf die gesamte F&E nicht ausgleichend wirken, so hätte die Arbeitslosigkeit zugenommen, so der Bericht. Der Staat Bulgarien hat die Beschäftigung in F&E übermäßig subventioniert, wie es in der Vergangenheit üblich war. Dies trug dazu bei, dass ein Teil des wissenschaftlichen Potenzials in den Jahren der Übergangszeit erhalten werden konnte. Der Bericht stellt allerdings fest, dass das Ungleichgewicht zwischen öffentlichem und privatem Sektor im Bereich der F&E-Beschäftigung ineffizient und langfristig nicht nachhaltig sei. Ein allmählicher Abbau der subventionierten Beschäftigung im F&E-Sektor sei ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Bereich der Wissenschaft und des Bildungssystems, so der Bericht. Weitere Faktoren, die zur Entwicklung einer innovationsgetriebenen Wirtschaft beitragen: Umsetzung von Wirtschaftsnetzwerken, die auf speziellen Innovations- und Technologiegruppen statt auf Beziehungen auf dem weiten Markt basieren; Entwicklung einer modernen Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT); Sicherung einer wirksamen Zusammenarbeit zwischen innovationsbezogenen öffentlichen und privaten Institutionen sowie Förderung des Unternehmertums in der bulgarischen Gesellschaft. Zur erfolgreichen Entwicklung der Innovation in Bulgarien sollten diese Gesichtspunkte im Rahmen der nationalen Innovationspolitik behandelt werden, folgert der Bericht.

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Bulgarien