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Inhalt archiviert am 2024-04-17

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Neue stellvertretende Generaldirektorin Dr. Anneli Pauli und ihre Vision der GFS

Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (GFS) hat eine neue stellvertretende Generaldirektorin, die für die Zukunft der GFS eine Vision hat: Sie wünscht sich eine GFS, die in ganz Europa und darüber hinaus für ihre wissenschaftliche Exzellenz, ihre Unabhäng...

Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (GFS) hat eine neue stellvertretende Generaldirektorin, die für die Zukunft der GFS eine Vision hat: Sie wünscht sich eine GFS, die in ganz Europa und darüber hinaus für ihre wissenschaftliche Exzellenz, ihre Unabhängigkeit und ihre große gesellschaftliche Bedeutung bekannt ist. Dr. Anneli Pauli, die zuvor als Vizepräsidentin der Akademie von Finnland für Forschung zuständig war, bekleidet ihr derzeitiges Amt seit April dieses Jahres. Auch hier kommt ihr eine große Verantwortung zu. Mit CORDIS-Nachrichten sprach sie darüber, wie die Organisation der GFS zweigeteilt wurde, sodass nun die Hälfte der sieben Forschungsinstitute und drei Direktionen Roland Schenkel, dem Generaldirektor der GFS, und die andere Hälfte ihr untersteht. Dr. Pauli weiß die zusätzliche Verantwortung, die ihr bei Antritt ihres neuen Amtes übertragen wurde, sehr zu schätzen, und hat bereits jedem einzelnen Institut einen persönlichen Besuch abgestattet. Die Erfahrung, die Dr. Pauli während ihrer Tätigkeit an der Akademie von Finnland sammeln konnte, und ihr über zehnjähriges Engagement in diversen Komitees der EU waren eine gute Vorbereitung für ihre jetzigen Aufgaben bei der GFS, da sie so Gelegenheit erhielt, die "EU-Institutionen von innen wie von außen kennenzulernen". Und nun, da sie selbst in einer EU-Institution arbeitet, hat Dr. Pauli glasklare Vorstellungen, wie sich das Ansehen der GFS steigern ließe. "Nur die GFS selbst kann dafür sorgen, dass ihr in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit zuteil wird", so Dr. Pauli im Interview mit CORDIS-Nachrichten. Um dies zu erreichen, muss sich die von der GFS durchgeführte Forschung durch dreierlei Dinge auszeichnen: "Erstens: Exzellenz. Zweitens: Exzellenz. Und drittens: Exzellenz. Eine Institution, die hervorragende Arbeit leistet, wird automatisch einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen", so Dr. Pauli. Zuletzt machte die GFS von sich reden, als bei der Jahresversammlung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in den USA 10 von 13 Vortragsvorschlägen angenommen wurden. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um die größte multidisziplinäre Wissenschaftskonferenz weltweit, und die Teilnahme der GFS dürfte ihrem Ansehen außerhalb Europas äußerst dienlich sein. Doch auch innerhalb Europas ist ihr Image noch immer verbesserungswürdig. Nach Ansicht von Dr. Pauli muss die GFS ihren Teil dazu beitragen, um bessere Karrieremöglichkeiten für talentierte Wissenschaftlerinnen zu schaffen. Das Problem stellt sich weniger im gehobenen Management, wo die GFS im vergangenen Jahr drei Spitzenpositionen mit Frauen besetzt hat, als vielmehr auf der mittleren Führungsebene und auf Ebene der Sachverständigen, wo noch immer zu wenige Frauen wichtige Positionen bekleiden. So waren im Jahr 2004 nur 360 der insgesamt 1476 der bei der GFS Beschäftigten Frauen. "Es handelt sich hierbei um ein weit verbreitetes Phänomen, das auch in den einzelnen Mitgliedstaaten zu beobachten ist und wenig zuversichtlich stimmt", so Dr. Pauli. Wenngleich Frauen in Finnland, der Heimat von Dr. Pauli, in aller Regel besser ausgebildet sind als Männer, bekleiden trotzdem nur wenige von ihnen Spitzenpositionen in der Forschung. "Noch immer scheint die gläserne Decke Frauen den Aufstieg zu erschweren", so Dr. Pauli. Diese Decke zu durchbrechen, erfordere eine "aktive Vorgehensweise". Dr. Pauli erweckt den Eindruck, als sei sie bereit, diese Herausforderung gemeinsam mit dem Generaldirektor anzunehmen. Im vergangenen Jahr wurden in der GFS drei Spitzenpositionen mit Frauen besetzt. In den Augen der stellvertretenden Generaldirektorin ist dies ein "gutes