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Norwegen: ein kleines Land mit guten Forschungsergebnissen

Norwegen veranstaltete am 13. und 14. November als eines der ersten Länder eine nationale Auftaktveranstaltung zum Siebten Rahmenprogramm (RP7) und zog in diesem Zusammenhang Bilanz über seine sehr erfolgreiche RP6-Teilnahme. Norwegen ist zwar kein EU-Mitgliedstaat, doch sei...

Norwegen veranstaltete am 13. und 14. November als eines der ersten Länder eine nationale Auftaktveranstaltung zum Siebten Rahmenprogramm (RP7) und zog in diesem Zusammenhang Bilanz über seine sehr erfolgreiche RP6-Teilnahme. Norwegen ist zwar kein EU-Mitgliedstaat, doch seine Erfolgsbilanz was das RP6 anbelangt lässt viele EU-Länder vor Neid erblassen. Eins von zehn RP6-Projekten fand/findet mit norwegischer Beteiligung statt. Nicht schlecht für ein Land mit nur 4,6 Millionen Einwohnern. Darüber hinaus sind 28 Prozent der Vorschläge mit Beteiligung norwegischer Forscher erfolgreich, wohingegen der EU-Durchschnittswert bei nur 18 Prozent liegt. Diese Ergebnisse sind ohne Zweifel das Resultat der in Norwegen ergriffenen Maßnahmen. Norwegen investiert 1,75 Prozent seines BIP in die Forschung und Entwicklung (F&E). EU-weit liegt dieser wert bei 1,93 Prozent (wobei 3 Prozent angestrebt werden, sowohl in Norwegen als auch in der EU). Laut Robert-Jan Smits, Direktor des Dienstes "Europäischer Forschungsraum: Forschungsprogramme und Forschungspotenziale" der GD Forschung der Europäischen Kommission, würde Norwegen, wenn es EU-Mitgliedstaat wäre, in den verschiedenen Rankings sehr gut abschneiden. Das Land würde den fünften Platz belegen was die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen betrifft, den dritten Platz in Bezug auf den Anteil der Forscher an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen und den zweiten Platz was seine öffentlichen Ausgaben für den Bildungsbereich betrifft. Diese Zahlen lassen darauf schließen, dass Norwegen F&E sehr ernst nimmt. Dies wurde mit der Veröffentlichung eines Weißbuchs zur Forschung im Jahr 2004 noch offensichtlicher. In einem Gespräch mit CORDIS-Nachrichten bezeichnete der norwegische Minister für Bildung und Wissenschaft Øystein Djupedal dieses Weißbuch als sehr wichtiges Dokument: "Es stellt die Grundlage unserer künftigen Maßnahmen dar." "Die Forschung hat in der norwegischen Politik schon immer eine große Rolle gespielt, doch in diesem Weißbuch werden die Ziele sehr hoch gesteckt, genauso wie in der Lissabon-Strategie - das 3-Prozent-Ziel ist enthalten, und durch die Zusammenarbeit in den [EU-] Rahmenprogrammen überschneiden sich viele der thematischen Bereiche. Aus unserer Sicht ist dieses Dokument eines der wichtigsten Weißbücher, die jemals veröffentlicht wurden", so Djupedal. Neben der Erhöhung der Finanzierung werden in dem Weißbuch die Internationalisierung, die Grundlagenforschung und die Innovation als Prioritäten für den Zeitraum 2005 bis 2010 hervorgehoben. Laut dem Minister findet das Dokument bei der norwegischen Forschungsgemeinschaft sehr viel Anklang. "Ständig bezieht sich jemand darauf", sagte er. Außerdem wies er darauf hin, dass das Dokument vom norwegischen Parlament einstimmig angenommen wurde. Die Nachbarländer des Landes dienen als sehr erfolgreiche Vorbilder. "Natürlich orientieren wir uns stark an den Maßnahmen, die in Schweden und Finnland umgesetzt wurden. Wir können noch viel von unseren Nachbarn lernen, was die privaten Investitionen in die Forschung anbelangt", so Djupedal gegenüber CORDIS-Nachrichten. Die meisten norwegischen Unternehmen würden EU-weit in die Kategorie "kleine und mittlere Unternehmen (KMU)" fallen. Nur eine Handvoll Energieunternehmen würde hier eine Ausnahme darstellen. Die Regierung suche aktiv nach Lösungen, um die privaten Investitionen in die Forschung zu fördern, erklärte der Minister. Die geringe Größe der Unternehmen ist nur eine der Herausforderungen, denen sich Norwegen als kleines Land gegenübersieht. Durch die Kooperation mit anderen Ländern, insbesondere in den Rahmenprogrammen, kann Norwegen seine geringe Landesgröße allerdings etwas ausgleichen. "Die Rahmenprogramme stellen für uns die wichtigste Möglichkeit der internationalen Kooperation dar. Wir sind ein kleines Land, doch obwohl wir der Meinung sind, recht clever zu sein, wissen wir, dass es sonst wo auch clevere Leute gibt! Das bedeutet, dass die Kooperation enorm wichtig für uns ist." Laut dem Minister scheint sich dieses Konzept auszuzahlen: "Dänemark, Schweden und Finnland sind im europäischen Vergleich auch kleine Länder. Unsere Gesellschaften zeichnen sich allerdings durch Wohlstand aus." Die EU-Kooperation hat auch den Horizont Norwegens erweitert und Türen zu Ländern außerhalb der nordischen Region geöffnet. "Vor kurzem ist mir etwas Seltsames bewusst geworden. Obwohl wir historisch gesehen eine enge Beziehung zu Ländern wie z. B. Dänemark haben, arbeiten wir im Rahmen des Sechsten Rahmenprogramms sehr viel stärker mit Polen als mit Dänemark zusammen … Das hat mich wirklich überrascht, doch so soll es auch sein." Die Beteiligung Norwegens am RP7 steht noch nicht hundertprozentig fest, doch sollte es sich hier lediglich um eine Formalität handeln, denn Norwegen ist seit dem Ende des RP3 an Rahmenprogrammen beteiligt. Die Beteiligung am RP7 unterliegt allerdings der Genehmigung durch den Ministerrat der EU und das norwegische Parlament. Alle Politiker seien sich über die Bedeutung der Rahmenprogramme einig, daher erwartet der Minister keinerlei Probleme. Mit dieser Begeisterung für die Rahmenprogramme und einer Beteiligung von über 1 300 Interessenten an der norwegischen Auftaktveranstaltung zum RP7, steht der erfolgreichen Teilnahme Norwegens am RP7 wohl nichts im Wege.

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