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Flämische Ministerin: Neues Programm für Forschungsinfrastruktur wird Zusammenarbeit fördern

Die belgische Region Flandern richtet mit "Hercules Financing" ein neues Programm zur Finanzierung von Forschungsinfrastruktur ein. Laut der flämischen Ministerin für Wirtschaft, Unternehmen, Wissenschaft, Innovation und Außenhandel, Fientje Moerman, wird die Initiative dazu b...

Die belgische Region Flandern richtet mit "Hercules Financing" ein neues Programm zur Finanzierung von Forschungsinfrastruktur ein. Laut der flämischen Ministerin für Wirtschaft, Unternehmen, Wissenschaft, Innovation und Außenhandel, Fientje Moerman, wird die Initiative dazu beitragen, ausländische Forscher nach Flandern zu bringen, und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit erleichtern. "Unser Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige Forschungsinfrastruktur zu schaffen und so Flandern zu einem stärkeren Magneten für talentierte Wissenschaftler zu machen und den Brain Drain effektiv umzukehren", sagte Moerman in einem Interview mit CORDIS-Nachrichten. Diese Öffnung der Infrastruktur für Forscher aus anderen Ländern wird von der Europäischen Kommission begrüßt, die diese Praxis unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) fördert und unter dem RP7 weiterführen möchte. "Die derzeitigen nationalen Maßnahmen zu Forschungsinfrastrukturen sind von zentraler Bedeutung für die Zukunft der europäischen Forschung", so Hervé Pero, Referatsleiter für Forschungsinfrastrukturen innerhalb der Europäischen Kommission. "Es kann jedoch mehr getan werden, wenn wir unsere Ressourcen auf europäischer Ebene bündeln, wenn wir Risiken und Kosten teilen können, wenn wir unseren Forschern unabhängig von ihrem Standort die besten Einrichtungen bieten können." Hercules Financing wird ein Programm zur Finanzierung großer und mittlerer Forschungsinfrastrukturen an flämischen Universitäten und Fachhochschulen sein. Das Ministerium sieht einen Haushalt von 25 Millionen Euro jährlich für den Mechanismus vor und zieht Operational Leasing sowie öffentlich-private Partnerschaften in Erwägung, um weitere Finanzierungsmittel zu gewinnen. Der Finanzierungsmechanismus verfolgt drei Ziele: Förderung der Zusammenarbeit zwischen flämischen Universitäten und Fachhochschulen, öffentlichen Forschungszentren und Industrie; Sicherstellung der Verfügbarkeit von Forschungsinfrastruktur während seiner Kreditperiode und Unterstützung von Infrastrukturprojekten. Mittelgroße Infrastrukturprojektvorschläge werden von Hochschulforschungsräten bewertet, wohingegen Finanzierungsanträge für größere Projekte von einer Sonderkommission beurteilt werden, die aus Vertretern von Universitäten und Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie besteht. Eine andere Kommission wird die in den Vorschlägen genannten Geschäftspläne bewerten und Ratschläge zur Optimierung der Finanzierung erteilen. Den Ausschüssen können Moerman zufolge gegebenenfalls auch nicht-flämische Experten angehören. "Die Qualität und das Know-how der Forscher oder des Forschungsteams hinter dem Vorschlag und ihr internationales Ansehen werden ebenfalls berücksichtigt", ergänzte die Ministerin. Moerman wollte nicht spezifizieren, welche Typen von Infrastruktur Flandern möglicherweise braucht, und hob den Bottom-up-Ansatz von Hercules hervor. Das Programm wird allen akademischen Fachrichtungen, von den Physikwissenschaften bis hin zu den Sozial- und Geisteswissenschaften, offen stehen, sagte sie. "Entsprechend wird der Begriff 'Infrastruktur' weit ausgelegt und umfasst nicht nur konventionelle wissenschaftliche Infrastruktur, sondern auch potenziell Sammlungen, natürliche Lebensräume, Corpora und Datenbanken", fügte sie hinzu. Die Ministerin stellte jedoch eine Reihe von Stärken der Region Flandern heraus: "Bibliometrische Analysen zeigen, dass flämische Hochschulen und wissenschaftliche Institutionen zu den führenden Einrichtungen ihrer Art in Europa gehören, sowohl in Bezug auf ihr Veröffentlichungsoutput als auch in Bezug auf ihren internationalen Ruf. Auch bezüglich Patenten gehört das Output von Flandern zu den höchsten aller Regionen, obwohl der Großteil dieser Patente durch eine begrenzte Zahl multinationaler Unternehmen generiert wird." Flandern investierte im Jahr 2002 2,24 Prozent und im Jahr 2003 2,14 Prozent seines BIP in die Forschung. Die Ministerin ist der Ansicht, dass die Ausgaben der Regierung für Wissenschaft und Innovation "die große Wichtigkeit illustrieren, die die flämische Regierung der Innovation als treibende Kraft für die Schaffung von Arbeitsplätzen beimisst". Auf europäischer Ebene finanziert die Kommission Integrationsinitiativen, die nicht nur auf die Koordinierung von Anstrengungen abzielen, sondern auch auf die Entwicklung "gemeinsamer Forschungsmaßnahmen zur Verbesserung der Kapazität und Leistung von Einrichtungen und gemeinsamen Forschungsdienstleistungen für externe Nutzer", so Pero. Mehr als 50 Prozent der Finanzierungsmittel unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) - rund 90 Millionen Euro - sind für derartige Maßnahmen aufgewendet worden, sagt er. Zwei Jahre lang hat die Kommission verschiedene Designstudien und Bauprojekte zu Infrastrukturen von europaweitem Interesse im Rahmen eines Pilotprogramms unterstützt. Sie entwickelt außerdem eine echte Politik für Forschungsinfrastrukturen in Europa, zusammen mit ESFRI (Europäisches Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen). Gemeinsam werden sie die erste Roadmap für neue Infrastrukturen erstellen. Unter dem RP7 wird die Kommission noch weiter gehen und "ein neues und strategisches Element" in Form von Unterstützung für den Bau neuer Forschungsinfrastrukturen auf der Grundlage der von ESFRI durchgeführten Arbeit einführen. Der Haushalt wird im Vergleich zum RP6 um 60 Prozent erhöht. Der ursprüngliche RP7-Vorschlag sah Gemeinschaftsunterstützung in zwei Phasen des neuen Infrastrukturprozesses vor: während der Vorbereitungsphase und während der Umsetzungsphase. Da der Haushalt für die Infrastruktur wahrscheinlich 50 Prozent niedriger als der ursprünglich vorgeschlagene Betrag sein wird, werden die Finanzierungsmittel der Kommission jetzt in erster Linie für die Vorbereitungsphase bereitgestellt. Die Unterstützung in der Umsetzungsphase wird wahrscheinlich indirekt, beispielsweise durch die "Risk Sharing Finance Facility" ("Finanzierungsfazilität mit Risikoteilung"), erfolgen. In sehr wenigen Fällen kann direkte Unterstützung durch Zuschüsse gewährt werden. Ministerin Moerman betonte, die Forschungsinfrastruktur könne die Kapazität einer Region zur Durchführung von Forschung ausweiten und außerdem beträchtliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben. "Die innovative Forschung, die in diesen Einrichtungen durchgeführt wird, generiert neue industrielle und gesellschaftlich relevante Anwendungen, die wiederum neue Wirtschaftsaktivitäten hervorbringen und Mehrwert oder mehr Arbeitsplätze schaffen können", sagte sie gegenüber CORDIS-Nachrichten.

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