Beispiel dafür, was sich alles erreichen lässt, wenn man wirklich will und alle Hebel in Bewegung setzt". "Es gibt Frauen, deren Karriere zuende ist, noch bevor sie richtig begonnen hat, und andere, die wegen der Kinder in Teilzeit arbeiten", erklärt Dr. Pauli. Mütter müssen zuhause sein, wenn die Kinder aus der Schule kommen, und in einigen Ländern müssen sie ihren Kindern auch an Schultagen das Mittagessen zubereiten können, da die Schulen keine Verpflegung vorsehen. "Im Allgemeinen bietet die Gesellschaft in Europa nicht die notwendigen Grundlagen, um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu fördern." Nach Ansicht von Dr. Pauli ist dies ein Problem, das vor allem in der Struktur der Gesellschaft begründet liegt. Doch es gibt Leute, die aufgrund ihrer Position in der Lage wären, wissenschaftliche Karrieren von Frauen zu fördern. Zunächst einmal sind das diejenigen, die darüber entscheiden, wer in ein Komitee aufgenommen wird, sowie diejenigen, die Redner zu internationalen Konferenzen einladen. "Diese Leute denken in aller Regel zunächst an alteingesessene, männliche Professoren, die bereits auf Hunderten von Konferenzen Reden gehalten haben. Für gewöhnlich gibt es allerdings die Möglichkeit, sich alternativ für eine junge Wissenschaftlerin zu entscheiden, die einfach noch nicht die Gelegenheit gehabt hat, und die frischen Wind in eine Konferenz bringen würde. Frauen müssen ermutigt werden, und Frauen müssen sich Gehör verschaffen", so Dr. Pauli. "Dies liegt in der Verantwortung derjenigen, die Positionen wie die meine innehaben", fügt sie hinzu. Hat Dr. Pauli selbst die Art von Unterstützung erhalten, die sie sich für junge Wissenschaftlerinnen von heute wünscht? "Ich denke nicht, dass ich in meinem Leben so viel aktive Unterstützung erhalten habe wie manche Männer, aber es hat Ausnahmen gegeben", sagt sie und klingt dabei nachdenklich. Männliche Wissenschaftler, betont sie, haben in der Regel einen Mentor oder einen älteren Kollegen, der sie auf freiwerdende Stellen aufmerksam macht und ihnen dabei hilft, Erfahrungen zu sammeln, die sie voranbringen, etwa durch die Teilnahme an Komitees, damit die Bewerbung dann auch von Erfolg gekrönt ist. Unterstützung dieser Art hat Dr. Pauli auf ihrem Weg zu ihrer derzeitigen Position jedenfalls nicht erfahren. Sie erhielt lediglich eine E-Mail, zusammen mit all den anderen, die sich im selben Verteiler befanden, in der die Empfänger über die freiwerdende Stelle in der GFS in Kenntnis gesetzt wurden, und beschloss, sich auf diese Stelle zu bewerben. In den kommenden Monaten ist die Ex-Post-Bewertung des Sechsten Rahmenprogramms ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der GFS. Im Herbst wird ein Gremium führender Wissenschaftler zusammengestellt werden, um die Bewertung vorzunehmen, und das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern ist nur eine der Herausforderungen, denen sich die GFS dabei zu stellen hat. "Nicht immer sind wir zufrieden mit der Frauenquote in den Gremien, aber wenigstens befassen wir uns aktiv damit", so Dr. Pauli. Das Gremium wird gegenüber der GFS Empfehlungen hinsichtlich der Weiterentwicklung aussprechen und Vorschläge unterbreiten, "wie wir noch besser werden können als wir bereits sind", so Dr. Pauli weiter. Neben der Bewertung des RP6 obliegt Dr. Pauli die Überwachung der jährlichen Überprüfungen der ihr zugewiesenen Institute der GFS (eine Überprüfung ist bereits abgeschlossen) sowie die Überwachung des Übergangs der GFS zum Siebten Rahmenprogramm (RP7). Alles in allem wird sich an der GFS durch den Übergang vom RP6 zum RP7 nicht viel ändern. Das Budget (über 300 Millionen Euro pro Jahr) bleibt unverändert. "Jedes Rahmenprogramm ist jedoch mit Neuerungen verbunden. Neuerung ist eine unumstößliche Anforderung, und das ist meiner Ansicht nach nur billig", so Dr. Pauli. Veränderungen im Management sind für weitere Neuerungen in der GFS sicherlich förderlich und tragen hoffentlich zu ihrer Solidität bei, da die GFS die Europäische Kommission weiterhin durch ihre erstklassige unabhängige wissenschaftliche Beratung bei deren politischer Entscheidungsfindung unterstützen wird.

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