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Einen innovativen Dialog starten

Seit geraumer Zeit ist "Innovation" das Schlagwort auf den Fluren der EU-Institutionen. Innovation, so heißt es, ist der Königsweg zur Förderung der EU-Wirtschaft und langfristigen Sicherung unseres Wohlstands. Wie die unzähligen Berichte und Konferenzen jedoch zeigen, reden...

Seit geraumer Zeit ist "Innovation" das Schlagwort auf den Fluren der EU-Institutionen. Innovation, so heißt es, ist der Königsweg zur Förderung der EU-Wirtschaft und langfristigen Sicherung unseres Wohlstands. Wie die unzähligen Berichte und Konferenzen jedoch zeigen, reden die Leute zwar gern über Innovation, doch ist unklar, wie diese Ansätze in die Praxis umgesetzt werden können. Hierzu hatte Dr. Roland Strauss eine Idee: Man müsse einen Dialog zwischen innovativen Unternehmen herstellen und den Wissenspool zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. "Ich hatte Kunden in innovativen Branchen. Sie haben nach Organisationen mit ähnlichen Interessen aus anderen EU-Ländern Ausschau gehalten", sagte Dr. Strauss in einem Interview mit CORDIS-Nachrichten. "Also haben wir die wichtigsten Akteure dieses Innovations-Ökosystems versammelt." Dieser dialogbasierte Ansatz, bei dem sich innovative Unternehmen verschiedener Ebenen austauschen, bildete die Basis der Förderung von Innovation in Europa. Dr. Strauss präsentierte der europäischen Wirtschaft seine Ideen erstmals bei der Einführung des Europäischen Innovationsdialogs (EID - European Innovation Dialogue) seines Unternehmens im Dezember 2005 in Brüssel, und dann erneut im Rahmen einer Präsentation im Europäischen Parlament im Januar. Dies erfolgte kurz vor der Veröffentlichung eines wichtigen Berichts einer Expertengruppe zu Innovation, die vom ehemaligen finnischen Ministerpräsidenten Esko Aho geleitet wurde. Bei diesem Bericht handelt es sich um einen Plan für Wohlstand durch Innovation. Doch die Gründe, weshalb Dr. Strauss nach Innovation strebt, liegen noch sehr viel näher - er hat die Chancen der kommenden Generationen im Blick. "Ja, ich denke an meine Kinder", sagte er. "Ich war der deutsche EU-Botschafter für Normen. Globale Wettbewerbsfähigkeit ist mir also nicht neu. Man muss die Zukunft aus einer globalen Perspektive betrachten. Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung der EU hängen von Innovation ab. Nur mit Innovation kann der hohe Lebensstandard aufrechterhalten werden. Dies ist entscheidend für das wirtschaftliche Comeback der EU", sagte er. Dr. Strauss, Gesellschafter des in Brüssel ansässigen Unternehmens Platte Strauss Partners, entwickelte die Idee eines EID zur Förderung der Innovation durch Förderung des Dialogs zwischen innovativen Partnern. Die Ökosystem-Idee ist ein zentrales Element des EID. Erfolgreiche Innovation findet in einem gesunden Innovations-Ökosystem statt. Fehlen zentrale Akteure, dann kann Innovation nicht gedeihen. "Ganz einfach: Ist das Ökosystem unvollständig, findet keine Innovation statt", sagte er. Laut Dr. Strauss kann der EID dazu beitragen, die Kluft zu überbrücken, und so ein günstiges Innovationsklima schaffen, und der beste Weg hierfür ist der Dialog. "Die Hauptdimension des EID ist die Überbrückung der Kluft zwischen hochrangiger Politik auf Ebene der EU, der Mitgliedstaaten und der Strategie von Lissabon und lokalen Akteuren, die tagtäglich mit der Herausforderung zu kämpfen haben, ein erfolgreicher Innovator zu sein. Es gibt Verbindungen zwischen beiden, und diese Verbindungen möchten wir verstärken", sagte er. Nach Ansicht von Dr. Strauss kann auch auf anderen Ebenen ein Dialog stattfinden. So können z. B. einzelne Städte Innovation vorantreiben. Die finnische Stadt Oulu etwa ist Sponsor der nächsten EID-Veranstaltung, der ersten in einer Reihe von regionalen Veranstaltungen zur Innovation. Oulu verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung des "Innovations-Ökosystems" und gibt ihre Erfahrung gerne weiter. Die erste regionale Veranstaltung, die von der ungarischen Regierung stark gefördert wird, findet vom 21. bis 23. Juni in Budapest statt. "Wir möchten innovative Akteure zusammenbringen, die darüber diskutieren, wie Innovation das Wirtschaftswachstum in Ungarn fördern kann", so Dr. Strauss. Dies soll im Rahmen von vier Podiumsdiskussionen erfolgen. Bei der ersten Gesprächsrunde wird die richtige Politik zur Förderung der Innovation in Ungarn erörtert. Das zentrale Thema der zweiten Podiumsdiskussion lautet "erfolgreiche Innovationsfinanzierung". Bei der dritten Runde handelt es sich um eine "Best Practice"-Podiumsdiskussion, auf der Experten, wie z. B. Vertreter der Stadt Oulu oder von innovativen Unternehmen, ihre Erfahrungen austauschen. Und schließlich sollen im Rahmen eines Rundtischgesprächs die Erkenntnisse der ersten drei Veranstaltungen zusammengeführt und in einen Aktionsplan für Innovation in Ungarn einfließen. Ein Problem, auf das Dr. Strauss früh gestoßen ist, ist die Integration von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die in der Regel nicht über die finanziellen Mittel zur Teilnahme an derart großen Konferenzen verfügen. "KMU sind aufgrund der Mittelknappheit nur schwer einzubeziehen", sagte er. Dies stellt ein bedeutendes Hindernis dar, da es sich bei innovativen Unternehmen meist um KMU handelt und diese nahezu 60 Prozent des BIP der EU erwirtschaften. "Wir versuchen daher, KMU in die Vorbereitungsphase der eigentlichen Veranstaltung einzubinden. Ihr Input fließt dann in die Informationsveranstaltungen ein. Wir werden persönliche Treffen anbieten können, deren Planung über die Konferenz-Website erfolgt. Dies wiederum ermöglicht KMU, mit Vertretern nationaler und regionaler Regierungen über Themen wie das Rahmenprogramm, geistiges Eigentum, Technologietransfer und EU-Zuschüsse zu diskutieren", sagte er. Darüber hinaus können KMU so in einen Dialog mit größeren Unternehmen treten. Denn wie bereits erwähnt, sind Informationsverbreitung und einfache Zugangsmöglichkeiten von entscheidender Bedeutung. Dr. Strauss ist zuversichtlich, dass größere Unternehmen nach einigen Gesprächen feststellen werden, dass in ihrer Innovationsstrategie auch Platz für einige der kleineren Akteure ist. Regierungsvertreter werden anwesend sein, um Fragen der anwesenden Delegierten z. B. in Bezug auf Möglichkeiten zur Unterstützung von Unternehmen zu beantworten. Dies ist im Wesentlichen der Schlüssel zur Zukunft, die sich Dr. Strauss für seine Kinder wünscht - in einem innovationsfreundlichen Europa. "Wir fangen ganz unten an, was die Kommission nicht tun kann", sagte er.

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Ungarn