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EU-Studie zeigt: Wer in den ersten Lebensjahren gut ernährt wird, ist im Alter gesünder

In einer EU-finanzierten Forschungsarbeit konnte gezeigt werden, wie sich die Ernährung im Mutterleib und in unseren ersten Lebensjahren auf das Risiko für Fettsucht, Herz- und Lungenkrankheiten sowie für Verhaltens- und kognitive Probleme in späteren Jahren auswirkt. Ein wese...

In einer EU-finanzierten Forschungsarbeit konnte gezeigt werden, wie sich die Ernährung im Mutterleib und in unseren ersten Lebensjahren auf das Risiko für Fettsucht, Herz- und Lungenkrankheiten sowie für Verhaltens- und kognitive Probleme in späteren Jahren auswirkt. Ein wesentlicher Aspekt des Projekts EARNEST ("Early nutrition programming") ist, dass viele Forschungsergebnisse bereits in praktische Ratschläge übersetzt wurden. "Beispielsweise haben die Projektpartner zusammen praktische Empfehlungen für die Fettaufnahme in der Schwangerschaft, der Stillzeit und beim Kleinkind erarbeitet", erklärte Projektkoordinator Professor Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität in Deutschland. "Andere Teilnehmer dieses europäischen Forschungsverbundes haben untersucht, nach welchen Faktoren sich Eltern für eine bestimmte Ernährung entscheiden. Dabei wurde auch Informationsmaterial berücksichtigt, das von Behörden, Wissenschaftsverbänden und nichtstaatlichen Organisationen bereitgestellt wurde." EARNEST, das demnächst ausläuft, erhielt 13,4 Mio. EUR aus dem Themenbereich "Lebensmittelqualität und -Sicherheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) der EU. Vom 6. bis zum 8. Mai haben die Projektpartner ihre Erkenntnisse auf einer Konferenz in München, Deutschland, präsentiert. Dazu gehört die Enthüllung, dass das Füttern von Muttermilch bei frühgeborenen Babys sich sehr positiv auf die Knochengröße und den Mineralgehalt nach 20 Jahren auswirkt. Interessanterweise steht das nicht im Zusammenhang mit den in der frühen Kost von Kindern enthaltenen Mineralien. Das lässt darauf schließen, dass es noch andere Komponenten in der Muttermilch gibt, die keinen Nährwert besitzen und trotzdem für die Förderung der Knochenstärke zuständig sind. Außerdem wurde untersucht, welche Folgen der Ersatz von Mutter- oder Formelmilch durch Energie spendende Getränke wie gezuckerte Tees oder Säfte hat. Der Studie zufolge fehlt es diesen Getränken an vielen Nährstoffen, die in Muttermilch oder Formelmilch enthalten sind. Daher würden sie die Qualität der Ernährung von Neugeborenen verschlechtern. Angesichts der wachsenden Beliebtheit von Energiegetränken ist diese Erkenntnis besonders wichtig. An anderer Stelle haben EARNEST-Forscher entdeckt, dass die Einnahme von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln das Risiko für Präeklampsie (eine Komplikation bei der Schwangerschaft, bei der der Blutdruck steigt und Proteine im Urin vorhanden sind) bei Schwangeren, die ihr erstes Kind erwarten, um 27% senken kann. Darüber hinaus scheinen Mütter mit einer Ernährungsweise, die viel Gemüse, pflanzliche Lebensmittel und Pflanzenöl enthält, ein geringeres Risiko für Präeklampsie zu haben; bei Schwangeren, die zweimal in der Woche Fisch essen, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt. Ein weiteres wichtiges Projektergebnis betrifft die Geschlechterunterschiede. Beispielsweise haben Studien mit Mäusen gezeigt, dass weibliche Nachkommen übergewichtiger Mütter einen erhöhten Insulinspiegel aufweisen, die männlichen Mäusekinder jedoch nicht. Darüber hinaus scheinen Jungen und Mädchen unterschiedlich auf den Proteingehalt in ihrer Ernährung zu reagieren. Die Wissenschaftler müssen noch feststellen ob und wie sich diese Unterschiede auf die Gesundheit im späteren Leben auswirken, aber die Erkenntnisse lassen es für möglich erscheinen, dass es eines Tages unterschiedliche Babynahrung für Jungen und Mädchen geben wird. "Dies ist ein neuer und spannender Forschungsbereich, der darauf schließen lässt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede bei Anfälligkeit für Krankheiten im späteren Leben vielleicht auf unterschiedliche Programmierungseffekte während der frühesten Lebensphasen zurückgehen", erklärte Professor Koletzko. Dem Projektkoordinator zufolge besitzt EARNEST das "Potenzial, die Gesundheit und das Wohlergehen künftiger Generationen enorm zu verbessern. Die Kosten für Gesundheits- sowie Sozialsysteme könnten spürbar gesenkt und die Produktivität sowie der Wohlstand der Gesellschaft erhöht werden." "Insgesamt haben wir erhebliche Fortschritte bei der Erforschung langfristiger Folgen der frühkindlichen Ernährung gemacht. Aber wie bei einem Bergsteiger haben wir manchmal das Gefühl, dass das Erreichen eines Gipfels lediglich die Aussicht auf einen weiteren freigibt", sagt er zum Abschluss. "Um zu verstehen, wie schädliche Auswirkungen gewisser Umweltfaktoren auf die zukünftige Gesundheit entstehen und wie Mütter ihre Kinder vor solchen Schäden schützen können, muss noch viel mehr getan werden."

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