EU-Projekt zum Wert älterer Arbeitnehmer
Forscher von der Universität Göteborg in Schweden nehmen an einem neuen EU-Projekt teil, in dessen Rahmen die Frage beantwortet werden soll, wie sich Organisationen und Unternehmen die Fähigkeiten und Erfahrungen älterer Mitarbeiter zunutze machen können. Das Projekt mit dem Titel "Best Agers" wird teilweise durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert und wird sich speziell auf die Kompetenzen dieser älteren Arbeitnehmer verlassen, um die Wirtschaft und die Entwicklung von Fertigkeiten in der Ostseeregion zu fördern. Die Fördermittel für die Initiative betragen mehr als 4,5 Mio. EUR. Der Europäischen Kommission zufolge besteht eine der größten Herausforderungen für europäische Regionen im demografischen Wandel. Experten glauben, dass Arbeitnehmer im Alter von 55 und mehr Jahren (von den Best Agers-Partnern auch als ältere Arbeitnehmer bezeichnet) das Ass im Ärmel der Ostseeregion sein könnten. . Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass die Ostseeregion in den kommenden Jahren mit einer zunehmend älteren Bevölkerung rechnen muss. Ein 2008 von der Europäischen Kommission veröffentlichter Bericht sagte voraus, dass der durchschnittliche Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung in den EU-Mitgliedstaaten bis 2060 von 13% auf 30% ansteigen wird. Der Grund: eine anhaltend niedrige Geburtenrate und eine wachsende Anzahl älterer Menschen. Aus den Daten geht außerdem hervor, dass in den nächsten 50 Jahren der Bevölkerungsanteil der Menschen über 80 Jahre in den EU-Ländern um fast 8% auf 12,1% steigen wird. Trotz ihres Alters sind diese Menschen sehr gesund und bestens ausgebildet und können den Experten zufolge mobilisiert werden, um die negativen Effekte des demografischen Wandels wie den Brain-Drain und den Schwund regionaler Arbeitskräfte aufzufangen. "Ein hoher Wohlstand in einer Gesellschaft erfordert ein bestimmtes Verhältnis zwischen der arbeitenden und der nicht arbeitenden Bevölkerung", erklärte Professor Roland Kadefors von der Abteilung für Arbeitswissenschaft der Universität Göteborg. Die Projektpartner von Best Ages haben im Februar dieses Jahres das Projekt in der litauischen Hauptstadt Riga gestartet. Sie wollen Methoden bestimmen und fördern, mit denen sichergestellt werden kann, dass ältere Menschen weiterhin ihren Beitrag zum Arbeitskräftepotenzial leisten. Die Teilnehmer an dem Projekt werden außerdem Beispiele zusammentragen, wie die Erfahrungen und Fähigkeiten dieser älteren Arbeitskräfte auf die jüngeren Arbeitskräfte übertragen werden können. Best Agers ist Teil des Programms "Baltic Sea Region" und führt 19 Partner aus 8 Ostseeländern und aus verschiedenen Sektoren zusammen, um eine Generationen übergreifende Umgebung für Innovationen zu schaffen. Die Partner werden in den Bereichen Betriebswirtschaft und Qualifikationen mit einer Reihe von Altersgruppen zusammenarbeiten, nicht nur um neue Ideen zu fördern, sondern auch, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen auszutauschen. "Die Arbeitsmarktstrategie der EU deutet auf zwei Punkte hin: dass das Verhältnis zwischen der arbeitenden und der nicht arbeitenden Bevölkerung ansteigen muss und dass die Menschen länger berufstätig sein müssen als heute", sagte Professor Kadefors. Die Abteilung Arbeitswissenschaft der Universität ist für die Forschungsprojekte von Best Agers verantwortlich. Dem Team zufolge werden die Forscher jedes der acht Länder untersuchen und die zentralen Faktoren ermitteln, die es den Menschen über 55 erschweren, berufstätig zu bleiben oder wieder in die arbeitende Bevölkerung integriert zu werden. Professor Kadefors: "Es könnte eine Sache von Gesetzen und Vorschriften, Gesundheit, Kompetenzen und Einstellungen sein." Die Projektpartner stellen fest, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) darunter leiden, wenn zentrale Fähigkeiten und Erfahrungen mit dem Ausscheiden eines älteren Mitarbeiters aus dem Betrieb verloren gehen. Eines der größten Probleme, so sagen sie, besteht darin, dass es nicht genug Methoden für Unternehmen gibt, mit denen sie kritische Kompetenzen feststellen können, um sie auf die jüngeren Mitarbeiter zu übertragen.
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Schweden