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Türkei: Beschäftigung mit dem Rahmenprogramm

Die Türkei ist ein relativer Newcomer in Bezug auf das Rahmenprogramm (RP). Die türkischen Forscher haben zwar an dem Programm "internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit" (INCO) des RP5 teilgenommen, das Land wurde aber erst im Jahr 2003 unter dem RP6 ein vollständiger T...

Die Türkei ist ein relativer Newcomer in Bezug auf das Rahmenprogramm (RP). Die türkischen Forscher haben zwar an dem Programm "internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit" (INCO) des RP5 teilgenommen, das Land wurde aber erst im Jahr 2003 unter dem RP6 ein vollständiger Teilnehmer. In einem Interview mit CORDIS-Nachrichten erklärte Mehmet Gokgoz, Direktor des Türkischen Forschungs- und Wirtschaftsbüros (Turkish Research and Business Organisation - TURBO), wie seine Organisation die öffentliche und private Forschungsgemeinschaft des Landes bei ihrer steilen Lernkurve, der Entdeckung der Verhaltensregeln für das Programm und ihrer Vorbereitung für die Teilnahme unter dem RP7 unterstützt hat. Die im Jahr 2004 vom Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TUBITAK) und mehreren großen nationalen Handels- und Wirtschaftsverbänden (TOBB, KOSGEB, TESK) eingerichtete Organisation TURBO zielt darauf ab, die Türkei beim Erzielen eines maximalen Erfolgs an den EU-Programmen für Forschung und technologische Entwicklung (FTE) sowie den auf den Privatsektor abzielenden Programmen im Rahmen der Strategie von Lissabon zu unterstützen. Die in Brüssel ansässige Organisation stellt Informations-, Kommunikations- und Beratungs- sowie Schulungsdienstleitungen für potenzielle türkische Teilnehmer am RP wie öffentliche Forschungsinstitute und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bereit. Sie leistet außerdem Unterstützung für die Nationalen Kontaktstellen (NKS) des Landes, indem sie Informationen zu Veranstaltungen und Themen von zentraler Bedeutung für die EU-Forschungspolitik bereitstellt und Sitzungen zwischen diesen und ihren Pendants in anderen Ländern erleichtert. "Wir betrachten uns als eine Art 'Frühwarn'-System für alle unsere Mitglieder", erklärte Gokgoz. Für das größte Mitglied, TUBITAK, umfasst dies die Teilnahme an Informationstagen und Konferenzen zu Forschungspolitik und die Information der öffentlichen Forschungsgemeinschaft über die Themen des Tages. Für die Wirtschaft hält TURBO ein Auge auf das Mehrjahresprogramm für Unternehmen und unternehmerische Initiative (MJP), das bald als das Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) bekannt sein wird, und unterstützt KMU beim Verfassen von Vorschlägen. TURBO unterstützt die Mitglieder auch bei der Suche nach Partnern, mit denen sie am RP6 teilnehmen können, hauptsächlich durch IGLO, die Informal Group of RTD Liaison Offices, mit der sie verbunden ist. "TUBITAK organisiert praktisch täglich Informationstage in der Türkei", erklärte Gokgoz. "Wir besuchen Hochschulen und Forschungsinstitute im ganzen Land und halten dort Vorträge und Schulungen." Dies ist eine wichtige Aufgabe angesichts des mangelnden anfänglichen Verständnisses für das RP6 in der türkischen Forschungsgemeinschaft. "Anfangs wussten wir nicht sehr viel", erklärte Gokgoz. Er verwies auf seine Gespräche mit türkischen NKS, die sich selbst mit Schwimmern auf dem Meer verglichen. "Sie wurden ins Meer gestoßen, ohne zu wissen, wie man schwimmt, und es wurde erwartet, dass sie Meister sind." Eine Aufschlüsselung der Beteiligung am RP6 nach Ländern lässt jedoch darauf schließen, dass die türkischen NKS und TURBO effektive Arbeit geleistet haben und dass die türkischen Forscher die Gelegenheit genutzt haben. Bis März 2006 haben sich insgesamt 2.455 türkische Teams an den Projektvorschlägen beteiligt, 370 von ihnen waren erfolgreich. Diese ersten greifbaren Ergebnisse seien sehr ermutigend, so Gokgoz. Diese Ansicht wird verstärkt, wenn man berücksichtigt, dass es in der Türkei nur 27.000 Vollzeitforscher gibt, im Vergleich zu 480.000 in Deutschland, einem der Topleistungsträger im RP6. "Wenn man das Verhältnis der Forscherzahl zur Zahl der RP-Projekte für jedes Land betrachtet, stellt man fest, dass das Verhältnis fast dasselbe ist. Dies zeigt, dass die türkischen Forscher ebenso produktiv sind wie ihre deutschen Kollegen", mutmaßte er. Die Mitglieder von TURBO sehen Gokgoz zufolge die Erfolgsrate ihrer Beteiligung am RP6 insgesamt positiv und es bestehe ein allgemeines Verständnis