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Europäisches Weltraumlabor startbereit

Das Columbus-Labor, der wichtigste einzelne Beitrag Europas zur Internationalen Raumstation (ISS), ist erfolgreich fertig gestellt worden. Es kann Ende Mai nach Cape Canaveral in den USA verschifft werden kann, von wo aus es im zweiten Halbjahr 2007 zur ISS geflogen werden sol...

Das Columbus-Labor, der wichtigste einzelne Beitrag Europas zur Internationalen Raumstation (ISS), ist erfolgreich fertig gestellt worden. Es kann Ende Mai nach Cape Canaveral in den USA verschifft werden kann, von wo aus es im zweiten Halbjahr 2007 zur ISS geflogen werden soll. Bei dem Labor handelt es sich um ein Projekt der Europäischen Weltraumorganisation im Wert von einer Milliarden Euro. Während der voraussichtlich zehnjährigen Einsatzphase von Columbus werden europäische Wissenschaftler ein breit gefächertes Programm an Experimenten in den Bereichen Biowissenschaften, Physik, Werkstoffwissenschaften, Grundlagenphysik und Technologie durchführen. Bei seiner Rede anlässlich der Eröffnungsfeier am 2. Mai in der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS SPACE) in Bremen, wo das Labor gebaut wurde, betonte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain die gesamteuropäische Natur des Projekts, in dessen Rahmen 40 Unternehmen aus zehn EU-Ländern zusammenkamen: "Es waren viele Unternehmen beteiligt. Sie haben alle ausgezeichnete Arbeit geleistet, für die ich ihnen heute danken möchte." Bundeskanzlerin Angela Merkel, die der Feier ebenfalls beiwohnte, unterstrich den Beitrag Deutschlands zu dem europäischen Projekt: "Es ist ein kleiner, aber ausgesprochen feiner Bereich, der einem Land, das den Anspruch hat, ein Hochtechnologieland und ein führendes Wissenschaftsland zu sein, sehr gut ansteht." Bei dem Labor, dessen Bau zehn Jahre dauerte, handelt es sich um einen Zylinder aus Aluminiumlegierung mit einem Durchmesser von 4,5 Metern und einer Länge von 6,7 Metern. Innen bietet das Druckmodul Raum für zehn International Standard Payload Racks (ISPRs), von denen sich acht in den Seitenwänden und zwei an der Decke befinden. Die Racks sind jeweils so groß wie eine Telefonzelle und können ihr eigenes autonomes und unabhängiges Labor samt Strom- und Kühlsystemen sowie Video- und Datenverbindungen zu Forschern auf der Erde beherbergen. Diese Racks dienen der ESA zufolge dazu, "die maximale Forschungsmenge aus einem minimalen Raum herauszuholen und europäischen Wissenschaftlern zahlreicher Fachrichtungen umfassenden Zugang zu einer schwerelosen Umgebung zu verschaffen, die auf der Erde nicht nachgeahmt werden kann". Die Racks umfassen das European Physiology Modules Facility (EPM), in dem eine Reihe von Versuchen zur Untersuchung der Auswirkungen langer Raumflüge auf den menschlichen Körper wie altersbedingter Knochenschwund, Gleichgewichtsstörungen und andere Störungen durchgeführt werden. Der Material Science Laboratory Electromagnetic Levitator (MSL-EML) wird die Forscher bei der Untersuchung des Schmelzens und der Erstarrung leitender Metalle, Legierungen oder Halbleiter unterstützen. In einem Fluid Science Laboratory (FSL) werden Versuche in schwerelosen Flüssigkeiten durchgeführt. Der ESA zufolge könnten diese Anlagen zur Verbesserung des Lebens auf der Erde beitragen, indem z. B. bessere Möglichkeiten für die Beseitigung von Ölteppichen gefunden würden oder sogar die Herstellung optischer Linsen verbessert würde. Außerhalb der Druckkabine verfügt Columbus über vier Plattformen für Außennutzlasten, die laut ESA einen "ungehinderten" Blick auf die Erde und den Weltraum bieten und weitere Experimente ermöglichen werden, beispielsweise zur Lösung der Frage, wie Bakterien auf einem künstlichen Meteoriten überleben können, oder zur Erklärung der vulkanischen Aktivität 400 km unter der Erdoberfläche.