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Krebserregende Wirkung von Cannabis bestätigt

Cannabis-Konsumenten sollten aufpassen: Marihuana-Rauch schwächt offenbar das körpereigene Immunsystem und erhöht das Krebsrisiko sowie die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen, so das Ergebnis einer neuen internationalen Studie, die jetzt im European Journal of Immunology ...

Cannabis-Konsumenten sollten aufpassen: Marihuana-Rauch schwächt offenbar das körpereigene Immunsystem und erhöht das Krebsrisiko sowie die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen, so das Ergebnis einer neuen internationalen Studie, die jetzt im European Journal of Immunology präsentiert wurde. Die Forscher beschäftigten sich näher mit einer Substanzgruppe aus der Cannabispflanze - den Cannabinoiden. Ihr Hauptwirkstoff ist Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), das in der Medizin auch zur Schmerzbehandlung eingesetzt wird. "Cannabis gehört zu den weltweit am häufigsten konsumierten Drogen. Es schwächt nachweislich die Immunabwehr des Körpers und macht ihn anfälliger für Infektionen und verschiedene Arten von Krebs", so Dr. Prakash Nagarkatti von der University of South Carolina, Vereinigte Staaten. "Wir sehen den Schlüsselfaktor für diese Immunsuppression in einer speziellen Art von Abwehrzelle, die Immunologen erst vor kurzem entdeckt haben - sogenannte myeloide Suppressorzellen (myeloid-derived suppressor cells, MDSC)." Während sich die meisten Immunzellen gegen Krebstumore und Infektionen richten, um den Körper zu schützen, machen MDSC genau das Gegenteil: Sie unterdrücken aktiv die Immunabwehr, wie die Forscher berichten. Mediziner entdeckten eine erhöhte Aktivität vor allem bei an Krebs erkrankten Menschen. MDSC unterdrücken zudem das Immunsystem bei einer Tumortherapie, sodass die Krebszellen leichteres Spiel haben. Das Team um Dr. Nagarkatti zeigte, dass Cannabinoide die Bildung von MDSC stimulieren und Cannabinoid-Rezeptoren aktivieren. Also halten Marihuana-Cannabinoide, so schlussfolgerten die Forscher, durch Aktivierung der MDSC das Immunsystem in Schach. "Die Studie wirft nun die interessante Frage auf, ob die durch Marihuanakonsum erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Tumorerkrankungen und Infektionen in Zusammenhang mit der vermehrten Produktion von MDSC steht", erklärt Dr. Nagarkatti. "Offenbar handelt es sich bei MDSC um spezielle, wichtige Abwehrzellen. Sie werden durch bestimmte Wachstumsfaktoren getriggert, deren Überproduktion durch Krebszellen oder chemische Substanzen wie Cannabinoide stimuliert wird, sodass die Immunabwehr unterdrückt wird." In einer anderen Studie hatte Dr. Christian Vosshenrich vom Institut Pasteur in Frankreich herausgefunden, dass ein weiteres Molekül, das sogenannte Interleukin-1 beta, ebenfalls die Bildung von MDSC stimuliert. Wie sich herausstellte, unterdrückt auch die tumorinduzierte Aktivierung von MDSC die Fähigkeit der Immunzellen, Krebszellen zu eliminieren. "Die Wirkung von Marihuana-Cannabinoiden könnte aber auch von Vorteil sein", erläutert Dr. Nagarkatti. "Denn obwohl die Zellen die Immunabwehr unterdrücken und damit die Anfälligkeit für Krebs und Infektionen erhöhen, haben sie auch therapeutisches Potenzial, wie künftige Forschungen an diesen Substanzen zeigen werden. Bei einer Vielzahl von Erkrankungen könnten sich die Heilungschancen nämlich verbessern, wenn das Immunsystem einen Gang zurückschaltet."

Länder

Frankreich, Vereinigte Staaten

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