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Neue Vorsitzende der EWS erarbeitet Pläne für die Zukunft

Am 1. Januar übernahm Marja Makarow den Posten als Generaldirektorin der Europäischen Wissenschaftsstiftung (EWS) und leitet nun als erste Frau die vor über 30 Jahren ins Leben gerufene Organisation. Sie besitzt hervorragende Qualifikationen für die Bekleidung dieser Position:...

Am 1. Januar übernahm Marja Makarow den Posten als Generaldirektorin der Europäischen Wissenschaftsstiftung (EWS) und leitet nun als erste Frau die vor über 30 Jahren ins Leben gerufene Organisation. Sie besitzt hervorragende Qualifikationen für die Bekleidung dieser Position: Im Laufe der vergangenen zehn Jahre gewann sie hohes Ansehen im Bereich der Wissenschaftspolitik - sowohl in ihrer Heimat Finnland als auch anderenorts. Im Rahmen einer Reise nach Brüssel nahm sich Frau Professorin Makarow trotz ihres vollen Terminkalenders Zeit, CORDIS-Nachrichten über ihre bisherige Laufbahn, über ihre Pläne für die EWS und ihre Ansichten über Frauen in der Wissenschaft zu berichten. Frau Professorin Makarow, eine ausgebildete Biochemikerin, erinnert sich noch genau an den Augenblick, an dem sie erkannte, dass sie eine Laufbahn in der Wissenschaft einschlagen möchte. Diesen erlebte sie während eines Forschungsprojekts im Rahmen ihres Magisterabschlusses an der Universität Helsinki. "Ich hatte das Glück, zufällig einer absolut fantastischen Arbeitsgruppe zugeteilt zu werden", sagt sie. "Ich verstand wahrlich, dass hier Wissen geschaffen wurde, und zwar durch Experimente. Dies war für mich überaus inspirierend." Sie promovierte ebenfalls in Helsinki, bevor sie zum Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL - European Molecular Biology Laboratory) in Heidelberg, Deutschland, wechselte, wo sie ihre postdoktorale Forschung durchführte. Schwerpunkt ihres Studiums bildeten die Wege, über die Proteine in Säugetierzellen aus diesen Zellen heraustransportiert werden. Anschließend kehrte sie nach Helsinki zurück und untersuchte dort, wie sich Proteine innerhalb der Zelle bewegen und wie die Zelle dafür sorgt, dass die Proteine so gefaltet werden, damit die richtige dreidimensionale Struktur entsteht. Als sie vor zehn Jahren zum Mitglied des Forschungsrats für Gesundheit der finnischen Akademie ernannt wurde, kam Professorin Makarow erstmals mit der Politikgestaltung in Kontakt. "Ich erkannte sofort, dass ich für die Wissenschaftsgemeinschaft arbeiten möchte", erklärt sie begeistert. Bis zu diesem Zeitpunkt, so sagt sie, war sie "eine absolut leidenschaftliche Wissenschaftlerin, die sich ausschließlich auf ihre eigene Arbeit konzentriert hat". Diese neue Position vermittelte ihr einen Überblick über die breitere Forschungslandschaft sowie einen Einblick in die Politik hinter den Entscheidungen über die Mittelverteilung an bestimmte Forschungsbereiche. Sowohl in Finnland als auch im übrigen Europa folgten für sie bald weitere, ähnliche Posten. Zu ihren wichtigsten Funktionen zählt ihre Mitgliedschaft in der finnischen Delegation des EMBL und seiner Schwesterorganisation, der Europäischen Konferenz für Molekularbiologie (EMBC). Weitere Organisationen, die von ihren Erfahrungen profitieren, sind beispielsweise die Science Foundation Ireland, das österreichische Ministerium für Wissenschaft und Forschung sowie der Fonds für Wissenschaftliche Forschung Flandern. Darüber hinaus ist sie Mitglied des nationalen Rats für Wissenschaft und Technologiepolitik in Finnland, der der finnischen Regierung untersteht und vom finnischen Ministerpräsidenten geleitet wird. "Dies ist natürlich ein optimaler Ort, um zu lernen und zu beeinflussen, wie die Gelder innerhalb des Landes für Forschungszwecke zugewiesen werden", sagt Professorin Makarow. Im Hinblick auf ihre neue Aufgabe ist sie überzeugt, dass die EWS im Europäischen Forschungsraum eine entscheidende Funktion einnehmen muss. In ihren Augen sollte die Organisation als Vermittlerin zwischen einerseits den nationalen Organisationen