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Nanotechnologie: Wir haben in Forschung investiert, wo sind die Anwendungen?

Die Dimensionen sind winzig, die Chancen riesig. Aber wenn Europa von allem profitieren soll, was die Nanowissenschaft und Nanotechnologie zu bieten hat, müssen die Ergebnisse der Forschung das Labor verlassen und in industrielle Anwendungen umgesetzt werden. Industrielle An...

Die Dimensionen sind winzig, die Chancen riesig. Aber wenn Europa von allem profitieren soll, was die Nanowissenschaft und Nanotechnologie zu bieten hat, müssen die Ergebnisse der Forschung das Labor verlassen und in industrielle Anwendungen umgesetzt werden. Industrielle Anwendungen sind das Thema des dritten EuroNanoForums, das derzeit in Düsseldorf stattfindet. Bei der Eröffnungskonferenz am 18. Juni sagte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel, Fachleute würden den Umsatz mit Produkten der Nanotechnologie im Jahr 2015 auf bis zu eine Billion Euro schätzen. Rachel betonte, die Nanotechnologien könnten weit mehr als wirtschaftlichen Erfolg herbeiführen. Mit der Arbeit auf Nanoebene könnten Lösungen für bedeutende globale Probleme wie Klimawandel und Krankheiten gefunden werden. Antimikrobielle Wundversorgung, neue leichtere Materialien für Windturbinen, Systeme zur gezielten Medikamentenverabreichung, hocheffiziente Batterien, Gaserkennung und ein Gerät zur schnellen Ursachenermittlung von Brustschmerzen waren nur einige der Anwendungen der Zukunft, die am ersten Tag der dreitägigen Konferenz erwähnt wurden. Aber finden die Ergebnisse dieser bahnbrechenden Forschung ihren Weg in die Industrie? Einige tun es, andere nicht, so Renzo Tomellini, Leiter des Referats Nanotechnologie der Europäischen Kommission. Im Interview mit CORDIS-Nachrichten sagte er, dass mit Bereichen wie Nanoelektronik bereits Geld verdient werde. In anderen Bereichen gebe es verschiedene Engpässe, die die Markteinführung von Nanoprodukten verzögerten. Die Wissenschaftler befänden sich in den meisten Fällen noch in der Phase der Einführung von Nanotechnologie in die Produktionskette, was Wertschöpfung bringe, so Tomellini. "Wir verkaufen keine Nanotechnologie, wir verkaufen Produkte", betont er. Verzögerungen bei der Markteinführung können auf eine Reihe von Faktoren zurückgeführt werden. Natürlich stellen sich technologische Fragen (es handelt sich ja um ein noch sehr neues Forschungsgebiet). Aber Vorschriften bzw. die Ungewissheit, ob eine neue Vorschrift bevorsteht, Unbehagen seitens der Öffentlichkeit, ein Mangel an qualifiziertem Personal, unzureichender Schutz des geistigen Eigentums sowie Bedenken von Versicherungsunternehmen tragen allesamt zu dem Engpass bei, der die industrielle Anwendung von Nanotechnologieprodukten verlangsamt. "Ideen dürfen nicht im Labor bleiben. Kleine und mittlere Unternehmen [KMU] müssen die Ideen aufgreifen und weiterentwickeln. Der Staat kann dies nicht tun", so der Staatssekretär. Aber KMU sind mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert. Es ist schwieriger für ein kleines Unternehmen, sich Geld für ein Nanotechnologievorhaben zu leihen, da die Versicherungsunternehmen Bedenken hinsichtlich der Risiken haben. Die Investoren wollen außerdem die Historie eines Sektors betrachten, was in einem so jungen Bereich schwierig ist. Rachel war der Ansicht, dass KMU auf regionaler Ebene am besten unterstützt würden. Aber auch die Kommission stellt Instrumente zur Verfügung. Die neuen Garantiefonds beispielsweise erleichtern die Beteiligung von KMU an den Forschungsrahmenprogrammen der EU. Die KMU, die im Nanobereich am besten abschneiden, sind diejenigen, die wirklich wachsen wollen", so Tomellini. Natürlich hat die Nanotechnologie auch mit denselben Problemen zu kämpfen wie die restliche Wissenschaftsgemeinschaft: einem Mangel an Wissenschaftlern und insbesondere Ingenieuren, in einigen Ländern die Nichtanerkennung von in anderen Ländern erworbenen Qualifikationen sowie unzureichende Forschermobilität zwischen Ländern und Sektoren. Solche Probleme können nur angegangen werden, wenn Industrie, Gesellschaft und Politik zusammenarbeiten, so Rachel gegenüber den Teilnehmern der Konferenz. Diese Liste wurde vom Direktor für Industrietechnologien der GD Forschung der Europäischen Kommission, Nick Hartley, erweitert. Wenn Europa von dem Geld profitieren will, das es derzeit in die Nanotechnologie investiert, braucht es die richtige Infrastruktur, die Humanressourcen, industrielle Innovation und ein effektives Verfahren zur Auflösung gesellschaftlicher Bedenken, so Hartley. Die Kommission versucht mit ihrer "zweigeteilten" Kompetenz, sowohl die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen als auch diese anschließend durch Fördermittel zu unterstützen. Der im Jahr 2005 veröffentlichte Aktionsplan "Nanotechnologie" brachte die Strategie ins Rollen, und das am 1. Januar 2007 eingeleitete Siebte Rahmenprogramm (RP7) der EU stellt beträchtliche Fördermittel zur Verfügung (3,5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von sieben Jahren). Tomellini ist zuversichtlich, dass die EU über die Instrumente verfügt, um das so genannte "europäische Paradoxon" zu vermeiden - das Phänomen, dass Europa in Forschung investiert, aber dann bei der Umwandlung der Ergebnisse in Produkte scheitert und stattdessen die resultierenden Technologien aus anderen Ländern importiert. "Wir besitzen die Instrumente, um einen Paradigmenwechsel herbeizuführen und einen Qualitätssprung zu erzielen", so Tomellini gegenüber CORDIS-Nachrichten.

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