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Wissenschaft im Trend: Könnte eine Art Winterschlaf Astronauten die Reise zu anderen Planeten erleichtern?

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass der Winterschlaf eine wahrscheinliche Option ist, um die Erforschung des fernen Weltraums Wirklichkeit werden zu lassen.

Weltraum

Raumfahrer, die in Winterschlafkammern ruhen, bevor sie ihre Mission fortsetzen, sei es ein Ausflug zum Jupiter oder die Jagd nach einer außerirdischen Kreatur. Das Konzept wurde erstmals im 20. Jahrhundert vorgestellt, bevor es sich seinen Weg auf die Leinwand bahnte. Wirken diese Bilder nicht geradezu unheimlich prophetisch? Für den Erfolg zukünftiger Missionen sind radikale Veränderungen in der Lebens- und Arbeitsweise von Astronauten im Weltraum erforderlich. Laut einer Studie der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) könnte die Lösung darin liegen, Astronauten in einen Zustand suspendierter Animation zu versetzen. Ein Forscherteam untersuchte, wie sich der Winterschlaf auf die Planung einer bemannten Mission zum Mars auswirken würde. Die Ergebnisse zeigen, dass es sehr vorteilhaft wäre, kleinere Raumfahrzeuge zu bauen. Das Team erarbeitete also einen Entwurf, der die Entfernung des von der Besatzung nicht mehr benötigten Wohnraums und die Dezimierung der Vorräte vorsieht, sodass die Masse des Raumfahrzeugs um ein Drittel verringert wird. „Wir haben daran gearbeitet, die Architektur des Raumfahrzeugs und seine Logistik sowie den Strahlenschutz, den Stromverbrauch und den gesamten Aufbau der Mission anzupassen“, sagte Robin Biesbroek von der Concurrent Design Facility (CDF) der ESA, einem hochmodernen Zentrum, das Fachteams die Möglichkeit bietet, erste Bewertungen geplanter zukünftiger Missionen durchzuführen. Ziel der Concurrent Design Facility ist es, die Vorteile des menschlichen Winterschlafs für eine Reise zu einem Planeten wie dem Mars zu evaluieren.

Schnarchfest im Weltraum

„Wir haben untersucht, wie ein Astronautenteam am besten in den Winterschlaf versetzt werden kann, was im Notfall zu tun ist, wie mit der menschlichen Sicherheit umgegangen wird und welche Auswirkungen dieser Ruhezustand auf die Psychologie des Teams haben würde“, bemerkte Biesbroek. „Schließlich erstellten wir eine erste Skizze der Lebensraumarchitektur und einen Fahrplan, um innerhalb von 20 Jahren einen validierten Ansatz zu erhalten, mit dem Menschen im Winterschlaf zum Mars geschickt werden können.“ Die Idee, den Stoffwechsel des Menschen auf die gleiche Weise wie bei Winterschlaf haltenden Tieren zu verlangsamen, ist heute noch bei Weitem nicht umsetzbar. Sie ist jedoch auch nicht auszuschließen, da ähnliche Methoden bereits zur Rettung von Traumaopfern eingesetzt werden. „Schon seit einiger Zeit wird der Winterschlaf als wegweisendes Instrument für die menschliche Raumfahrt vorgeschlagen“, erklärte die Leiterin des Forschungsteams Dr. Jennifer Ngo-Anh. „Wenn wir in der Lage wären, den Grundumsatz eines Astronauten um 75 % zu senken – ähnlich wie wir es in der Natur bei großen Winterschlaf haltenden Tieren wie bestimmten Bären beobachten können – könnten wir erhebliche Masse- und Kosteneinsparungen erzielen und Erkundungsmissionen über lange Zeiträume erleichtern.“ Dr. Ngo-Anh fügte hinzu: „Die Grundidee, Astronauten in einen lang anhaltenden Winterschlaf zu versetzen, ist eigentlich gar nicht so verrückt: denn eine weitgehend vergleichbare Methode wird bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Intensivpflege bei Patientinnen und Patienten nach Traumata oder schweren Operationen getestet und angewendet. Die meisten großen medizinischen Zentren verfügen über Protokolle zur Induktion von Hypothermie bei Patienten, um ihren Stoffwechsel zu verlangsamen und so im Grunde genommen Zeit zu gewinnen und die Patienten in einer besseren Verfassung zu halten, als sie es sonst wären.“ „Darauf wollen wir in Zukunft aufbauen, indem wir die Gehirnpfade erforschen, die bei der Einleitung des Winterschlafs aktiviert oder blockiert werden, angefangen bei Tieren bis hin zu Menschen“, so Dr. Ngo-Anh abschließend. Ist ein realer Winterschlaf für bemannte Missionen die bestmögliche Lösung zur Erkundung des Kosmos? Tatsächlich könnte es sich hierbei nicht mehr nur um den Stoff aus Science-Fiction-Filmen drehen.

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