Forscher entdecken potenzielles neues Arzneimitteltarget für Tuberkulose
Laut Forschungsergebnissen des von der EU finanzierten Projekts "New Medicines for Tuberculosis" (NM4TB) könnten in handelsüblichen Antimykotika gefundene Chemikalien bei der Behandlung von Tuberkulose (Tbc) von großer Wirkung sein. Tbc wird durch ein Bakterium namens Mykobakterium tuberkulosis ausgelöst. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist damit infiziert und knapp zwei Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr daran. Die jüngste Entdeckung ergab sich aus einer Studie über einige der ungewöhnlicheren Eigenschaften der Krankheit. Nachdem sie die Angriffe des körpereigenen Immunsystems erfolgreich abgewehrt haben, gehen die Tuberkelbakterien - üblicherweise in der Lunge - in einen Schlummerzustand über. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, wie beispielsweise im Fall einer HIV-Infektion (Human Immunodeficiency Virus), werden sie wieder aktiv. "Wir wussten, dass es sich bei dem Tuberkelbakterium um einen cleveren Organismus handelt, der fähig ist, das menschliche Immunsystem zu umgehen und dann lange Zeit, manchmal unbemerkt, im Körper zu überleben", erklärte Professor Andrew Munro von der Universität Manchester, der die Forschungen leitete. "Uns war auch bewusst, dass diese eigenartigen Merkmale des Tuberkelbakteriums bedeuten mussten, dass es "ungewöhnliche" Aspekte hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Biochemie gibt, die es von den meisten anderen Bakterien unterscheidet und die neue Angriffsflächen für Antibiotika bieten könnten." Eine ungewöhnliche Eigenschaft, die das Team von Professor Munro dabei entdeckt hatte, war das Vorhandensein einer großen Anzahl von Enzymen namens P450, die normalerweise in komplexeren Organismen vorkommen. Während die meisten Bakterien, wenn überhaupt, nur über sehr wenige P450 verfügen, kann sich das Mykobakterium tuberkulosis mit 20 verschiedene Arten des Enzyms rühmen. Die Forscher hatten Glück: Es gibt bereits Medikamente zur Bekämpfung des P450, die allgemein zur Behandlung von Pilzinfektionen eingesetzt werden. "Medikamente der Klasse der Azole können Pilzinfektionen bekämpfen, indem sie die Funktionen eines der P450-Enzyme blockieren, das wesentlich für die Erhaltung der Zellstruktur ist", so Professor Munro. "Wir konnten in Laborexperimenten nachweisen, dass sich verschiedene Typen dieser Azolmittel auch sehr gut zur Abtötung des Tuberkelbakteriums eigneten und auch, dass sie sich sehr eng an ein paar der von uns isolierten P450-Enzyme des Bakteriums anlagerten und somit deren Funktion hemmten." Darauf aufbauende Arbeiten indischer Forscher ergaben, dass das Medikament Econazol bei der Bekämpfung von Tuberkulose bei Mäusen wirksam war. Laut Angaben, die von der Weltgesundheitsorganisation am 24. März - dem Welttuberkulosetag - veröffentlicht wurden, gibt es Anzeichen dafür, dass sich die weltweite Tuberkulose-Epidemie abschwächt. Jedoch stellen HIV und die Verbreitung der extrem-resistenten Tuberkulose (XDR TB) große Risiken für den Fortschritt der weltweiten Anstrengungen zur Bekämpfung der Krankheit dar. "Aufgrund der Bedrohung durch die XDR TB ist die Forschung zur Entdeckung neuer Diagnosen, Medikamente und Impfstoffe aktiver denn je ", gab Dr. Mario Raviglione, Direktor der Abteilung "Stopp der Tb" der WHO an. Zahlen des von der EU finanzierten EuroTB-Netzwerks decken auf, dass die Tuberkuloseraten in der EU momentan um 2,5 Prozent jährlich fallen. 2005 gab es nur knapp über 90 000 Fälle innerhalb der 27 Mitgliedstaaten der EU. Trotzdem steigen die Infektionsraten bei bestimmten Gruppen wie HIV-Infizierten und Menschen ausländischer Herkunft. Hinzu kommt, dass einige EU-Länder, insbesondere die baltischen Staaten, unter besonders hohen Raten der MDR-TB (multiresistente Tuberkulose) im Vergleich zum Rest der EU leiden. "Obwohl die Verbreitungsrate von Tuberkulose in der EU eine der niedrigsten der Welt ist, ist die Krankheit unter gefährdeten Gruppen der EU-Bevölkerung angestiegen", so EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. "Wenn wir im Kampf gegen diese Krankheit zusammenarbeiten, kann das Leben retten und vor Leiden schützen. Gefährdete Gruppen ins Visier nehmen, Medikamentenresistenz verhindern, sich mehr auf vorbeugende Maßnahmen konzentrieren und weiterhin wachsam bleiben in Ländern mit einer geringen Anzahl von Krankheitsfällen - diese Maßnahmen werden von entscheidender Wichtigkeit bei der Einschränkung der Auswirkungen von Tuberkulose in der EU sein."