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Innovative Medikamente gegen Antibiotikaresistenzen

Wissenschaft und Privatwirtschaft wollen im Kampf gegen bestimmte Bakterienarten gemeinsam an der Entwicklung neuer Medikamente arbeiten.

Antibiotikaresistenz ist zu einer weltweiten Bedrohung geworden. Immer öfter behindert sie bereits die effektive Prävention und Behandlung verschiedener Infektionen durch Bakterien, Parasiten, Viren und Pilze. Laut einem Bericht der Interinstitutionellen Koordinierungsgruppe der Vereinten Nationen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen sind medikamentenresistente Erkrankungen weltweit für 700 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Wenn nichts dagegen unternommen wird, ist davon auszugehen, dass diese Zahl bis 2050 auf 10 Millionen Todesfälle pro Jahr steigt. Das Europäische Netz zur Überwachung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe hebt in einem Bericht hervor, wie stark die Antibiotikaresistenz „bei mehreren Bakterienarten und Gruppen antimikrobieller Verbindungen“ in Europa ausgeprägt ist. Besonders besorgniserregend sind dabei multiresistente gramnegative Bakterien, die zu den häufigsten Verursachern von schweren, belastenden und lebensbedrohlichen Infektionen gehören. Im EU-finanzierten Projekt GNA NOW („NOVEL GRAM-NEGATIVE ANTIBIOTIC NOW“) soll durch die Entwicklung neuartiger Antibiotika für die Behandlung von gramnegativen Infektionen eine Lösung für dieses Problem gefunden werden. Das an GNA NOW beteiligte Konsortium wird parallel drei Programme durchführen „mit dem Ziel, eines bis zum Abschluss von Phase-I-Studien zu bringen, eines bis zur Stufe einer Investigational New Drug (IND) zu entwickeln und/oder bis zu zwei Programme bis 2024 zur Stufe eines klinischen Entwicklungskandidaten voranzutreiben“, wie es in einer Pressemitteilung des Projektpartners Evotec SE heißt. Wachsende Bedrohung In derselben Mitteilung wird Dr. Cord Dohrmann, Wissenschaftlicher Leiter von Evotec, wie folgt zitiert: „Bakterielle Infektionen stellen auf der ganzen Welt eine Bedrohung dar und treiben den Bedarf nach innovativen Therapeutika mit neuen Wirkmechanismen voran. GNA NOW eröffnet die Möglichkeit, uns mit führenden Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors europaweit zusammenzuschließen, um so schnell und effizient wie möglich neue gramnegative antibakterielle Wirkstoffe zu entwickeln.“ Dr. Kristina Orrling, Programm-Managerin bei Projektkoordinator Lygature sagte dazu: „Durch diesen Zusammenschluss können wir die düstere Aussicht abwenden, dass eine einfache Harnwegsinfektion tödlich sein kann. Gemeinsam werden wir das Arsenal zur Bekämpfung bakterieller Infektionen stärken.“ Gramnegative und grampositive Bakterien werden anhand ihres Farbumschlags bei einem chemischen Test, der Gramfärbung, kategorisiert. Dieser Test wurde im 19. Jahrhundert von Hans Christian Gram entwickelt, um verschiedene Bakterienarten mit Hilfe chemischer Färbung klassifizieren und die Ergebnisse auf der schützenden Zellwand der Bakterien durch ein Mikroskop sichtbar machen zu können. Grampositive Bakterien färben sich violett, während gramnegative rosa oder rot erscheinen. Beispiele für gramnegative Bakterien, die bereits Medikamentenresistenzen gezeigt haben, sind Escherichia coli, das die meisten Harnwegsinfektionen verursacht, und Pseudomonas aeruginosa, das bei Krankenhauspatienten Infektionen im Blut oder Lungenentzündungen hervorrufen kann. Das im Juli 2019 gestartete auf sechs Jahre angelegte Projekt GNA NOW gehört zum Programm IMI AMR Accelerator. IMI ist die englische Abkürzung für die Initiative Innovative Arzneimittel, einer Partnerschaft der EU mit der pharmazeutischen Industrie in Europa. GNA NOW hat Fördermittel vom Gemeinschaftsunternehmen IMI 2 erhalten. Die Projektpartner werden sich verschiedene Kandidatenmedikamente mit innovativen Wirkmechanismen anschauen und mit entsprechenden Tests deren Sicherheit und Wirksamkeit nachweisen. Weitere Informationen: GNA NOW Projektbeschreibung

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