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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Politiker sollen Maßnahmen zur Eindämmung von Gebärmutterhalskrebs fördern

Am 23. Januar wurde in Brüssel während der allerersten "European Cervical Cancer Prevention Week" (Europäische Woche zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs) eine Petition vorgestellt, mit der die EU-Institutionen und nationalen Regierungen aufgefordert werden, sich mehr dafür...

Am 23. Januar wurde in Brüssel während der allerersten "European Cervical Cancer Prevention Week" (Europäische Woche zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs) eine Petition vorgestellt, mit der die EU-Institutionen und nationalen Regierungen aufgefordert werden, sich mehr dafür einzusetzen, dass die Anzahl der Fälle von Gebärmutterhalskrebs zurückgeht. Ungefähr die Hälfte der rund 50 000 Frauen, die in Europa alljährlich an Gebärmutterhalskrebs erkranken, stirbt daran. Es mag paradox klingen, doch Gebärmutterhalskrebs gehört - obwohl es die zweit weitest verbreitete Krebsart weltweit ist - zu den Krebsarten, die mit Früherkennungsmethoden recht einfach zu diagnostizieren und auch zu behandeln sind. Mit effizienten und organisierten Screeningprogrammen können bis zu 80 Prozent der Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs vermieden werden. Ziel der Europäischen Woche zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs war, das Bewusstsein für Gebärmutterhalskrebs zu schärfen und auf die Bedeutung von Screenings hinzuweisen, Experten zu mobilisieren und dafür zu sorgen, dass Politiker wissen, dass es Mittel gibt, um Gebärmutterhalskrebs so gut wie auszurotten. In der Petition, die von 54 Organisationen aus 20 Ländern und über 40 MdEP unterzeichnet wurde, werden Entscheidungsträger dazu aufgefordert, geregelte Screeningprogramme für Gebärmutterhalskrebs gemäß den EU-Richtlinien ins Leben zu rufen und den Austausch bewährter Methoden zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern. Weitere Forderungen der Petition umfassen die Unterstützung der Forschung, damit die geeignetsten Mittel für den Einsatz neuer Technologien im Rahmen öffentlicher Gesundheitsprogramme ermittelt werden, und die Anerkennung von Nicht-Regierungsorganisationen (NRO), deren Arbeit auf eine Reduzierung der Fälle von Gebärmutterhalskrebs abzielt. Am 23. Januar wiesen mehrere MdEP in ihren Vorträgen auf die unterschiedlichen Sterblichkeitsraten in den einzelnen europäischen Ländern hin. In den 12 jüngsten EU-Mitgliedstaaten und in weiteren osteuropäischen Ländern fallen die Vorkommnis- und Sterblichkeitsraten doppelt so hoch aus wie in den 15 alten EU-Mitgliedsstaaten. Der Unterschied kann auf den Zugang zu Screeningprogrammen zurückgeführt werden. "Es muss für eine gerechte Verteilung von Sozial- und Gesundheitsleistungen in allen Teilen der EU gesorgt werden. Wir werden Gebärmutterhalskrebs nicht ausrotten, wenn der [neue] Impfstoff in einigen Mitgliedstaaten lediglich den Gebildeten und Reichen vorbehalten ist, denen auch heute schon das Screening zugute kommt", so das litauische MdEP Jolanta Dickut. Das britische MdEP, Glenis Willmott, rief die neueren EU-Mitgliedstaaten auf, das Wissen zu nutzen, das in den letzten 20 Jahren in Großbritannien erworben wurde. Sie räumte ein, dass die Mitgliedstaaten über den Gesundheitsschutz "eifersüchtig wachen", fügte jedoch hinzu, dass dies nicht bedeute, dass europäischen Akteuren die Hände gebunden seien. Die für die nächste Zeit erwarteten Richtlinien der Kommission werden den Mitgliedstaaten vorschreiben, eine