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Möglicher Zusammenhang zwischen Depression und niedrigem Geburtsgewicht bei Säuglingen in Bangladesch entdeckt

Eine neue EU-finanzierte Studie zeigt, dass Frauen, die in der Schwangerschaft unter einer klinischen Depression oder Angstzuständen leiden, kleinere Babys zur Welt bringen, die einem erhöhten Sterberisiko im Säuglingsalter ausgesetzt seien. Dies geht aus einer Erhebung an Fra...

Eine neue EU-finanzierte Studie zeigt, dass Frauen, die in der Schwangerschaft unter einer klinischen Depression oder Angstzuständen leiden, kleinere Babys zur Welt bringen, die einem erhöhten Sterberisiko im Säuglingsalter ausgesetzt seien. Dies geht aus einer Erhebung an Frauen aus dem ländlichen Bangladesch hervor, für die das schwedische Karolinska-Institut mit dem Bangladesh Rural Advancement Committee (BRAC) zusammenarbeitete. Den Forschern zufolge sei dies die erste Studie, die zu diesen Ergebnissen bei einer nicht-westlichen Bevölkerung kommt. Die EU unterstützte die in der Zeitschrift "BMC Public Health" veröffentlichte Forschungsarbeit im Rahmen des Asia Link-Programms mit mehr als 60.000 EUR. Für die Studie befragten die Forscher 720 Frauen im dritten Schwangerschaftstrimester aus zwei ländlichen Distrikten Bangladeschs nach Symptomen von Schwangerschaftsdepressionen und -ängsten. Anschließend verfolgten sie den Werdegang der Mütter und später auch den der Kinder sechs bis acht Monate nach der Geburt. Wie sich herausstellte, seien psychische Störungen eine der Hauptursachen für Säuglingssterblichkeit und schlechte Gesundheit bei Kindern, noch vor Armut, Mangelernährung oder niedrigem gesellschaftlichen Status. In Bangladesch liege die geschätzte Punktprävalenz einer Schwangerschaftsdepression bei bis zu 33%, niedriges Geburtsgewicht (low birth weight, LBW) wird bei 36% aller Säuglinge vermutet. Damit betrifft LBW jedes Jahr mehr als eine Million Säuglinge in diesem Land. "18 Prozent der untersuchten Schwangeren (…) litten unter Depressionen, und ein Viertel zeigte Angststörungen während der Schwangerschaft. Diese Frauen hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, sehr kleine Kinder zur Welt zu bringen", berichtet Studienleiterin Hashima-E Nasreen vom BRAC, einer nationalen Nicht-Regierungsorganisation im Dienste der sozialen und ökonomischen Entwicklung in Entwicklungsländern. "Das ist besorgniserregend, weil ein geringes Geburtsgewicht mit einem stark erhöhten Sterberisiko im Säuglingsalter einhergeht, was wiederum den Teufelskreis aus psychischen Problemen und Unterentwicklung festigt", erklärt die Wissenschaftlerin. Dr. Nasreen und ihre Kollegen weisen darauf hin, dass niedriges Geburtsgewicht eines der größten Probleme in einkommensschwachen Ländern sei und weltweit mehr als 90% aller Kinder betreffe. Dadurch erhöhe sich auch die Mortalität und Sterblichkeitsrate. Sie vermerken zudem, dass LBW mit Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, emotionalen Störungen und psychischen Erkrankungen im späteren Leben einhergehen könnte. Jedoch stünde der gefundene Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdepressionen/-ängsten und LBW im Widerspruch zu Ergebnissen von Studien aus Brasilien, Indien und Pakistan, die LBW eher auf psychische Erkrankungen während der Schwangerschaft zurückführen. Studien aus China, Äthiopien, Schweden und den Vereinigten Staaten wiederum hätten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen LBW und depressiven Störungen der Mütter entdeckt. Die Forscher sind überzeugt, dass ein Vergleich der Studien erschwert werde durch die unterschiedlichen Definitionen und Diagnosen für Symptome einer Schwangerschaftsdepression sowie abweichende Untersuchungszeiträume. Die jüngste Studie war Teil einer prospektiven Längsschnitterhebung zu Schwangerschaftsdepressionen und -ängsten bei Frauen aus 2 Unterbezirken des Distrikts Mymensingh, 120 km nördlich von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, gelegen. Die ländlichen Gegenden in Bangladesch werden von der Agrarwirtschaft dominiert, und schätzungsweise die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Mehrheit der Frauen ist für Haushalt und Kinderbetreuung zuständig. Wie die Forscher vermerken, lenkt die Studie das Augenmerk auf die Bedeutung von Depressionen und Ängsten als Ursache für den schlechten Gesundheitszustand in den Ländern Südostasiens. Eine Möglichkeit, die international vereinbarten Millenniums-Entwicklungsziele der UNO zu erreichen und die Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern zu senken, seien verstärkte Investitionen in eine bessere Betreuung psychisch Kranker in diesen Regionen, so die Forscher.

Länder

Bangladesch, Schweden

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