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Wissenschaft im Trend: Was ist räumliche Distanzierung und wie kann sie die Verbreitung des Coronavirus bremsen?

Wissenschaft und Fachleute aus dem Bereich der öffentlichen Gesundheit sind sich einig, dass eine schnellere weltweite Ausbreitung des Coronavirus nur durch räumliche Distanzierung verhindert werden kann.

Grundlagenforschung
Gesundheit

Da Europa jetzt das Epizentrum der Coronavirus-Pandemie geworden ist, beschränken laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer mehr Länder die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger, damit es nicht zu einer Explosion der Fallzahlen kommt, die die Gesundheitssysteme überlasten würden. Bürgerinnen und Bürger werden dazu aufgerufen, im Sozialleben räumlichen Abstand zu halten, sich also von Menschenmengen und dem persönlichen Bereich anderer fernzuhalten. Räumliche Distanzierung wird zur neuen Norm und gilt als eine der grundlegenden Schutzmaßnahmen der WHO. Die WHO empfiehlt, zu Personen, die husten oder niesen, mindestens 1 m Abstand zu halten.

Vorbereitende Planung und Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit gehen vor

„Die Erfahrungen aus China, der Republik Korea, Singapur und anderen Ländern haben deutlich gezeigt, dass proaktive Tests und Rückverfolgung von Kontakten in Verbindung mit Maßnahmen zur sozialen Trennung und Mobilisierung der Gemeinschaft Infektionen vorbeugen und Leben retten können“, so der Generaldirektor der WHO Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einem Pressegespräch. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten – eine Agentur der EU, die Europas Abwehr gegen ansteckende Krankheiten stärken soll – hat ein englischsprachiges Handbuch veröffentlicht, in dem verschiedene Aspekte der Umsetzung von Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung beschrieben werden.

Fast kein persönlicher Kontakt mehr – zum Schutz der Gesellschaft

In einer kürzlich über SSRN veröffentlichten Forschungsarbeit rücken zwei australische Forscher und eine Forscherin die Verfahren in den Mittelpunkt, die in allen Ländern so schnell wie möglich umgesetzt werden sollten. Diese Richtlinien berufen sich auf den gesunden Menschenverstand und bieten praktische Schritte an, damit Arbeitsplatz, Schule und Wohnung sichere Orte bleiben. „Die meisten Länder beginnen erst mit räumlicher Distanzierung und Hygienemaßnahmen, wenn eine umfassende Verbreitung bereits offensichtlich ist“, schreiben sie. „Dadurch hat das Virus wochenlang Zeit, sich mit einer höheren Basisreproduktionszahl (R0) auszubreiten als wenn die Maßnahmen bereits gegriffen hätten, bevor die Übertragung erkannt oder weit verbreitet war. Vor dem Hintergrund der drohenden Massenübertragung des neuartigen Coronavirus [, das die Krankheit] COVID-19 [verursacht,] sollten kostengünstige Vorabmaßnahmen zur Hygieneförderung und räumlichen Distanzierung in Betracht gezogen werden.“ Die Autoren betonen die Wichtigkeit eines frühzeitigen Eingreifens: „Frühinterventionen zur Reduktion der durchschnittlichen Häufigkeit und Intensität des Kontakts mit dem Virus könnten das Infektionsrisiko und die durchschnittliche virale Infektionsdosis der Betroffenen senken sowie die Schwere der Fälle verringern, die dann auch weniger ansteckend wären. Eine Vorlaufphase wäre zudem für Regierung, Arbeitsstätten, Schulen und Unternehmen von Vorteil, um sich auf die strengere Phase vorzubereiten. Länder und Regionen, in denen noch keine Übertragung von COVID-19 festgestellt wurde, sollten davon ausgehen, dass es bereits auftritt, und die Umsetzung von kostengünstigen Maßnahmen zur Hygieneförderung und räumlichen Distanzierung in Betracht ziehen.“ „Wir haben Belege dafür gesehen, dass räumliche Distanzierung in China funktioniert. Dort wurden öffentliche Versammlungen abgesagt, freiwillige Quarantäne empfohlen und stark frequentierte Bereiche abgesperrt“, wird Dr. Lipi Roy, klinische Assistenzprofessorin am Langone Health’s Department of Population Health der Universität New York, in einem Artikel auf „Insider“ zitiert. „Seitdem es diese Maßnahmen gibt, sind die Fallzahlen nicht mehr so stark gestiegen.“ Räumliche Distanzierung ist aktuell der wichtigste Faktor der Pandemie, den wir kontrollieren können. Sie verschafft uns Zeit, bis ein Impfstoff gefunden wird. Da wir alle von Natur aus soziale Wesen sind, ist es nicht einfach, praktisch jeglichen sozialen Kontakt abzubrechen. Doch so können wir unseren Beitrag dazu leisten, die Gesellschaft zu schützen. Denken Sie daran, wir sitzen alle in einem Boot, auch wenn wir räumlich getrennt sind.

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coronavirus

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