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Grüne Woche über die Bedeutung der Natur und weshalb der Forschung eine Schlüsselrolle zukommt

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hielt auf der Eröffnungskonferenz der Grünen Woche am 30. Mai eine Rede zum Thema "Why nature matters" ("Über die Bedeutung der Natur"). Darin wies er erneut eindringlich darauf hin, die "Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt und di...

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hielt auf der Eröffnungskonferenz der Grünen Woche am 30. Mai eine Rede zum Thema "Why nature matters" ("Über die Bedeutung der Natur"). Darin wies er erneut eindringlich darauf hin, die "Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt und die Begrenzung des Klimawandels sind die zwei wichtigsten Herausforderungen, denen sich die Menschheit gegenübersieht". Er betonte des Weiteren die Schlüsselrolle, die der Forschung angesichts dieser beiden Herausforderungen im Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zukommt. Während Klimawandel immer wieder sehr wirkungsvoll für Schlagzeilen sorge, würde dem Verlust der biologischen Vielfalt, der nicht weniger besorgniserregend sei und mit dem Klimawandel in Zusammenhang stünde, weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Mit alarmierenden Statistiken zum Verlust der biologischen Vielfalt erregte Dimas die Aufmerksamkeit des Publikums. "Die weltweite Rate des Aussterbens von Arten ist mindestens hundertmal höher als unter natürlichen Bedingungen. Schätzungsweise 34.000 Pflanzen- und 5.200 Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Das bedeutet, dass jede achte Vogelart, ein Viertel aller Säugetiere und ein Drittel aller Amphibien gefährdet sind. Wenn Wissenschaftler vom sechsten Massenaussterben sprechen, dann handelt es sich dabei nicht um Schwarzmalerei. Das letzte liegt 65 Millionen Jahre zurück und führte zum Aussterben der Dinosaurier", so Dimas. Dimas verwies die anwesenden Konferenzteilnehmer auf den Aktionsplan, den die Kommission Anfang Mai verabschiedet hat, und führte zwei zwingende Gründe an, der biologischen Vielfalt in der politischen Agenda oberste Priorität einzuräumen: "Erstens hat Natur einen Wert an sich", erklärte Dimas, "denn die Zerstörung von Ökosystemen ist in vielen Fällen irreparabel und ausgerottete Arten sind für immer von unserem Planeten verschwunden. Wenn wir die Natur zerstören, dann entziehen wir künftigen Generationen Möglichkeiten ihres Überlebens und ihrer Entwicklung. Dieses Verhalten ist nicht nur unverantwortlich, sondern auch unethisch." "Zweitens bildet die Natur die Grundlage unserer Lebensqualität", so der Kommissar weiter. "Wir müssen ehrlich sein und uns eingestehen, dass die weit verbreitete Ansicht, Naturschutz ginge zu Lasten der wirtschaftlichen Entwicklung, schlicht falsch ist. Diese weit verbreitete Meinung zu korrigieren, ist das Hauptanliegen, das die Kommission mit ihrer Mitteilung verfolgt. Die wichtigsten Botschaften dieser Mitteilung sind, dass gesunde Ökosysteme entscheidend für unseren Wohlstand sind und dass Ökosysteme, sowohl in der EU als auch weltweit, bei weitem nicht gesund sind. Tatsächlich sind sie hochgradig vom Verschwinden bedroht." Die UN haben in ihrem "Millennium Ecosystem Assessment" (Jahrtausendstudie zur Bewertung der Ökosysteme) des vergangenen Jahres vier "Ökosystemleistungen" festgelegt. Diese werden als selbstverständlich hingenommen, sind jedoch zu zwei Dritteln rückläufig: - Erzeugung von Gütern wie Nahrungsmittel, Fasern, Brenn- und Rohstoffe; - Regulierung der Luft, die wir zum Atmen brauchen, und der Wassersysteme des Planeten; - Regulierung der Fruchtbarkeit des Bodens und der Fortpflanzung im Pflanzenreich; - kultureller Nutzen von Flora und Fauna und natürlicher Lebensräume. In der Praxis führt der Rückgang dieser "Ökosystemleistungen" zur Erschöpfung natürlicher Ressourcen, so etwa zum nahezu vollständigen Aussterben von Fischarten, die einst weit verbreitet waren, wie beispielsweise Kabeljau, oder zur Zerstörung natürlicher Lebensräume, die Auswirkungen von Naturkatastrophen wie dem Hurrikan Katrina oder dem Tsunami in Südostasien abgemildert hätten. "Dies sind nur die eindrucksvollsten Beispiele", sagte Kommissar Dimas. "Es gibt sehr viel mehr Fälle, die weniger aufsehenerregend sind und weniger deutlich zutage treten [�], die aber in ihrer Gesamtheit gesehen unsere Wirtschaft stark belasten." Der Kommissar erklärte weiter, der Verlust genetischer Ressourcen sei im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar, denn wie sich eine Art im Laufe der Evolution entwickele, zeige sich logischerweise erst in ferner Zukunft. Daher wisse man nicht, was verloren geht. Diese "Ökosystemleistungen" haben eine größere Bedeutung als man zunächst annehmen mag. Studien im VK haben ergeben, dass Aktivitäten, die auf natürlichen Umgebungen basieren, jährlich sage und schreibe 100 Milliarden Euro zum britischen BIP beitragen. Und für Costa Rica ist Ökotourismus gar das Rückgrad seiner Wirtschaft. Beim Thema chinesisches Wirtschaftswunder zählte Kommissar Dimas die negativen Folgen auf. "Nach zwanzig Jahren unkontrollierten Wachstums sind rund 20 Prozent der Landfläche von Bodenerosion betroffen. 75 Prozent der Seen und fast alle Küstengewässer wurden als verschmutzt eingestuft. 90 Prozent der Grasflächen sind zerstört", mahnte Dimas. Wirtschaftswunder fordern eindeutig einen hohen Preis. In Europa, wo man einige der am meisten verschmutzten Landstriche der Welt findet, hat man bereits in den 1970er Jahren erste Schritte zum Schutz von Lebensräumen unternommen. Die Initiative NATURA-2000 fasst die Naturräume Europas zu einem Gebiet zusammen, das "die größte territoriale Einheit der EU und größer als jeder Mitgliedstaat" sein wird. Der Aktionsplan sieht ein Vier-Punkte-Schema für die EU vor: Berücksichtigung der Zeit nach 2010, Einrichtung eines Mechanismus für forschungsbasierte Beratung in der EU im Hinblick auf künftige Entscheidungsfindung, Ermittlung künftiger Forschungsbereiche und schließlich die Einleitung einer Debatte über die Zukunft der Natur. Kommissar Dimas sagte zusammenfassend, der biologischen Vielfalt müsse in Europa ein höherer Stellenwert beigemessen werden. "Dies ist der Grund, warum ich mich entschlossen habe, die diesjährige Grüne Woche unter das Motto der biologischen Vielfalt zu stellen. Daher möchte ich Sie zum Schluss alle auffordern, auf den Veranstaltungen der nächsten vier Tage aufmerksam zu sein und sich einzubringen und am Ende der Woche mit der Erkenntnis heimzugehen, dass die biologische Vielfalt von immenser Bedeutung ist", schloss Kommissar Dimas seine Ausführungen.