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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Über den Segen von Obst

Die europäische Obst- und Gemüseindustrie produziert jährlich schätzungsweise rund 30 Millionen Tonnen Abfall. Obwohl Obst und Gemüse voller wertvoller Nährstoffe und Biomasse steckt, endet Fruchtfleischmasse zumeist auf Deponien oder wird als minderwertiger Kompost oder unbeh...

Die europäische Obst- und Gemüseindustrie produziert jährlich schätzungsweise rund 30 Millionen Tonnen Abfall. Obwohl Obst und Gemüse voller wertvoller Nährstoffe und Biomasse steckt, endet Fruchtfleischmasse zumeist auf Deponien oder wird als minderwertiger Kompost oder unbehandeltes Tierfutter verwendet. Ziel von Grub's Up, einem EU-geförderten Projekt, ist es, dieser Verschwendung ein Ende zu setzen. Im Rahmen des Projekts werden in der Entwicklung befindliche Technologien untersucht, mit denen bei der Produktion anfallende Fruchtfleischreste von Obst und Gemüse etwa in Form von hochwertigen Nahrungsmittelzusätzen der Nahrungskette zugeführt werden könnten. Ziel des Projektes insgesamt ist es, die Lebensmittelqualität und -sicherheit zu erhöhen und zugleich die Umweltbelastung durch Abfall zu reduzieren. Olivenöl ist laut Igor Kobek von der ttz Bremerhaven, einem der Projektpartner, ein gutes Beispiel dafür, weshalb derartige Technologien so dringend benötigt werden. Die Produktion von Olivenöl ist aufgrund der steigenden Nachfrage seitens der Verbraucher in den vergangenen Jahren rapide angestiegen. "Nach der Pressung bleibt eine Unmenge von Olivenfruchtfleischresten übrig, die nicht biologisch abbaubar sind, erklärt Kobek im Interview mit CORDIS-Nachrichten. "Früher wurden diese Fruchtfleischreste als Abfall angesehen, weil es keine Technologien gab, um sie weiterzuverwerten." Kobek hält die Bezeichnung "Abfall" für unangemessen, da es inzwischen Techniken zur Extraktion, Waschung und Fermentierung gibt, mit denen sich aus Obst- und Gemüseresten Nahrungsmittelzusätze und organischer Dünger gewinnen lassen. "Oliven enthalten beispielsweise hochwertige Polyphenole, die aus den Fruchtfleischresten gewonnen und etwa Brot zugesetzt werden können. Auch Traubenkernextrakt könnte in Brot oder Joghurt Verwendung finden", erläutert Kobek und fügt hinzu, das Konzept unterscheide sich in keinster Weise vom derzeitigen Trend, Brot mit Omega 3 und anderen Lebensmittelergänzungen anzureichern. Weitere Beispiele sind Karottenfruchtmasse und Schalen von Zitrusfrüchten und Kartoffeln. Diese könnten zu Ballaststoffen weiterverarbeitet und dann Lebensmitteln zugesetzt werden, um diese mit Vitaminen und Anti-Oxidantien anzureichern. Aus der Fruchtfleischmasse, die bei der Pressung von Olivenöl übrig bleibt, und Treber (Malzreste vom Bierbrauen) könnte Pektin gewonnen und als Geliermittel verwendet werden. Die Projektpartner bewerten derzeit acht Technologien und ihre möglichen Auswirkungen auf die Umwelt und die Qualität von Lebensmitteln. Ferner wird untersucht, ob in der Industrie tatsächlich Bedarf an diesen Technologien besteht und ob diese unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vertretbar sind. Die Umrüstung von Produktionslinien kann viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Und wenngleich natürliche Aromastoffe für das Fünfzigfache des Preises von künstlichen Aromastoffen verkauft werden könnten, ist die Herstellung auch entsprechend teurer. Da jedoch die Nachfrage seitens der Verbraucher nach gesünderen Lebensmitteln immer größer wird, ist Kobek zuversichtlich, dass die Hersteller einen Absatzmarkt für diese Produkte finden werden und sich die Investition auszahlen wird. "Die Forschungsergebnisse zu diesen Herstellungsverfahren und -technologien sprechen eine eindeutige Sprache. Jetzt geht es darum, zu zeigen, dass sie auch in der Industrie Anwendung finden können", so Kobek. Um diesen Prozess zu unterstützen, befasst sich das Projektkonsortium derzeit mit der Analyse der Ergebnisse einer Bedarfsstudie, die mit 1 000 Unternehmen aus der Obst- und Gemüseindustrie durchgeführt wurde. Das Konsortium organisiert außerdem Technologietransferworkshops, die sich an Forscher, Lebensmittelhersteller und andere Fachleute richten, und bringt einen Leitfaden in Umlauf, in dem ausgewählte Technologien und ihre Anwendung in der Industrie beschrieben werden.

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