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EU-Netzwerk entwickelt langfristigen Plan für Forschung zur biologischen Vielfalt

ALTER-Net, ein von der EU finanziertes Exzellenznetz (NoE), hat eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung zur Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen Ökosystemen, biologischer Vielfalt und der Gesellschaft gegründet. Der Verlust der biologischen Vielfalt setzt sich ...

ALTER-Net, ein von der EU finanziertes Exzellenznetz (NoE), hat eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung zur Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen Ökosystemen, biologischer Vielfalt und der Gesellschaft gegründet. Der Verlust der biologischen Vielfalt setzt sich alarmierend schnell fort, sowohl in der EU als auch weltweit, was schwerwiegende Auswirkungen auf die nachhaltige Existenzsicherung und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum haben könnte. Während die Forschung zur biologischen Vielfalt eine Priorität in Europa darstellt, scheinen viele der Forschungsanstrengungen in diesem Bereich verschiedene Ziele zu verfolgen und zersplittert zu sein, was rechtzeitige Lösungen für spezifische Probleme im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt schwierig macht. "Die Forschung auf diesem Gebiet ist so fragmentiert, dass man sich nur schwer ein Bild der geleisteten Anstrengungen machen kann", so der Koordinator von ALTER-Net, Terry Parr, gegenüber CORDIS-Nachrichten. An dem Projekt ALTER-Net sind 24 Organisationen aus 17 europäischen Ländern beteiligt, die Forschung zur biologischen Vielfalt in terrestrischen und Frischwasserökosystemen durchführen. Es wird mit zehn Millionen Euro unter dem vorrangigen Themenbereich "Nachhaltige Entwicklung, globale Veränderungen und Ökosysteme" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) unterstützt. Im Jahr 2003 haben 51 Länder in Europa die Kiew-Resolution zur biologischen Vielfalt unterzeichnet, mit der dem Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 Einhalt geboten werden soll. Die Strategie der Europäischen Kommission zur biologischen Vielfalt möchte dieses Ziel mit einer Reihe von politischen Maßnahmen erreichen. Diese Maßnahmen würden allerdings durch den Mangel an effizienter Wissenschaft auf dem Gebiet der Bewertung des Stands der biologischen Vielfalt sowie auf dem Gebiet der Veränderung und ihrer Auswirkungen auf die nachhaltige Nutzung behindert, erläuterte Parr. "Daher konzentriert sich unser Projekt auf die Integration der Forschungskapazitäten in ganz Europa zur Bewertung und Vorhersage von Veränderungen in Bezug auf biologische Vielfalt, Struktur, Funktionen und Dynamik der Ökosysteme und ihrer Leistungen", so Parr weiter. Um das für 2010 gesteckte Ziel zu erreichen, wurde im Rahmen von ALTER-Net ein Netzwerk von Standorten für langfristige europäische Forschung zu terrestrischer und Frischwasserartenvielfalt sowie zu Ökosystemen (LTER - Long-term Terrestrial and freshwater biodiversity and Ecosystem Research) eingerichtet. LTER umfasst eine standortgestützte Forschung und Überwachung über mindestens zehn Jahre hinweg. An vielen Standorten finden wiederholte Kontrollen statt. "Es soll nicht nur Forschung zum Stand der biologischen Vielfalt durchgeführt werden, auch Bedrohungen und Gefahren, durch die sie gefährdet wird, wie z. B. Klimawandel, veränderte Landnutzung und invasive Arten, sollen gemessen werden", erklärte Parr. Bestandteil der Arbeiten im Rahmen von LTER ist daher die Harmonisierung der Messungen und die Entwicklung von Systemen zur Unterscheidung zwischen den Auswirkungen lokaler und globaler Katalysatoren für Veränderungen in Schutzgebieten. Im Projekt wurde darüber hinaus ein zweites, verwandtes Netzwerk für Standorte für langfristige sozioökologische Forschung (Long-Term Socio-Ecological Research - LTSER) eingerichtet, an