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Chance zur Innovation für Grünlandbetriebe

Grünland ist für die Nahrungsversorgung in Europa unverzichtbar, doch es gibt zahlreiche Gründe, warum die Menschen, die in Europa Grünlandwirtschaft betreiben, es schwer finden, innovativ zu sein. Ein Team von EU-Forschenden hat einen Weg gefunden, mit landwirtschaftlichen Betrieben zusammenzuarbeiten, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, welche die Lücke zwischen den Theorie und Praxis in den jeweiligen Fachgebieten schließen.

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2014 machte Grünland 16 % der gesamten Landfläche der EU und 40 % des europäischen Agrarbereichs aus. Um die Produktivität voranzutreiben, benötigen landwirtschaftliche Betriebe Zugang zu innovativen Lösungen für die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind. Doch es ist alles andere als leicht, Grünlandbetrieben Lösungen anzubieten. Das Projekt Inno4Grass arbeitet mit den Betrieben zusammen, um die Innovationslücke zu schließen. Es zielt darauf ab, durch einen besseren Austausch von Wissen zwischen Praxis und Wissenschaft Innovationen für produktiveres Grünland zu erkunden und zu bewerten. Die Grünlandwirtschaft ist deutlich stärker als Ackerland von den örtlichen Bedingungen abhängig. So kann es laut Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums in Niedersachsen und Inno4Grass-Projektkoordinator, sein, dass eine Lösung, die für einen landwirtschaftlichen Betrieb funktioniert, für einen anderen, der nur 100 Kilometer entfernt liegt, nicht mehr sinnvoll ist. „Forschende suchen üblicherweise nach allgemeinen Lösungen, doch ein Grünlandbetrieb braucht in seinem sozioökonomischen Kontext eine sehr spezielle Lösung“, meint er.

Erwartungen der Gesellschaft

Während Gründlandbetriebe wünschen, dass auf ihrem Land die besten pflanzlichen Futtermittel für ihren Viehbestand wachsen, hat der Rest der Gesellschaft möglicherweise ganz andere Ideen. Die Menschen schätzen die traditionellen grünen Grasflächen eher für ihre Freizeit. Grünland, das manchmal auch als der „Regenwald Europas“ bezeichnet wird, ist auch für die biologische Vielfalt wichtig. Wenn es nicht gepflügt wird, kann es bedeutende Mengen an Kohlenstoff binden. „Wie gehen die Landwirtinnen und Landwirte mit all diesen konkurrierenden Anforderungen um, die diesen Bereich so viel komplizierter machen als andere Bereiche der Landwirtschaft?“ fragt Krause. „Das ist, als würde man Sportler bitten, 10 Dinge gleichzeitig zu tun.“

Gemeinsames Schaffen ist der Schlüssel

Inno4Grass hat eine Methode entwickelt, bei der Forschende und landwirtschaftliche Betriebe zusammenarbeiten, um gemeinsam an Ort und Stelle Lösungen zu entwickeln und so eine hohe Akzeptanz dieser Ideen sicherzustellen. „Wenn wir neue Praktiken zeigen, bringen wir eine Gruppe von Landwirtinnen und Landwirten mit Forschenden, möglichst auch einem Milchviehbetrieb und, das ist ganz wichtig, Landwirtschaftsberatern zusammen. Wir besprechen die Innovation auf Augenhöhe mit den Verantwortlichen und entscheiden dann, ob die Innovation umgesetzt werden soll oder nicht“, so Krause. „Wenn Sie dem Landwirt einfach von der Innovation erzählen, wird er sagen: „Danke, ich melde mich.“, aber auf diese Art und Weise bringen Sie die Innovation dem landwirtschaftlichen Betrieb näher. Es funktioniert gut, Menschen zusammenzubringen – die Landwirtschaft fühlt sich verstanden, und die Forschenden sehen die echten Probleme und lernen von den Verantwortlichen, damit sie den Kontext auch verstehen“, sagt Krause. Diese Arbeit, zu der auch 144 wissenschaftliche Sitzungen und Treffen auf Höfen gehörten, hat dabei geholfen, 170 einseitige Hofportraits zu erstellen, in denen Lösungen so vorgestellt werden, dass sie auch für Landwirtinnen und Landwirte mit wenig Zeit interessant sind. Die landwirtschaftlichen Betriebe können dann das Inno4Grass-Netzwerk nutzen, um mit Ideengeberinnen und Ideengebern, die ebenfalls aus der Landwirtschaft kommen, in Kontakt zu treten und mehr zu erfahren. Die Informationen wurden dazu genutzt, ein neues Schulungsprogramm zu entwickeln, um landwirtschaftlichen Betrieben die bestmöglichen Verfahren zur Grünlandbewirtschaftung zu vermitteln. In Irland, den Niederlanden und Schweden wird es bereits eingesetzt, und es gibt Pläne, es für die Verwendung an deutschen Landwirtschaftsschulen übersetzen zu lassen. Im Juni 2019 kamen die innovativsten Landwirtinnen und Landwirte aus den acht teilnehmenden Ländern in Hannover zu einer dreitägigen Veranstaltung zusammen, welche eine Preisverleihung, Debatten und den Besuch eines Hofes umfasste. „Das hat eine tolle Atmosphäre geschaffen – wenn man die Geschichte seiner brillanten Idee auf einer Bühne erzählen kann, stärkt es das Selbstwertgefühl ungemein“, so Krause.

Schlüsselbegriffe

Inno4Grass, Grünland, Grünlandbetriebe, Grünlandbewirtschaftung, Innovation, gemeinsames Schaffen

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