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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Bodenerosion durch Landwirtschaft verstärkt Treibhauseffekt nicht

Laut einer neuen EU-geförderten Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Science" erschienen sind, trägt durch landwirtschaftliche Nutzung verursachte Bodenerosion nicht zur globalen Erwärmung bei. "Schon seit langem ist bekannt, dass Bodenerosion die Qualität landwi...

Laut einer neuen EU-geförderten Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Science" erschienen sind, trägt durch landwirtschaftliche Nutzung verursachte Bodenerosion nicht zur globalen Erwärmung bei. "Schon seit langem ist bekannt, dass Bodenerosion die Qualität landwirtschaftlicher Produkte beeinträchtigt, doch erst seit kurzem befasst sich die Wissenschaft mit den Auswirkungen der Bodenerosion auf den globalen Kohlenstoffkreislauf", erläutert Professor Tim Quine von der Universität Exeter in einem Podcast auf der Webseite der Fachzeitschrift "Science". Frühere Untersuchungen zu diesem Thema führten allerdings zu widersprüchlichen Ergebnissen. Einige legten nahe, dass durch landwirtschaftlich verursachte Bodenerosion zusätzliche Kohlenstoffmengen in die Atmosphäre gelangen, die 13 Prozent der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen entsprechen. Andere deuteten eher darauf hin, dass Bodenerosion die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen um über 10 Prozent reduziert. "Über den Zusammenhang zwischen landwirtschaftlich verursachter Bodenerosion und dem Kohlenstoffkreislauf wird weiterhin heftig debattiert", so Dr. Kristof Van Oost von der Katholischen Universität Löwen. "Die einen argumentieren, dass durch Bodenerosion große Mengen an Kohlenstoff freigesetzt werden, während Anhänger der gegenteiligen Theorie behaupten, dass Bodenerosion die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in Wirklichkeit senkt. Die Ergebnisse unserer Forschung zeigen klar, dass weder die eine noch die andere These zutreffend ist." Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass landwirtschaftlich bedingte Bodenerosion die Kohlenstoffemissionen geringfügig reduziert. Allerdings werden durch Bodenerosion lediglich rund 1,5 Prozent der Menge an CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen, die jährlich in die Atmosphäre gelangen, aufgehoben. Dies fanden die Forscher anhand des Cäsium-137 heraus. Cäsium-137 ist infolge von Kernwaffenversuchen überall auf der Welt im Boden vorhanden und stellt einen Anhaltspunkt dar, um die Bodenabtragung und -ablagerung in landwirtschaftlich genutzten Gebieten zu verfolgen. So konnten die Forscher die Menge an Kohlenstoff bestimmen, die sich voraussichtlich in von Bodenerosion betroffenen Gebieten sowie in solchen Gebieten finden würde, in denen sich der Boden absetzt. Daraufhin verglichen sie ihre Prognosen mit 1 400 Bodenprofilen, die Aufschluss über die tatsächlich im Boden vorhandenen Mengen an Kohlenstoff gaben, um herauszufinden, welche Böden als Kohlenstoffsenken und welche als Kohlenstoffquellen fungiert hatten. Des Weiteren konnten sie berechnen, welche Mengen an Kohlenstoff an den von Bodenerosion betroffenen Stellen neu eingelagert wurden. Ihre Analysen zeigen, dass Bodenerosion wie eine Art Förderband fungiert. Durch Bodenerosion wird Unterboden angehoben, durch den Oberboden transportiert und lagert sich schließlich in Talsenken ab. Auf dem Weg dorthin nimmt der Boden Kohlenstoff aus Pflanzen und Bestandteilen von Pflanzen auf. Anschließend gelangt dieser Kohlenstoff an den Orten, wo der Boden sich schließlich ablagert, in untere Bodenschichten. Daher führt Erosion zu einer Reduzierung der Kohlenstoffmenge in der Atmosphäre, allerdings nur zu einer minimalen. "Dies hat keine unbedeutenden Folgen für die Landwirtschaftspolitik", so Professor Quine. Wären die Forscher zu dem Ergebnis gelangt, dass Bodenerosion enorme Mengen an Kohlenstoffemissionen verursacht, dann wäre Erosionskontrolle ein adäquates Mittel zur Reduzierung von Emissionen aus fossilen Brennstoffen. Hätte sich jedoch herausgestellt, dass Erosion erheblich zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen beiträgt, dann hätte man die Nachteile von Bodenerosion gegen ihre Vorteile, nämlich die Eindämmung des Treibhauseffektes, abwägen müssen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erosionskontrolle aufgrund ihrer Vorteile für Umwelt und Landwirtschaft fortgesetzt werden sollte, jedoch zur Reduzierung der Erderwärmung wenig tauglich ist", bemerkt Professor Quine abschließend. Die EU-Fördermittel zur Durchführung dieser Arbeit stammen aus dem Marie-Curie-Stipendienprogramm für europäische Wissenschaftler in Europa.

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