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Neue Methoden für eine weniger aggressive Behandlung von Gehirntumoren

Gehirnmetastasen oder sekundäre Gehirntumoren sind Folgen von Krebs, der in einem anderen Körperteil, meist in der Lunge, Brust oder in der Haut begonnen und sich anschließend auf das Gehirn ausgebreitet hat. Leider sind Gehirnmetastasen immer bösartig. Sie machen derzeit etwa...

Gehirnmetastasen oder sekundäre Gehirntumoren sind Folgen von Krebs, der in einem anderen Körperteil, meist in der Lunge, Brust oder in der Haut begonnen und sich anschließend auf das Gehirn ausgebreitet hat. Leider sind Gehirnmetastasen immer bösartig. Sie machen derzeit etwa ein bis zwei Prozent aller neu diagnostizierten Tumoren aus und etwa zwei Prozent aller durch Krebs ausgelösten Todesfälle. Durch entzündliche Reaktionen wird das körpereigene Immunsystem oft so sehr geschwächt, dass es diese Metastasen nicht bekämpfen kann. Neue Forschungen an der MedUni Wien haben nun zum ersten Mal die Immunreaktion des Gehirns auf eindringende Metastasen sehr eingehend beschrieben. Dieser Durchbruch könnte den Weg zur Entwicklung neuer, weniger aggressiver Behandlungsoptionen ebnen. Die Immunantwort erfolgt durch die Fresszellen - das sind weiße Blutkörperchen, die unseren Körper vor eindringenden Feinden schützen. Doch auch diese können überrumpelt werden. "Die aktivierten Fresszellen werden vom Tumor geradezu überrannt und auch die weißen Blutkörperchen sind im Kampf gegen die Metastasen zu schwach und müssten erst angekurbelt werden", erklärt der Onkologe Matthias Preusser von der Universitätsklinik für Innere Medizin I und vom Comprehensive Cancer Center (CCC), einer gemeinsamen Einrichtung von MedUni Wien und AKH Wien. Untersucht wurde das Autopsiegewebe von Gehirnen mit Metastasen, die ursprünglich von Brustkrebs-, Lungenkrebs- oder Hautkrebserkrankungen stammten. Das sind auch die häufigsten Ursprungsherde. Die WissenschafterInnen im Klinischen Institut für Neurologie, am Zentrum für Hirnforschung, CCC und an der Universitätsklinik für Innere Medizin I stellten fest, dass die Metastasen im Gehirn zwar auf einen Wall von Fresszellen treffen, dieser aber zu schwach ist, um die Tumorbildung erfolgreich zu bekämpfen. Um das zu erreichen, müssen die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) als zweite Instanz der Immunabwehr stärker aktiviert werden. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Therapie-Strategien zu entwickeln, die dahin abzielen, die weißen Blutkörperchen oder andere Teile des Immunsystems stärker zu aktivieren. Dies könnte etwa medikamentös oder mit Antikörpertherapien oder Impfungen erfolgen. 300 bis 400 PatientInnen mit Hirnmetastasen werden an der MedUni Wien jährlich behandelt. Die Standard-Behandlung ist in den meisten Fällen eine Bestrahlung des Kopfes bzw. Gesamtbestrahlung des Gehirns - mit gewissen Risiken und möglichen Nebenwirkungen. Nur in geringem Maße sind auch medikamentöse Behandlungsmethoden bei bestimmten Krebs-Arten verfügbar. Preusser betont das Potential dieser Erkenntnisse: "Unsere Erkenntnisse könnten ein wichtiger Schritt in Richtung der Entwicklung solcher schonenderer Behandlungsmöglichkeiten sein." Autorin Anna Sophie Berghoff vom CCC stellte die Studienergebnisse in einem Vortrag auf dem Kongress der Europäischen Vereinigung der Neuro-Onkologen (EANO) in Marseille vor.Weitere Informationen sind abrufbar unter: MedUni Wien: http://www.meduniwien.ac.at/homepage/homepage/de/ European Society for Medical Oncology: http://www.esmo.org

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