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Wissenschaft im Trend: Reden wie ein Ägypter – Wie klingt eigentlich eine Mumie?

Ein Forschungsteam rekonstruierte die Stimme einer 3 000 Jahre alten Mumie.

Grundlagenforschung

Noch können die Toten nicht sprechen, aber zumindest können sie Laute erzeugen. Eine Studie, die in der britischen Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, verrät, wie die Stimme eines hochrangigen mumifizierten ägyptischen Priesters namens Nesyamun vermutlich geklungen hat. Durch eine Nachbildung seines Stimmapparats mit dem 3D-Drucker konnte ein Forschungsteam der Universität London, der Universität York und des City Museum in Leeds einen einzigen Laut reproduzieren, der etwa wie die Vokale „äh“ und „eh“ in den Wörtern „Mähne“ und „Fell“ klingt. Zusammen mit dem Artikel wurde eine kurze Aufnahme dieser Laute veröffentlicht.

Die Mumie zum Sprechen bringen

Nach 3 000 Jahren befand sich Nesyamuns Stimmapparat in ausgezeichnetem Zustand, doch seine Zungenmuskulatur fehlte. Die Zunge hat beim Sprechen eine entscheidende Funktion, da sie die Laute, die wir erzeugen, verändert. „Ganz sicher kann er momentan nicht sprechen“, sagte Hauptautor David Howard, Sprechwissenschaftler an der Universität London, gegenüber der „New York Times“. „Doch ich glaube, dass man durchaus davon ausgehen kann, dass es eines Tages möglich sein wird, Wörter zu erzeugen, die dem Klang seiner eigenen Laute möglichst nahekommen.“ Dr. Howard hofft, mithilfe einer Computersoftware Merkmale wie die Größe und Bewegungsmuster der Zunge sowie die Position des Kiefers abschätzen zu können. „Daraus kann man natürliche Rückschlüsse ziehen“, sagte Mitautorin Katherine Baxter, Kuratorin der Archäologie im Leeds City Museum, wo Nesyamun ausgestellt wird. „Können wir Nesyamun dazu bringen, tatsächlich seine eigenen Worte auszusprechen, wie sie auf seinem Sarkophag geschrieben stehen?“ Mithilfe eines CT-Scanners schuf das Forschungsteam eine 3D-gedruckte Nachbildung des Mundes und der Kehle der Mumie. In Kombination mit einem elektronischen Kehlkopf konnte es „den Laut rekonstruieren, der aus seinem Stimmapparat käme, wenn er in seinem Sarkophag läge und sein Kehlkopf wieder zum Leben erweckt würde“, erklärte Dr. Howard. „Die Mumifizierung spielte hier die entscheidende Rolle“, so Mitautorin Joann Fletcher, Professorin für Archäologie an der Universität York. „Durch die hervorragende Qualität der Erhaltung, die die alten Einbalsamierer erzielten, ist Nesyamuns Stimmapparat nach wie vor in ausgezeichnetem Zustand.“

Eine alte Stimme lebt weiter

Nach seinen religiösen Grundsätzen wünschte sich Nesyamun, dass seine Stimme in Ewigkeit gehört würde. „Es steht tatsächlich auf seinem Sarkophag – genau das wollte er“, sagte Mitautor John Schofield, Archäologieprofessor an der Universität York, gegenüber der „BBC“. „Gewissermaßen haben wir es geschafft, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen.“ Dieses Vorhaben gilt als der erste Versuch, die Stimme eines toten Menschen mit künstlichen Mitteln zu rekonstruieren. Das Forschungsteam hat sich vorgenommen, mithilfe von Computermodellen vollständige Sätze mit Nesyamuns Stimme zu rekonstruieren. Falls Sie mal nach Leeds kommen sollten, vergessen Sie nicht, Nesyamuns letzter Ruhestätte einen Besuch abzustatten. Seit seiner Ankunft dort im Jahre 1823 hat er Generationen von Besucherinnen und Besuchern fasziniert. Bis dahin, hören Sie sich doch einfach seine rekonstruierte Stimme an. Das hätte er nämlich so gewollt.

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