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Auch die Vögel sind auf Twitter

Ein innovationsfreudiger Biologe an der schottischen University of St Andrews hat sich Twitter, den Microblogging-Dienst für kurze Textnachrichten, die sogenannten Tweets, zu Nutze gemacht, um überwachen zu können, was eigentlich passiert, wenn Vögel einander in freier Wildbah...

Ein innovationsfreudiger Biologe an der schottischen University of St Andrews hat sich Twitter, den Microblogging-Dienst für kurze Textnachrichten, die sogenannten Tweets, zu Nutze gemacht, um überwachen zu können, was eigentlich passiert, wenn Vögel einander in freier Wildbahn begegnen. Ein nicht weniger erfinderisches Team der University of Washington (UW) entwickelte eine für Krähen tragbare elektronische Marke, die dann dazu eingesetzt wurde, festzustellen, ob sie möglicherweise voneinander etwas über die Verwendung von Werkzeugen abgucken. Die Erkenntnisse wurden im Fachjournal Current Biology veröffentlicht und beweisen ein unerwartet hohes Maß an sozialer Mobilität in der Krähengemeinschaft, die sich darin ausdrückt, dass die Krähen oft Zeit mit Vögeln in der Umgebung verbringen, zu denen keine unmittelbare familiäre Beziehung besteht. Die Forscher untersuchten Krähen in Neukaledonien, einer Inselgruppe im Südpazifik, die sich vor der Ostküste von Australien befindet. Diese Krähen sind für die Verwendung verschiedener Werkzeuge berühmt, mit denen sie Beutetiere aus Totholz und Pflanzen herausziehen. Die Biologen fragten sich jedoch, wie viel wohl - wenn überhaupt - die Vögel durch gegenseitiges Beobachten voneinander lernen könnten. Die von den Forschern aus St Andrews vorgelegten Resultate legen nahe, dass es "eine überraschend große Anzahl von Kontakten" zwischen nicht miteinander verwandten Krähen gibt. Im Laufe einer Woche verzeichnete die Technik mehr als 28.000 Interaktionen zwischen 34 Krähen. Während eine Kernfamilie der Neukaledonienkrähen nur drei Mitglieder zählt, ergab die Studie, dass sämtliche Vögel in ein weitreichendes soziales Netzwerk eingebunden waren. Der Einsatz der UW-Tags zur Aufzeichnung sozialer Interaktionen zwischen Tieren ist ein Novum. Die wissenschaftliche Abhandlung ist die erste veröffentlichte Studie zur Anwendung dieser Technik. "Das ist ein neuer Typ der Technik zur Nachverfolgung von Tieren", sagt Koautor Brian Otis, außerordentlicher Professor für Elektrotechnik an der UW, dessen Labor die Tags entwickelte. "Die Ökologie ist nur eines von vielen Gebieten, die durch miniaturisierte, drahtlose Sensoren mit geringem Energieverbrauch einen Wandel durchlaufen werden." Normalerweise rüsten die Biologen Tiere mit Funksendern aus, die auf einer bestimmten Frequenz senden. Die Feldforscher verwenden dann einen Empfänger für diese Frequenz und können erkennen, wenn das Tier in der Nähe ist. Der Nachteil besteht darin, dass jedes Zusammentreffen zwischen kleinen Tiere nur dann aufgezeichnet wird, wenn sich der Forscher gerade in der Umgebung befindet. Das UW-System mit der Bezeichnung Encounternet setzt programmierbare digitale Marken - Tags - ein, die Impulse senden und empfangen können. "Die Encounternet-Tags können einander gegenseitig überwachen und so kann man mit ihnen die Interaktionen zwischen den Tieren untersuchen", erläutert Koautor John Burt, Affiliate-Professor für Elektrotechnik an der UW. "Mit anderer Technik zur Nachverfolgung per Funk ist dies nicht einmal annäherungsweise möglich." Mittlerweile setzt nicht nur das UW-Team auf diese Tags. Forscher der University of Windsor in Kanada untersuchen mit ihrer Hilfe das Paarungsverhalten von Langschwanzpipras in Costa Rica. Ein Forscher der Drexel University studiert mittels der Marken die Interaktion zwischen Vögeln und Wanderameisen in Costa Rica. Deutsche Forscher verwenden die Tags bei Seelöwen auf den Galapagosinseln zur Untersuchung von deren Verhalten beim Herumziehen an den Stränden. Und Wissenschaftler in den Niederlanden widmen sich schließlich dem Studium des sozialen Verhaltens von Kohlmeisen. Diese kleinen Vögel kommen in Waldgebieten vor. "Im Moment ist das Ganze ein großes Thema: diese Idee, dass Tiere soziale Netzwerke haben", betont Burt. "Es gibt auch noch andere Tags, die Annäherungen protokollieren können, aber sie sind alle sehr groß und für größere Tiere bestimmt. Nichts ist so klein wie Encounternet oder kommt dem auch nur nahe." Die kleinste UW-Marke wiegt weniger als ein Gramm und kann somit bei Tieren mit einem Spatzengewicht von 20 Gramm zum Einsatz kommen. Man arbeitet nun daran, ein GPS-Bauteil, das die Begegnungsorte aufzeichnen wird, sowie einen Beschleunigungsmesser und andere Sensoren hinzuzufügen, die das Verhalten eines Tiers noch deutlicher erfassen können. "Die Leute sind ziemlich begeistert über diese Sache, da hier zum ersten Mal Interaktionen zwischen kleineren Tieren und deren soziale Netze auf einer unglaublich feinen Ebene untersucht werden können", erläutert Burt. "Soziale Netzwerke erweisen sich zunehmend als der Schlüssel zum Verständnis vieler Verhaltensweisen bei Tieren. Nach Ansicht der Forscher können diese Informationen einzig und allein mit Hilfe von Encounternet gesammelt werden."Weitere Informationen sind abrufbar auf: Encounternet: http://encounternet.net/ Current Biology: http://www.cell.com/current-biology/

Länder

Neukaledonien, Vereinigte Staaten