und eine Akzeptanz dahingehend, dass die erstmalige Teilnahme mit einigen Herausforderungen verbunden sein werde. Tatsächlich stellte das RP6 einen enormen Lernprozess für die TURBO-Mitglieder dar, die es jetzt mit sehr viel "mehr Konkurrenz" zu tun haben. "Die türkischen Hochschulen sind daran gewöhnt, durch die TUBITAK-Programmaufrufe miteinander zu konkurrieren", sagte Gokgoz. "Aber auf europäischer Ebene zu konkurrieren, ist etwas völlig anderes." Es umfasst den Wettbewerb mit den "Besten der Besten" und die Anpassung an die Arbeit in sehr großen Konsortien wie Exzellenznetzen (NoE) und Integrierten Projekten (IP). "Wir tun unser Bestes, um potenzielle Teilnehmer über diese Herausforderungen zu informieren", sagte er. "Dies ist die Hausaufgabe von TURBO und seinen Mitgliedern." Aber die Regierungen der Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission müssen ebenfalls ihre eigenen Hausaufgaben machen. Sie müssen auch die Hemmnisse, die derzeit die vollständige und gleichberechtigte Teilnahme der türkischen Forschungsgemeinschaft behindern, verstehen und angehen. Ein Bereich, in dem Bedenken bestehen, ist die nicht vorhandene Freizügigkeit innerhalb der EU für Forscher türkischer Organisationen. Türkische Forscher, die einen Mitgliedstaat der EU besuchen möchten, müssen Visa beantragen, wobei die Kriterien und Bedingungen für diese von Land zu Land unterschiedlich sind. "Wir [TURBO] konnten diesbezüglich nicht viel tun, da es in den Zuständigkeitsbereich der nationalen Regierungen fällt." TURBO könne lediglich auf das Problem aufmerksam machen und zeigen, dass die Türkei, obwohl sie ein vollständiger Teilnehmer ist, nicht gleichberechtigt konkurrieren kann, so Gokgoz. "Dies betrifft den 'Wettbewerb' selbst, weil für die türkischen Partner keine Freizügigkeit besteht. Dadurch wird verhindert, dass sie geeignete Projekte finden." Das Thema Forschermobilität blieb von der Europäischen Kommission nicht unbemerkt. Sie führte im Oktober 2005 ein "Wissenschaftsvisum" ein, um die Freizügigkeit von Forschern aus Nicht-EU-Ländern und assoziierten Ländern innerhalb der EU zu erleichtern und es den Staatsangehörigen aller Nicht-EU-Länder zu ermöglichen, für einen begrenzten Zeitraum zu spezifischen Forschungszwecken (befristeter Vertrag, Zuschuss usw.) in einem Mitgliedstaat zu wohnen. "Die Kommission versucht, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen, sie ist nicht völlig eigenständig, aber guten Willens", bemerkte Gokgoz. Er hofft, dass dies unter dem Siebten Rahmenprogramm (RP7) fortgeführt wird. TURBO wünscht sich außerdem die Unterstützung der Kommission für "die Sensibilisierung für die Rolle des türkischen Forschungsraums innerhalb des Europäischen Forschungsraums [EFR]". Ein weiterer Bereich, der im RP7 weiter beachtet werden muss, ist die Einbeziehung entsandter türkischer Experten in Projektbewertungsgremien. Experten aus der Türkei waren unter dem RP6 nicht teilnahmeberechtigt, da das Land zu diesem Zeitpunkt noch ein assoziiertes Land war. Die Situation wird sich jetzt wahrscheinlich ändern, da die Türkei den Status eines "Beitrittslands" erworben hat. Gokgoz ist außerdem zuversichtlich, dass die Experten seines Landes auch bei der Einstellung von Personal für den Europäischen Forschungsrat berücksichtigt werden. In Bezug auf das RP7 sagte Gokgoz, TURBO habe alle neuen Elemente des Programms hervorgehoben sowie einige "Grauzonen", über die die türkischen NKS und TUBITAK seiner Meinung nach informiert werden sollten, damit sie die richtigen Fragen in den relevanten Foren stellen könnten. "Der Vorschlag ist für die Mitgliedstaaten gut definiert, aber nicht für Länder wie uns", sagte Gokgoz. Es ist beispielsweise noch nicht klar, wie die Türkei in das vorgeschlagene Sicherheitsprogramm integriert werden soll. Eine weitere Grauzone ist die "Risk Sharing Finance Facility" ("Finanzierungsfazilität mit Risikoteilung"), die die Europäische Investitionsbank (EIB) Partnern in großen Projekten unter dem RP7 zur Abdeckung zusätzlicher Projektkosten zur Verfügung stellt. "Wir sind der Ansicht, dass uns dies möglicherweise ein Problem bereiten kann", mutmaßte Gokgoz. "Bei Betrachtung der Darlehenskriterien der EIB ist festzustellen, dass sie einem Land unterhalb der festgelegten Kreditrate keinen Kredit gewähren wird. Die Türkei liegt unterhalb der derzeitigen Kreditrate. Wie sollten wir also von dieser Fazilität profitieren können?", fragte er.

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