Angleichung vorzunehmen, so Willmott weiter. In der Vergangenheit wurde viel geforscht, um einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln. Die Erkrankung wird von bestimmten Arten der Humanen Papillomaviren (HPV) ausgelöst. Von den über 100 Subtypen des HPV werden rund 15 mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Genitale HPV werden für gewöhnlich durch Sexualkontakt übertragen und sind so weit verbreitet, dass sich wahrscheinlich alle sexuell aktiven Erwachsenen in ihrem Leben schon einmal mit HPV angesteckt haben. In den meisten Fällen verschwindet die Infektion nach sechs bis zwölf Monaten von alleine wieder. HPV kann allerdings präkanzeröse Veränderungen in den Zellen des Gebärmutterhalses hervorrufen, die durch einen Pap-Abstrich nachgewiesen werden können. Wissenschaftler haben jahrelang an der Entwicklung von Methoden gearbeitet, mit denen sie Frauen vor einer Ansteckung mit HPV schützen können. Zwei unterschiedliche Impfstoffe werden derzeit klinisch getestet, und beide geben Anlass zur Hoffnung. Beide Impfstoffe sollen vor den zwei am weitesten verbreiteten genitalen HPV-Typen schützen: 16 und 18. Diese beiden Erregerstämme sind zusammen für 60 bis 70 Prozent der Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses verantwortlich. Da die Impfstoffe einer HPV-Infektion generell vorbeugen sollen, wäre es am besten, sie Mädchen vor ihrem ersten Sexualkontakt zu verabreichen. Forscher untersuchen gerade, was der geeignetste Zeitpunkt für die Durchführung der Immunisierung ist. Die EU bezuschusst unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) mehrere Forschungsprojekte, die sich mit der Reduzierung des Vorkommens von Gebärmutterhalskrebs befassen. Die Mehrheit ist auf eine Vereinfachung der Diagnose ausgerichtet. Im Rahmen des Projekts MICROACTIVE wird nach Mitteln und Wegen gesucht, um das Screening kostengünstiger zu gestalten, damit es allen Patienten zugänglich ist. Ein Hausarzt könnte dann in seiner Praxis die Diagnose stellen. Dadurch würde das Diagnoseverfahren beschleunigt, die Patienten wären weniger beunruhigt und mit der Behandlung könnte früher begonnen werden. Das Projekt befasst sich im Kern mit der Erkennung des Biomarkers mRNA. Das SmartHEALTH-Projekt erhielt eine EU-Förderung in Höhe von 12,3 Millionen EUR für die Entwicklung einer offenen, integrierten Architektur für neue Biodiagnose-Methoden, das Unternehmen, die Biountersuchungen auswerten, als Unterstützung dienen soll. Das System wird wahrscheinlich mit Wegwerfkartuschen arbeiten, die mit einer mit Flüssigkeit gefüllt und an eine Desktop-Basisstation angebracht werden. Diese Basisstation ist mit einer intelligenten e-Gesundheitsumgebung verknüpft (Gesundheitskarte, Patientendaten, Online-Dienste). Auch das Projekt ASSIST beschäftigt sich mit IT. Im Rahmen dieses Projekts wird eine Technologie entwickelt, mit der Patientendaten zusammengeführt und an einem zentralen Ort gespeichert werden sollen. Solche zentral gespeicherten Patientendaten sollen es Forschern erleichtern, neuen Risikomarkern, Diagnose- und Prognosemethoden auf die Spur zu kommen. Außerdem können Forscher je nach Anforderung Forschungsgruppen zusammenstellen und Patientendaten für neue Studien wiederzuverwenden. Man erhofft sich davon, dass Experten Verbindungen zwischen HPV, Patientengewohnheiten und Patientenerbgut aufdecken. Die Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission erstellt derzeit aktualisierte Richtlinien zu Screenings für Gebärmutterhalskrebs, die in Kürze veröffentlicht werden sollen.

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