Forschungskreativität unter der Lupe
Kleine Arbeitsgruppen, flexible Arbeitsumgebungen, in denen Forscher verschiedener Gruppen Kontakt zueinander haben, langfristige Finanzierung und geringe Belastung mit Verwaltungsaufgaben - dies sind einem von einem EU-finanzierten Projekt veröffentlichten Bericht zufolge nur einige der Voraussetzungen für wissenschaftliche Kreativität. Im Rahmen der CREA-Studie (Creative Capabilities and the Promotion of Highly Innovative Research) wurden Experten in den Gebieten Nanotechnologie und Humangenetik befragt, um einige der kreativsten Forschungsleistungen europäischer und US-amerikanischer Wissenschaftler zu ermitteln. Aus über 400 Nominierungen wurden 20 hochkreative Forschergruppen für die Studie ausgewählt. Durch Interviews mit einzelnen Forschern in diesen Gruppen konnte sich das Studienteam ein detailliertes Bild ihrer Arbeitsumgebungen machen und so organisatorische und institutionelle Faktoren ermitteln, die ihre Kreativität positiv beeinflussen. Der Studie zufolge findet kreative wissenschaftliche Forschung hauptsächlich in kleinen Gruppen von zwei bis acht Wissenschaftlern statt, die im Wettbewerb mit anderen stehen und zugleich in Kooperation mit zahlreichen anderen Gruppen forschen. "Die Größe von Forschungsgruppen sollte als ein wichtiges Managementziel für effektive Verwaltung im Forschungsbereich angesehen werden, insbesondere in neuen Forschungsbereichen und in der Grenzforschung", heißt es in der Studie. Die Forschungsumgebungen sollten zudem nicht-hierarchisch aufgebaut sein, um einen offen Dialog anzuregen und Kreativität, insbesondere unter Nachwuchswissenschaftlern, zu fördern. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Arbeitsumfeld, das der Studie zufolge so organisiert sein sollte, dass es umfassende Gelegenheiten für Kontakte zu anderen Forschungsgruppen mit komplementären Forschungsinteressen und -schwerpunkten bietet. Zur Förderung dieses Austauschs schlägt die Studie die Einführung fachbereichsübergreifender Preise für Forschung in der Anfangsphase, Rotationen von Labormitarbeitern, übergreifende Schulungen sowie fachbereichsübergreifende Seminare und Austausche vor. Räumliche Vorkehrungen wie die Zuweisung von Büros, Raum für Junior-Forschung, Flure, Kaffeebars oder Laboreinrichtungen sowie soziale Vorkehrungen wie Mittagszeitmuster können ebenfalls Kommunikationsmöglichkeiten über Fachbereichsgrenzen, Ränge und Disziplinen hinaus fördern. Es ist nicht überraschend, dass die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass Kreativität gedeiht, wenn ausreichende langfristige Finanzierung bereitgestellt wird. Leider stellen Forschungsfinanzierungseinrichtungen, wenn überhaupt, nur einen winzigen Teil ihrer Gesamtbudgets für unkonventionelle Forschung bereit. Wenn diese Art von Forschung finanziert wird, werden häufig nicht länger als drei Jahre Mittel zur Verfügung gestellt, was der Studie zufolge zu kurz ist, um bahnbrechende Forschung zu fördern. Um mehr Kreativität zu fördern, fordert die Studie die Einrichtungen auf, die Höhe der Fördermittel und die Förderungsdauer der Projekte für Grenzforschung auf bis zu fünf Jahre zu erhöhen. In der Studie wird ebenfalls empfohlen, Kreativität mit neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten zu belohnen, anstatt sie mit zusätzlicher Belastung mit Verwaltungsaufgaben zu ersticken. Wissenschaftler werden für ihre herausragende Arbeit häufig belohnt, indem ihre Forschergruppe vergrößert wird, ihnen die Leitung eines Forschungsinstituts übertragen wird oder sie ein nationaler Experte in verschiedenen Ausschüssen werden. Diese Belohnungen haben der Studie zufolge jedoch den unerwünschten Effekt, dass sie diese Wissenschaftler daran hindern, das zu tun, was sie am besten können, nämlich Forschung und Mentoring. Es sind daher Anstrengungen nötig, um neue "forschungsfördernde" Belohnungen für herausragende Wissenschaftler anzubieten, die ihnen erlauben, sich auf die Forschung zu konzentrieren. Die Studie empfiehlt die Weiterentwicklung von Belohnungssystemen für herausragende Forscher, die ihnen ermöglichen, aktiv an der Forschung beteiligt zu bleiben, als Mentor und Inspiration für Nachwuchswissenschaftler zu fungieren, ohne zu Verwaltern großer Fachrichtungen zu werden oder durch Routineverfahren im Zusammenhang mit der Verwaltung von Institutionen überlastet zu werden. Die CREA-Studie wurde unter dem Programm "Neue und sich abzeichnende wissenschaftliche und technologische Entwicklungen (NEST)" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) finanziert. Man hofft, dass die Empfehlungen der Studie in die europäische Forschungspolitik einfließen werden.
Länder
Deutschland, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten