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FLIC: Sprachen lernen mit Instinkt

Die EU-Mitgliedstaaten müssen besser kommunizieren, damit sie besser kooperieren können. Zwar steht in ganz Europa eine zweite Sprache auf dem Lehrplan, aber dennoch können nur 51 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine Fremdsprache sprechen. Man weiß seit langem, dass es Ki...

Die EU-Mitgliedstaaten müssen besser kommunizieren, damit sie besser kooperieren können. Zwar steht in ganz Europa eine zweite Sprache auf dem Lehrplan, aber dennoch können nur 51 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine Fremdsprache sprechen. Man weiß seit langem, dass es Kindern leicht fällt, Fremdsprachen zu lernen. Mehr noch: Erwachsene erlernen eine Sprache anders als Kinder, und zwar nicht nur auf dem Anfängerniveau. Was wäre also, wenn es Techniken gäbe, die den Erwachsenen das Sprachenlernen so leicht machen würde wie Kindern? Das Projekt FLIC, das unter dem Fünften Rahmenprogramm (RP5) gefördert und von MediTech in Wedemark, Deutschland, koordiniert wird, versucht genau solche Techniken zu entwickeln. FLIC (Foreign Language Acquisition with the Instinct of a Child - Fremdsprachen lernen mit dem Instinkt eines Kindes) verwendet Techniken, die ursprünglich für Kinder mit Dyslexie entwickelt wurden, im Sprachunterricht für Erwachsene. Ralph Warnke, Direktor von MediTech, sprach mit CORDIS-Nachrichten. "Der Name FLIC wurde gewählt, weil Kinder Sprachen einfach lernen. Sie nehmen sie implizit auf, ohne sich darauf konzentrieren zu müssen. Aber in der Schule wird der Lernprozess explizit. Dasselbe trifft auf das Vokabular zu. Wenn wir Wörter in einer Fremdsprache lernen, kann es passieren, dass wir genau wissen, wo wir das Wort im Lehrbuch gesehen haben, aber wir können es trotzdem nicht korrekt anwenden." Warnke nennt als Beispiel Kinder, die an einem Schüleraustausch mitmachen, um Sprachen zu lernen. Dort entwickeln sie praktische Sprachkenntnisse auf einem wesentlich höheren Niveau einfach dadurch, dass sie die Sprache tagtäglich anwenden. Die Projektergebnisse werden demnächst veröffentlicht, ein Zentrum in Sheffield in Großbritannien wartet jedoch schon mit ersten Zwischenresultaten auf. Das Unternehmen sammelt noch mehr Informationen von fünf weiteren Standorten in Frankreich, Italien und Deutschland. Der Abschlussbericht wird im Juni erwartet. "In Sheffield haben wir den klassischen Ansatz direkt mit einer Methode verglichen, die zu 50 Prozent auf FLIC basierte, und unsere Gruppen waren besser", erklärte Warnke. Die Ergebnisse zeigten, dass die Schüler in der FLIC-Gruppe tatsächlich in fast allen Kategorien, aber insbesondere im Sprechen und Hörverständnis besser abschnitten. In Selbsteinschätzungen bewerteten die FLIC-Schüler interessanterweise ihre Leistungen oft besser als sie tatsächlich waren. Das zeigt einen wesentlichen Faktor: Selbstvertrauen. "Das ist ein Schlüsselfaktor", so Warnke weiter. "Ein Problem, das wir im Lernverhalten von Erwachsenen beobachteten, ist die Tatsache, dass das Lernen vom Verstand gelenkt wird. Es gibt einen Unterschied zwischen etwas lernen und das Gelernte anwenden. Wir möchten den Schülern die Scheu nehmen. Wichtig ist: Wir müssen die Schüler dazu kriegen, es zu versuchen." Die FLIC-Methode wurde für Kinder mit Dyslexie entwickelt. Die Forscher fanden heraus, dass diese Kinder manchmal nicht in der Lage sind, Material "parallel zu verarbeiten". So konnten sie vielleicht einen Absatz perfekt lesen, aber sobald sie abgelenkt werden, zum Beispiel, indem sie auf einem Bein stehen mussten, wurde entweder das Lesen unmöglich oder aber das Kind fiel um. Interkulturelle Tests haben auch gezeigt, dass in Kulturen, in denen es bestimmte Wörter oder Laute nicht gibt - zum Beispiel den Unterschied zwischen L und R im Japanischen oder W und V in Indien, kleine Kinder diesen Unterschied sehr wohl erkennen. Aber schon im Alter von acht Monaten hat das Kind diese Fähigkeit, den Unterschied zu erkennen, verloren. Die FLIC-Methode möchte diese schlafenden Fähigkeiten wieder zum Leben erwecken. Weitere Tests mit Zwei- und Dreijährigen haben ergeben, dass sich falsche Grammatik für sie auch einfach "falsch" anhört. Wenn sie grammatikalisch korrekte und falsche Sätze wiederholen sollten, machten sie mehr Fehler bei den falschen Sätzen. Um den Erwachsenen ein Stück dieses kindlichen Wissens zurückzugeben, hat das Unternehmen eine Methode der Parallelverarbeitung im Sprachunterricht entwickelt, durch die der neuen Sprache eine "innere Darstellung" verliehen wird. Zuerst trägt der Schüler einen Kopfhörer und wiederholt Wörter. Die Stimme des Schülers ist auf der linken, die des Lehrers auf der rechten Seite des Kopfhörers zu hören. Dadurch kann der Schüler einen direkten Vergleich anstellen. Als nächstes wechseln die Stimmen die Seite. Das ist wichtig, da dadurch gewährleistet wird, dass beide Gehirnhälften sich auf beide Stimmen, die des Schülers und die des Lehrers, konzentrieren. Das ist ein zentraler Schritt des Prozesses, weil er die Sprache dem Unterbewusstsein zugänglich macht, ähnlich wie ein Kind diese Informationen verarbeitet. Als Drittes werden die Stimmen in vier Frequenzen aufgeteilt und wieder vermischt, so dass auf jedem Ohr jeweils zwei Viertel der eigenen und zwei Viertel der Stimme des Lehrers zu hören sind. Wenn die Stimmen so gemischt sind, versteht der Schüler viel besser, wie seine Stimme klingen sollte. Und schließlich wird die so genannte Konsonantenverbesserung eingeführt. Manche Phoneme sind schwierig auszusprechen. Diese Phoneme werden wiederholt, wobei "falsche" Phoneme hinzugefügt werden. Aus diesem direkten Vergleich ist das falsche Phonem viel besser herauszuhören. Die Technologie ermöglicht quasi eine Feineinstellung der Konsonanten, da sie sich auf die innere Wiederholung des Schülers stützt. Auch wenn dieses Verfahren sich in erster Linie auf Aussprache zu beziehen scheint, so deuten die Ergebnisse doch darauf hin, dass der gesamte Lernprozess verbessert wird. "Wir verwenden die Grammatik, ohne Grammatik zu lernen, indem wir die Wörter immer wieder hören und anwenden", erklärt Warnke, der - nebenbei - fehlerfreies Englisch spricht und seine beiden kleinen Kinder zweisprachig erzieht: Er spricht nur Deutsch mit ihnen, seine Frau nur Englisch. Ganz besonders überraschend ist wohl die Tatsache, dass die Schüler, die zu Beginn des Versuchs die schlechtesten Fremdsprachenkenntnisse hatten, die größten Erfolge aufwiesen. Das zeigt, dass diese Technik vielleicht all die erreicht, die am meisten Schwierigkeiten mit dem Sprachen lernen haben.

Länder

Deutschland, Frankreich, Italien

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