Europäisches Netzwerk soll Auswirkungen der Neurowissenschaften auf die Gesellschaft untersuchen
Die Europäische Wissenschaftsstiftung (EWS) hat ein neues europäisches Netzwerk ins Leben gerufen, das sich mit den Folgen der jüngsten neurowissenschaftlichen Entwicklungen befassen soll. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden in den Neurowissenschaften beispiellose Fortschritte und Innovationen erzielt. Bei den Neurowissenschaften handelt es sich um ein Feld, das sich der wissenschaftlichen Erforschung des Nervensystems verschrieben hat. Viele dieser Fortschritte haben Einfluss auf unsere Lebensweise. Im Bereich der Bildung beispielsweise gewinnen Neurowissenschaftler immer mehr neue Erkenntnisse über bestimmte neuronale Prozesse, die ablaufen, wenn wir lesen und schreiben lernen. Dieser Zweig der Wissenschaft trägt auch dazu bei, dass wir mehr Hintergrundwissen über die Ursachen von Gewalttätigkeit erringen, was Einfluss darauf haben dürfte, wie das Rechtssystem mit Gewalttätern verfährt. Doch trotz dieser Vorstöße wurde innerhalb der europäischen Gesellschaftswissenschaften auf offizieller Ebene bisher wenig darüber diskutiert, welche ethischen, sozialen und rechtlichen Implikationen Entwicklungen in diesem Wissenschaftszweig haben werden. Mit dem European Neuroscience and Society Network (ENSN) soll sich das jetzt ändern. Das mit 575 000 EUR bezuschusste Netzwerk, das von 2007 bis 2012 laufen wird, zielt darauf ab, führende europäische Neuro- und Sozialwissenschaftler zusammenzubringen, um zu diskutieren, welche Auswirkungen Fortschritte in den Neurowissenschaften jetzt und in Zukunft auf unser Leben haben werden. Das ENSN wird ein multidisziplinäres Netzwerk bieten, durch das Forscher, die an neurowissenschaftlichen Themen arbeiten, Ideen austauschen und entwickeln können, indem sie die Sichtweise von Experten aus den Feldern der Psychiatrie, Soziologie, Anthropologie, Rechtswissenschaft und der medizinischen Ethik für ihre Arbeit heranziehen. Im Laufe seines Mandats wird das Netzwerk eine Reihe von Workshops und Konferenzen organisieren, die sowohl in Europa als auch in Nordamerika stattfinden werden und sich an Bio- und Sozialwissenschaftler richten. Davon erhofft man sich die regelmäßige Veröffentlichung von Beiträgen in internationalen Fachzeitschriften. Das Netzwerk wird Wissenschaftlern auf diesem Gebiet auch Zuschüsse für den Austausch und die Reisekosten zur Verfügung stellen.