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Medienverantwortung bei der Berichterstattung zum Klimawandel

Im Jahre 2002 erklärte der britische Wissenschaftler David King kühn, dass der Klimawandel eine größere Bedrohung der Zivilisation darstelle als der Terrorismus - wobei er implizierte, dass durch die globale Erwärmung mehr Menschen getötet wurden. Der anschließende Medienrumme...

Im Jahre 2002 erklärte der britische Wissenschaftler David King kühn, dass der Klimawandel eine größere Bedrohung der Zivilisation darstelle als der Terrorismus - wobei er implizierte, dass durch die globale Erwärmung mehr Menschen getötet wurden. Der anschließende Medienrummel stellte einen Wendepunkt in der öffentlichen Agenda dar, weil er dem Thema eine größere Sichtbarkeit verschaffte - was sich allein schon an der Fülle der Zeitungsschlagzeilen messen lies, die auf der ganzen Welt produziert wurden. Es sei sehr ungewöhnlich, dass Wissenschaftler derartige Erklärungen abgeben, kommentierte Dr. Anabela Carvalho von der Universität Minho in Portugal auf einer Konferenz, die jüngst in Paris, Frankreich, stattfand. Dort ging es darum, wie sich die Sozial- und Geisteswissenschaften mit Fragen zum Klimawandel befassen. Kaum ein Wissenschaftler möchte der Sensationsmacherei beschuldigt werden, indem er Behauptungen in die Welt setzt, die sich niemals bestätigen würden, erläuterte sie. Für die Professorin für Kommunikationswissenschaften sind es die Politiker, die bei der Bestimmung, welche Botschaften zu diesen globalen Veränderungen über die Medien an die Öffentlichkeit verbreitet werden, eine wichtigere Rolle spielen und die in manchen Fällen diese Themen auch dazu verwenden, bestimmte Agenden voranzutreiben. "Schaut man sich die Entwicklung der Medienberichterstattung zu diesen Themen an, erkennt man, dass diese mit den großen Erklärungen großer Politiker zusammenfallen", bemerkt sie. "Die Höhepunkte sind dann auch zu Zeiten internationaler Gipfeltreffen. Es scheint, dass die Politiker die Medienagenda formulieren und folglich auch die öffentliche." Dr. Carvalhos berücksichtigt in ihrer Studie die Entwicklung des Klimawandels im Zusammenhang mit den letzten zwei Dekaden der Medienberichterstattung (1988-2008). Forschungen, die im Zentrum der Debatten zu diesem Thema stehen, konzentrieren sich vornehmlich auf Zeitungsberichterstattung, teils, weil es praktisch ist (der Zugriff auf Fernseh- und Radioarchive kann kompliziert, teuer und zeitaufwändig sein), aber auch wegen des Einflusses der sogenannte Prestigepresse auf andere Medien. "Schaut man sich die New York Times oder The Guardian an, sieht man, dass die von diesen Zeitungen aufgeworfenen Themen oder Ansichten anschließend andere Medien sozusagen kontaminieren. Sie stellen oft die Agenda auf oder setzen Debatten in Gang, die sich dann auf andere Medien ausweiten", erläuterte sie CORDIS-Nachrichten gegenüber auf der Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des französischen EU-Ratsvorsitzes stattfand. In der öffentlichen Sphäre des Klimawandels ist das Jahr 1988 ein Meilenstein, weil zahlreiche Schlüsselereignisse zusammenfallen: die berühmte Präsentation zur Klimaerwärmung des Wissenschaftlers James Hansen im Weißen Haus, das damalige, plötzliche Interesse der britischen Premierministerin Margaret Thatcher für dieses Thema - wahrscheinlich geweckt durch den Plan, in Kernkraft zu investieren, so Dr. Carvalho - und die Errichtung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC). Vor 1988 war die Medienberichterstattung zu diesem Thema eher sporadisch gewesen, was das relativ neue Verhältnis zwischen der Presse und der Öffentlichkeit zu den Herausforderungen des Klimawandels betont. Jedoch habe Forschung gezeigt, so Dr. Carvalho, dass die Medien die Hauptinformationsquelle und der Hauptfaktor bei der Sensibilisierung und Meinungsbildung der Öffentlichkeit im Hinblick auf den Klimawandel seien. Welche Bedeutung hat der Klimawandel folglich in den Augen der Öffentlichkeit erlangt? Eine Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2007 ergab, dass die Mehrheit der EU-Bürger sich wegen des Klimawandels Sorgen macht. Mehr als 8 von 10 Europäern (82%) sind sich sehr wohl bewusst, dass die Art und Weise, wie in ihrem Land Energie verbraucht und erzeugt wird, sich negativ auf das Klima auswirkt. Im selben Jahr zeigte eine Umfrage bei 22.000 Personen in 21 Ländern (dazu gehörten auch China und die USA sowie andere große Emissionsverursacher), dass die große Mehrheit der Ansicht war, dass "sehr bald wichtige Schritte" unternommen werden müssten. Medienbotschaften können zwei entgegen gesetzte Töne anschlagen, erklärte Dr. Carvalho: eine optimistische Botschaft, die beiden Seiten Positives verspricht - zum Beispiel: Modernisierung der Wirtschaft für den Umweltschutz kann Arbeitsplätze durch Investitionen in erneuerbare Energien schaffen -, oder klar pessimistisch, wobei eine drohende Katastrophe und der Untergang betont werden. "Man muss ein Gleichgewicht finden, um Skepsis oder Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit zu vermeiden. Insbesondere muss das Thema greifbarer gemacht werden, damit die Öffentlichkeit reagieren kann." Dr. Carvalho hob weiterhin hervor, dass die US-Medien (aber auch andere beliebte Zeitungen und Fernsehsender in anderen Ländern) mit der ausgewogenen Präsentation dieses Themas Probleme haben. Damit stehen sich Wissenschaftler und Klimaskeptiker - das sind jene, die nicht an den Klimawandel glauben oder daran, dass er nicht durch den Menschen verursacht wird - gegenüber, um das zu präsentieren, was man als die Illusion der Medienobjektivität bezeichnen könnte, was die Konfusion weiter vergrößert. "Mit einem Boxkampf verkaufen sich die Zeitungen", sagte Jon Krosnick von der Stanford University im Zusammenhang mit diesem Phänomen der Berichterstattung in seinem Konferenzbeitrag über die Meinung der Amerikaner zum Klimawandel. "Der Schaden ist da und es wird eine Weile dauern, bis er behoben wurde." Obwohl die US-Medien jetzt nicht mehr unbedingt die Notwendigkeit verspüren, Nachrichten auf diese Weise zu präsentieren, "werden die Auswirkungen dieser Skepsis noch viele Jahre zu spüren sein". Die Verfechter erhalten immer noch die Aufmerksamkeit der Medien und veröffentlichen Bücher. Zum Abschluss meinte Dr. Carvalho, dass Journalisten diese Themen im Hinblick auf eine fachübergreifende Analyse und bei der Herstellung von Zusammenhängen kritischer und analytischer angehen müssten - in manchen Fällen würden Umweltstorys in einem Zug mit der Ankündigung neuer Autobahnen genannt. Wenn die Medien ihre Rolle als Wächter der Leistungsfähigkeit von Unternehmen erfüllen würden, erklärte sie, könnte dies zur Entwicklung kritischer Fähigkeiten in der Öffentlichkeit beitragen. "Man muss ganz einfach die richtigen Fragen stellen!"

Länder

Frankreich

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