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Grünes Licht für helles Licht: Start von bedeutendem europäischem Laserprojekt

Die europäische Wissenschaft wird künftig in einem ganz neuen Licht erstrahlen, denn in Hamburg geht das europäische Projekt XFEL an den Start. XFEL steht für X-ray Free-Electron Laser (Freie-Elektronen-Laser im Röntgenbereich). Diese einzigartige Anlage, deren Inbetriebnahm...

Die europäische Wissenschaft wird künftig in einem ganz neuen Licht erstrahlen, denn in Hamburg geht das europäische Projekt XFEL an den Start. XFEL steht für X-ray Free-Electron Laser (Freie-Elektronen-Laser im Röntgenbereich). Diese einzigartige Anlage, deren Inbetriebnahme für 2013 geplant ist, wird die hellsten Röntgenstrahlen der Welt erzeugen. Durch die extrem intensiven Röntgenlaserblitze des XFEL wird es Wissenschaftlern möglich sein, chemische Reaktionen zu filmen, Moleküle in Bewegung zu sehen, die atomare Struktur von Molekülen zu ermitteln und dreidimensionale Aufnahmen aus dem Nanokosmos zu machen. "Dies ist ein Meilenstein für Europas Wissenschaftler", so Bundesforschungsministerin Annette Schavan bei der Startschusszeremonie am 5. Juni. "Mit dem europäischen XFEL stoßen wir eine Entwicklung an, deren wissenschaftliches Potenzial noch gar nicht in vollem Umfang absehbar ist. So ebnen wir den Weg für künftige Generationen von Wissenschaftlern und Forschern." Der XFEL wird aus einem 3,4 Kilometer langen Tunnelsystem bestehen, das unterirdisch zwischen dem Deutschen Elektronensynchrotron (DESY) in Hamburg und der an Hamburg grenzenden Stadt Schenefeld in Schleswig-Holstein verläuft. Am Standort in Schenefeld ist der Bau einer unterirdischen Experimentierhalle mit zehn Experimentierstationen geplant, die gleichzeitig in Betrieb sein werden. "Mit diesem hochkomplexen Instrument verschaffen wir uns einen Einblick in die innerste Funktionsweise von Molekülen, Atomen und chemischen Prozessen, der uns anderenfalls verwehrt bliebe. Daher ist dieses Instrument von allergrößter Bedeutung für uns", so Professor Albrecht Wagner, Vorstandsvorsitzender des DESY. "Die neue XFEL-Röntgenlaseranlage wird einzigartig in Europa sein und faszinierende Perspektiven für die Wissenschaft bieten", fügt Professor Massimo Altarelli, Leiter des europäischen XFEL-Projektteams, hinzu. "Die künftigen Nutzer des XFEL versprechen sich Forschungsergebnisse von fundamentaler Bedeutung in Gebieten wie der Materialforschung, Plasmaphysik, Strukturbiologie, Geowissenschaft oder Chemie." Dreiviertel der Fördermittel von insgesamt 850 Millionen Euro, die für die erste Phase der Errichtung benötigt werden, stellen die Bundesregierung und die beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein bereit. Auch die anderen Projektpartner China, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Polen, Russland, Schweden, die Schweiz, Spanien und Ungarn beteiligen sich an der Finanzierung. "Wir stellen fest, dass der XFEL ein wichtiges Element der weiteren Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraums ist und den Wissenschaftlern aus Europa und aus der ganzen Welt herausragende Möglichkeiten zur Erforschung der Materie bieten wird", erklären die Partnerländer in einem Kommuniqué, das sie bei der Startschusszeremonie unterzeichneten. "Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass es angezeigt ist, den Bau des XFEL im Hinblick auf die internationale Konkurrenzsituation so schnell wie möglich zu starten." In einer Rede im Rahmen der Zeremonie griff die neue französische Ministerin für Hochschulbildung und Forschung Valérie Pécresse diese Stellungnahme noch einmal auf, indem sie anmerkte: "Forschung und Wissen sind die beiden Säulen unserer Wirtschaft und unserer Zukunft". Auch der europäische Forschungskommissar Janez Potocnik zeigte sich begeistert: "Es handelt sich hierbei um ein wichtiges Projekt", so Potocnik im Interview mit CORDIS-Nachrichten. "Ich freue mich sehr, dass Deutschland die Leitung übernommen hat und 13 Länder an diesem Projekt beteiligt sind. Die Europäische Kommission steht selbstverständlich voll und ganz hinter dem Projekt und tut ihr Möglichstes, um den Erfolg dieser neuen Infrastruktur in Europa zu gewährleisten." Der XFEL ist das erste Projekt, das das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) auf den Weg bringt, und der Startschuss wurde zeitlich so gelegt, dass er mit der Europäischen Konferenz für Forschungsinfrastruktur zusammenfällt, die ebenfalls in Hamburg stattfindet. Mit der Arbeit an der neuen Anlage wird voraussichtlich 2008 begonnen werden, und die Inbetriebnahme ist für 2013 geplant. Nach der Fertigstellung wird es mit großer Wahrscheinlichkeit Wissenschaftler und Studierende aus verschiedenen Forschungsdisziplinen nach Norddeutschland locken, wo bereits zahlreiche Forschungseinrichtungen angesiedelt sind, etwa die Hamburger Außenstation des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie, das Deutsche Klimarechenzentrum und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Länder

China, Deutschland, Dänemark, Griechenland, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien, Polen, Russland, Schweden

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