"Ein wichtiger Schritt dahingehend, den Krebs bereits bei seiner Entstehung zu stoppen"
Italienische Forscher haben einen Mechanismus gefunden, um das Tumorwachstum beim Menschen anzuregen. Diese Entdeckung werde zur Entwicklung neuartiger Diagnose- und Therapieverfahren führen, erläuterten die Wissenschafter auf der Europäischen Krebskonferenz in Barcelona. Das Team der Stiftung der Universität Chieti (CESI) entdeckte die Funktion des Trop-2-Gens, ein Produkt des TACTD2-Gens, das in der Plazenta exprimiert wird, ein "invasives" normales Gewebe. "Die Funktion von Trop-2 war bisher ein Rätsel", sagte Professor Saverio Alberti vom CESI. "Aufgrund der Kenntnisse über die Expression in der Trophoblast während der Schwangerschaft gingen wir jedoch davon aus, dass es auch bei einer anderen invasiven Funktion beteiligt sein könnte, dem Tumorwachstum." Trophoblasten sind die äußere Zellschicht der Blastozysten - ein Entwicklungsstadium des Menschen in der frühen Schwangerschaft. Sie versorgen den Embryo mit Nährstoffen und entwickeln sich zu einem größeren Teil der Plazenta. Als die Wissenschaftler die Gene in menschlichen Tumoren untersuchten, entdeckten sie, dass Trop-2 in den meisten Tumoren exprimiert wurde, z. B. in Tumoren in Brust, Darm, Magen, Lunge, Prostata, Eierstöcken, Endometrium, Gebärmutterhals und Bauchspeicheldrüse. Durchschnittlich wurde die Trop-2-Überexpression in 74 Prozent der untersuchten Tumore festgestellt. Die meisten anderen Marker treten entweder in niedrigerer Zahl auf oder werden nur bei einer Teilgruppe von Tumoren häufiger festgestellt. "Trop-2 ist ferner ein einzigartiger Marker für Krebsmetastasen verschiedener Tumorarten, z. B. in Darm, Magen, Brust und Eierstöcken, und bei einer Reihe von Arten", fuhr Professor Alberti fort. Die Untersuchung ergab, dass die meisten Metastasen in Lymphknoten oder nachgeschalteten Organen, wie beispielsweise die Leber bei Darmkrebs, größere Mengen an Trop-2 verglichen mit primären Tumoren exprimieren. Trop-2 induziert diese Metastasen. Trop-2 enthält jedoch auch zwei spezifische Sequenzelemente in seinem zytoplasmatischen Schwanz, dem sogenannten "Signalmotor". Eins dieser Elemente fungiert als Enhancer der Metastasierung, das andere als Silencer. "Wenn wir solche Moleküle identifizieren können, werden wir vielleicht irgendwann in der Lage sein, ihre Aktivität zu beeinflussen", sagte Professor Alberti als Hinweis darauf, dass dies der interessanteste Aspekt der Erkenntnisse ist. "Dies könnte ein wichtiger Schritt dahingehend sein, den Krebs bereits bei seiner Entstehung zu stoppen." Weitere Untersuchungen dazu, wie Trop-2 eine Rezeptoraktivierung auslöst, die wiederum zu Zellveränderungen führt, werden in einem nächsten Schritt unternommen. "Dies ist entscheidend, um besser verstehen zu können, wie das Tumorwachstum von dem Gen reguliert wird, und wird außerdem zu weiteren Targets für Medikamente gegen Krebs führen", erläuterte Professor Alberti. "Wir sind sehr gespannt auf die Therapiemöglichkeiten, die unserer Meinung nach aus dieser Entdeckung entstehen könnten."
Länder
Italien