Forscher identifizieren Gene, die an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt sind
Ein Team von internationalen Forschern hat vier neue Gene ausfindig gemacht, die für die Entstehung von Brustkrebs mitverantwortlich sind. Während diagnostische Test zur Feststellung der Krankheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Zukunftsmusik sind, helfen diese Untersuchungsergebnisse zu verstehen, weshalb manche Frauen eher an Brustkrebs erkranken als andere. Außerdem sind die Forscher der Ansicht, dass die Methode der ganzheitlichen Betrachtung der Gene, die sie in ihrer Studie angewandt haben, auch zur Untersuchung anderer Krebsarten tauglich ist. Die Gene, die die Wissenschaftler bislang ausgemacht hatten, konnten nur 25 Prozent der Fälle von erblichem Brustkrebs (an dem alljährlich Hunderttausende von Frauen in Europa erkranken) erklären. In den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konnten Wissenschaftler zwei Gene orten, BRCA1 und BRCA2, die das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, enorm erhöhten, doch wie Untersuchungen ergaben, wiesen nur wenige Frauen diese Gene auf. Nachfolgende genetische Verknüpfungsstudien ergaben keine weiteren wichtigen Gene, die für die Entstehung von Brustkrebs ausschlaggebend wären. Die von der Universität Cambridge in Großbritannien durchgeführte Untersuchung, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht wurden, bestätigt die Annahme, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, von einer großen Zahl von Genen abhängig ist, die allesamt für sich alleine genommen einen geringfügigen Einfluss auf das Krankheitsrisiko haben. Um diese Annahme zu prüfen, untersuchten die Forscher die DNA von rund 50 000 Frauen, eine Methode, die man als Analyse des Gesamtgenoms bezeichnet. Die Hälfte der Frauen waren an Krebs erkrankt, die andere Hälfte war gesund. Die Wissenschaftler fanden fünf DNA-Abschnitte, die bei Krebskranken häufiger vorzufinden waren als bei Gesunden. So ermittelten sie vier Gene, deren Mutation ihrer Ansicht nach zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko führt. Den Forschern zufolge sollen zwei der Gene, FGFR2 und TNRC9, dafür verantwortlich sein, dass sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, im Falle einer fehlerhaften Kopie um bis zu 20 Prozent und im Falle von zwei fehlerhaften Kopien um 40 bis 60 Prozent erhöht. Drei der fünf in der Studie identifizierten DNA-Abschnitte waren für das Zellwachstum bzw. die zelluläre Signalübertragung verantwortlich. Jene Gene, die ursprünglich mit dem Krebsrisiko in Zusammenhang gebracht wurden, waren an der DNA-Reparatur, der Synthese von Sexualhormonen und dem metabolischen Netzwerk beteiligt. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass diese Untersuchungsergebnisse neue Ansätze zur Erforschung von Brustkrebs ermöglichen werden. "Diese Ergebnisse sind sehr spektakulär, da die von uns ermittelten DNA-Abschnitte lauter Gene enthalten, von denen man bislang nicht wusste, dass sie an der Entstehung von Krebs beteiligt sind", so Professor Douglas Easton, der Verfasser der Studie und Leiter der in Cambridge ansässigen Abteilung für genetische Epidemiologie von Cancer Research UK. "Nun, da wir wissen, dass diese Untersuchungsmethoden wirkungsvoll sind, sind wir überzeugt, dass wir noch sehr viel mehr Gene entdecken werden, die mit der Entstehung von Brustkrebs in Zusammenhang stehen." "Diese Methoden werden bereits von Cancer Research UK angewandt, um Gene ausfindig zu machen, die für die Entstehung anderer Krebsarten wie Prostata-, Darm- und Lungenkrebs verantwortlich sind", so Professor Easton abschließend.
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