zur Forschungsfinanzierung und andererseits der Europäischen Kommission fungieren. Eine der derzeit größten Herausforderungen innerhalb der europäischen Forschung liegt in der Ermittlung, wie einzelne Länder zur Zusammenlegung von mehr Geldern für gemeinsame Forschungsprogramme motiviert werden können. Professorin Makarow ist davon überzeugt, dass die "Vorausblicke" der EWS entscheidend zum Erreichen dieses Ziels beitragen könnten. Innerhalb eines solchen Vorausblicks wird ein wichtiges Thema bestimmt und es versammeln sich führende Experten, um die gegenwärtige Situation in diesem Bereich zu analysieren. Anschließend untersuchen sie, wie sich dieses Thema wahrscheinlich entwickeln wird, welche Rolle es für die Gesellschaft spielt und welche Anforderungen sich daraus im Hinblick auf Bildung, Infrastruktur und Finanzierung ergeben. "Somit könnte den nationalen Geldgebern eine Analyse auf europäischer Ebene zur Verfügung gestellt werden. Sie könnten entscheiden, ob das jeweilige Projekt für sie von Relevanz ist oder nicht", sagt Makarow. Diese Hinweise würden natürlich auch der Europäischen Kommission zur Verfügung stehen. Im Hinblick auf die Beziehung der EWS zur Kommission sagt Professorin Makarow, ihre Organisation hoffe auf einen verstärkten Dialog mit der GD Forschung. "Die EWS muss in Übereinstimmung mit den Programmen der Kommission arbeiten und die Kommission sollte von der EWS als Expertengremium, als Kanal zu Fachleuten aus der Wissenschaft profitieren", sagt sie. Marja Makarow ist, seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren, die erste Frau an der Spitze der EWS, und sie beschreibt das Problem der unterzähligen Frauen in der Wissenschaft als ihre persönliche "Herzensangelegenheit". Auf die Frage, wie überhaupt mehr Frauen für die Wissenschaft gewonnen werden könnten, antwortet sie, dies sei zum Teil eine Frage der Perspektive. Sie meint zudem, Frauen tendieren dazu, Berufe zu ergreifen, die in gewisser Hinsicht mit Menschen, mit der Gesellschaft, mit Tieren oder mit der Umwelt verbunden sind. An dieser Stelle führt sie das Beispiel der Studiengänge Informations- und Kommunikationstechnologie an der Technischen Universität Helsinki an. Trotz weit reichender Kampagnen für Mädchen und junge Frauen an den Schulen Finnlands blieb die Zahl der Frauen, die sich für diese Studiengänge bewarben, weiterhin äußerst gering - etwa 10%. "Daraufhin wurde ein Studienprogramm namens Bioinformationstechnologie entwickelt", sagt Makarow und flüstert ergänzend: "Das ist in den Grundzügen dasselbe wie die anderen beiden Studiengänge." Etwa 70% der Bewerber für diesen "neuen" Studiengang waren Frauen, und Professorin Makarow ist fest davon überzeugt, dass es keinen Grund gibt, warum andere Studiengänge nicht ebenso umbenannt werden sollten. Im Hinblick auf ihre eigene Laufbahn betont sie, wie wichtig es ist, Frauen zu motivieren und ihnen Rollenmodelle zu vermitteln. Abschließend hebt sie jedoch hervor, dass dieses Problem überaus kompliziert ist. So ist für Wissenschaftler aus kleinen Ländern, wie Finnland beispielsweise, ein Auslandsaufenthalt entscheidend, wenn der Wissenschaftler seine Karriere vorantreiben möchte. Frauen mit kleinen Kindern nehmen jedoch mit geringerer Wahrscheinlichkeit die Gelegenheit wahr, ihre postdoktoralen Forschungen ins Ausland zu verlagern. Daraus ergibt sich für sie ein bedeutender Nachteil gegenüber ihren männlichen Kollegen. "Hierbei geht es also um überaus subtile, komplexe und schwierige Sachverhalte", sagt Makarow. "Meiner Meinung nach müssen wir uns über die Situation ernsthafte Gedanken machen." Zwischenzeitlich bleibt zu hoffen, dass Frau Professor Makarow selbst - durch ihre Übernahme der Führungsposition in der EWS zu einem derart wichtigen Zeitpunkt für die Wissenschaft Europas - als Quelle der Inspiration für zukünftige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fungieren wird.

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Finnland

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