denen die sozioökonomischen Auswirkungen des Verlusts der biologischen Vielfalt sowie die Einstellung der Öffentlichkeit hierzu bestimmt werden sollen. "Es reicht nicht aus, lediglich über den Stand der biologischen Vielfalt Bescheid zu wissen. Es ist auch wichtig, die sozioökonomischen Auswirkungen zu kennen", so Parr. LTSER vereint dazu nationale Netzwerke, an denen sowohl Ökologen als auch Sozioökonomen beteiligt sind, um die sozioökonomischen Katalysatoren für Veränderungen der biologischen Vielfalt zu bestimmen, soziale, politische und wirtschaftliche Antriebskräfte zu analysieren und alternative politische Maßnahmen ausfindig zu machen, mit denen die negativen Auswirkungen dieser Katalysatoren abgeschwächt werden können. Parr ist der Meinung, dass diese Standorte wissenschaftliche Unterstützung zur Bewertung politischer Maßnahmen und zur Förderung von Naturschutz und nachhaltiger Nutzung der biologischen Vielfalt in der EU liefern werden. Um sicherzustellen, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse auf politischer Ebene auch umgesetzt werden, beteiligt sich das Netzwerk an der europäischen Plattform für strategische Forschung im Bereich der biologischen Vielfalt (EPBRS). EPBRS ist ein Forum von Wissenschaftlern, die eng mit Politikern auf nationaler und europäischer Ebene zusammenarbeiten, um strategisch wichtige Forschung zur biologischen Vielfalt zu bestimmen und zu fördern, die einen Beitrag zu Politik und Management zur Reduzierung des Verlusts der biologischen Vielfalt leisten wird. Eine weitere wichtige Maßnahme im Rahmen des Netzwerks ist Vermittlung von Informationen an die Öffentlichtkeit. "Die Wissenschaftler an den verschiedenen Standorten produzieren ein umfangreiches Wissen zur biologischen Vielfalt, das gebündelt und den Medien, Politikern und der allgemeinen Öffentlichkeit vermittelt werden muss", bemerkte Parr. Dazu wurde das International Press Centre for Biodiversity Research (IPCB) eingerichtet, eine regelmäßig aktualisierte Online-Informationsquelle mit Nachrichten und Presseartikeln zur internationalen Forschung auf dem Gebiet der biologischen Vielfalt, die sich an Journalisten und andere Interessenten richtet. Seit der Einrichtung des immer umfangreicher werdenden Portals im Jahr 2005 erfreue es sich einer immer größeren Beliebtheit, erläuterte Parr. Im Rahmen von ALTER-Net werden darüber hinaus Partnerschaften mit Wissenschaftsvermittlern und interaktiven Wissenschaftszentren gegründet, so z. B. die Partnerschaft mit At-Bristol, einem führenden britischen interaktiven Wissenschaftszentrum, die dazu dient, die von den Forschern gesammelten wissenschaftlichen Kenntnisse Kindern in praktischen Übungen näher zu bringen. "Partnerschaften mit diesen Zentren ermöglichen eine wechselseitige Kommunikation", so Parr. "Wir haben nicht nur die Möglichkeit, den Wert der Forschung zur biologischen Vielfalt zu demonstrieren, sondern erhalten darüber hinaus auch ein Feedback der Öffentlichkeit, das wiederum Einfluss auf die Forschungsaktivitäten des Netzwerks nehmen kann." Das wichtigste Publikum sind allerdings die Nachwuchswissenschaftler. Aus diesem Grund veranstaltet das Netzwerk im August eine Sommerschule, in der Nachwuchswissenschaftler mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausgestattet werden sollen, die sie zur Durchführung integrierter europäischer Forschung zur biologischen Vielfalt benötigen. "Die Sommerschule wird auf vielfältige Art und Weise einen Beitrag zu dauerhafter Integration und Verbreitung von Spitzenforschung leisten, beispielsweise durch die Förderung von fächerübergreifenden Konzepten und echten europäischen Perspektiven auf dem Gebiet der Forschung zur Artenvielfalt", erläuterte Parr. "Der Erfolg dieser Initiative und der anderen Maßnahmen des Netzwerks wird sich in ihrem Fortbestehen über die Dauer des Projekts hinaus zeigen."