Pflanzen-Technologieplattform legt Forschungsagenda dar
In den nächsten 20 Jahren können die Europäer von Pflanzen einiges erwarten: Pflanzen mit gesunden Eigenschaften für die Behandlung von Diabetes und Herzkrankheiten, schmackhaftere Pflanzen mit optimiertem Nährwert, billigere Arzneimittel dank pflanzlicher Herstellung von Pharmazeutika sowie Pflanzen, die sich leicht zu Biokraftstoffen verarbeiten lassen. So beschrieb Wilhelm Gruissem, Vorsitzender der Europäischen Organisation für Pflanzenwissenschaften, bei der Präsentation der strategischen Forschungsagenda der Technologieplattform "Pflanzen für die Zukunft" seine Zukunftsvision. Allerdings benötigt Europa eine starke und international wettbewerbsfähige Pflanzenforschung, wenn diese Vision Realität werden soll. Die strategische Forschungsagenda legt dar, wie die Gemeinschaft der europäischen Pflanzenforschung zur Bewältigung von fünf zentralen globalen Herausforderungen beitragen kann, namentlich: 1. gesunde und sichere Lebens- und Futtermittel; 2. Chemikalien und Energie auf pflanzlicher Basis; 3. Nachhaltigkeit von Land- und Forstwirtschaft sowie der Landschaftsentwicklung; 4. dynamische und konkurrenzfähige Grundlagenforschung; 5. Wahlfreiheit der Verbraucher und Mitbestimmung. "Diese fünf Säulen unterstützen voll und ganz die Entwicklung einer wissensbasierten Bioökonomie (KBBE), die zur Bewahrung europäischer wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit beiträgt und die Mittel bereitstellt, um die zukünftige Brennstoff- und Lebensmittelversorgung auf für die Umwelt nachhaltige Weise sicherzustellen", heißt es in dem Dokument. Für jede Herausforderung werden kurz-, mittel- und langfristige Prioritäten (bis zum Jahr 2025) bestimmt. Die neue Forschungsagenda bedeutet vor allem für Europas Landwirte gute Nachrichten. "Um die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Landwirte zu erhöhen, werden zukünftig sehr verschiedene und umweltfreundliche Nutzpflanzen benötigt, die es ermöglichen mehr und qualitativ hochwertigere Lebensmittel und industrielle Rohstoffe zu produzieren", sagte Ricardo Serra Arias von COPA, dem Ausschuss der berufsständischen landwirtschaftlichen Organisationen. "Diese Herausforderung wird nur durch den Einsatz modernster Innovationen, speziell auf dem Gebiet der Pflanzenbiotechnologie gemeistert werden können." Die strategische Forschungsagenda wurde nach zwei Jahren intensiver Konsultationen sowohl auf EU-Ebene als auch innerhalb der Mitgliedstaaten aufgesetzt. In das Verfahren wurden Interessengruppe von Hochschulen, aus Industrie, Land- und Forstwirtschaft, von Regierungen, Verbrauchergruppen und Umweltorganisationen sowie Bildungs-, Kommunikations-, Rechts- und Finanzexperten mit einbezogen. Die Projektpartner arbeiten bereits an der Umsetzung ihrer ehrgeizigen Pläne. Wie Kurt Vandenberghe, stellvertretender Kabinettschef von EU-Forschungskommissar Janez Potocnik, hervorhob, konnten sie bereits erfolgreich sicherstellen, dass den Pflanzenwissenschaften unter dem Siebten Rahmenprogramm (RP7) ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Ein maßgeblicher Anteil des Budgets für den Themenbereich wissensbasierte Bio-Wirtschaft (KBBE) soll Projekten im Bereich der Pflanzenforschung zukommen. "Es zeigt, dass die Technologieplattform 'Pflanzen für die Zukunft' ihre Argumente auf europäischer Ebene bestimmt und erfolgreich vorbringen konnte", bemerkte er und fügte hinzu, dass es ein gutes Beispiel dafür sei, was sich die Kommission von den Technologieplattformen erwartet. Die Projektpartner suchen auch andere Quellen für EU-Finanzierung, einschließlich von Sozialfonds und des vorgeschlagenen Europäischen Technologieinstituts (ETI). Darüber hinaus sind sie damit beschäftigt, nationale Regierungen und Fördereinrichtungen dazu zu bewegen, die Prioritäten der Agenda in ihre eigenen Pläne zu übernehmen. Dieser Prozess wird dadurch erleichtert, dass viele dieser Einrichtungen auch zum Konsultationsverfahren beigetragen haben. "In der jüngsten Vergangenheit kam der Unterstützung der intensiven Pflanzenforschung in der europäischen politischen Agenda kein hoher Stellenwert zu", sagte Professor Gruissem. "Wie sind davon überzeugt, dass die strategischen Perspektiven der Europäischen Technologieplattform den Pflanzen wieder einen Platz auf der Agenda der politischen Entscheidungsträger verschaffen werden, indem sie sich auf zentrale Themen in der Pflanzen- und Agrarforschung, denen Europa begegnen muss, konzentrieren."