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LANDSENSE – Projekt zur Flächennutzung und Bodenbedeckung an der Schnittstelle zwischen Erdbeobachtung und Bürgerwissenschaft

Durch die Entwicklung von Anwendungen, die wissenschaftlich interessierten Menschen Zugriff auf Satellitenbilder geben, läutet das Projekt LANDSENSE einen Wandel für die Entscheidungsfindung bei Umweltfragen ein.

Klimawandel und Umwelt

Erdbeobachtungsdaten stammen sowohl aus dem Weltraum als auch von Orten auf der Erde. Die Daten aus dem Weltraum werden über Satelliten erfasst, wie etwa beim Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm der EU. Hingegen wird die Datenerfassung auf der Erde nicht nur von ausgebildeten Fachleuten geleistet, sondern auch von der Bürgerwissenschaft, die kollektiv zu Bürgerobservatorien beiträgt. „Bürgerobservatorien sind Gemeinschaftsinitiativen, bei denen eine Reihe von mobilen und webbasierten Anwendungen eingesetzt werden, um Daten zur lokalen Umgebung zu sammeln“, erklärt Inian Moorthy, Forscher am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Österreich. „Die Bürgerwissenschaft hat nicht nur eine wichtige Funktion bei der Überwachung von Flächennutzung und Bodenbedeckung; ihre Daten fließen darüber hinaus direkt in die Entscheidungsfindung im Umweltbereich ein.“ Das Institut ist der Hauptpartner des EU-finanzierten Projekts LANDSENSE (A Citizen Observatory and Innovation Marketplace for Land Use and Land Cover Monitoring). Dieses Projekt widmet sich der Ermittlung kostengünstiger Methoden zur Gewinnung qualitativ hochwertiger Daten vor Ort sowie der Entwicklung von Produkten zur Umweltüberwachung. „LANDSENSE ist ein an der Schnittstelle zwischen Erdbeobachtung und Bürgerwissenschaft angesiedeltes Projekt, das marktfähige Lösungen bereitstellt, die für die Erdbeobachtungsaktivitäten in Europa – und darüber hinaus – einen erheblichen Fortschritt bringen“, fügt Moorthy hinzu.

Überwachung kritischer Lebensräume von Vögeln

Im Rahmen von LANDSENSE wurden Pilotprojekte zu Demonstrationszwecken in Wien, Toulouse, Amsterdam, Indonesien, Serbien und Spanien organisiert. Beispielsweise wurde gemeinsam mit der Vogelschutzorganisation BirdLife International, die App Natura Alert entwickelt, mit der sich Bedrohungen für wichtige Lebensräume von Vögeln erfassen lassen. Mithilfe der App kann die Bürgerwissenschaft über den Zustand einiger der weltweit gefährdetsten wichtigen Gebiete für den Artenschutz von Vögeln, für die biologische Vielfalt und Schutzgebiete des Netzwerks Natura 2000 berichten. Die App wurde vor Kurzem zur Beobachtung kritischer Lebensräume auf der indonesischen Insel Flores eingesetzt. Der Partner von BirdLife in Indonesien nahm mithilfe von Natura Alert Bilder auf und erfasste zeitnahe, geolokalisierte Informationen über Veränderungen des Waldes. Anhand dieser Daten werden anschließend Warnmeldungen validiert, die durch die Analyse von Satellitenbildern ausgelöst werden. „Diese Informationen sind äußerst wertvoll, denn sie ermöglichen die automatische Entdeckung von Bedrohungen für Waldökosysteme“, so Sofia Capellan von BirdLife International. BirdLife ist derzeit in 469 wichtigen Gebieten für den Artenschutz von Vögeln in Spanien tätig und plant, die App auch bei Projekten in Griechenland und den Niederlanden einzusetzen. Alle erhobenen Daten werden verwendet, um regionale und globale Bewertungen zu den Beobachtungen der betreffenden Gebieten zu erstellen. Diese werden weitreichend verfügbar gemacht – für Forschende und Fachleute weltweit wie auch für Einrichtungen und Interessengruppen aus dem Privatsektor, die ihre Entscheidungsfindung mittels qualitativ hochwertiger Daten verbessern möchten. „Dank der Kombination von Erdbeobachtung und unserem Netzwerk von Freiwilligen vor Ort birgt Natura Alert das Potenzial, die Überwachung von Bedrohungen der biologischen Vielfalt zu revolutionieren und weitere Verluste von Lebensräumen zu verhindern“, fügt Capellan hinzu. „LANDSENSE führte uns dieses Potenzial unmittelbar vor Augen.“

Crowdsourcing-Informationen einbinden

In Frankreich arbeitete das Projektteam von LANDSENSE mit dem nationalen geografischen Institut zusammen, um eine Lösung zu entwickeln, mit deren Hilfe die verbindliche Datenbank des Instituts zur Flächennutzung und Bodenbedeckung aktualisiert werden konnte. In der daraus entstandenen Anwendung Paysages werden Crowdsourcing-Informationen mit Erdbeobachtungsdaten verbunden. „Veränderungen bei Bergbaustätten sowie neu bebauten und landwirtschaftlichen Flächen werden normalerweise nur im Zuge professioneller Erhebungen registriert. Diese sind jedoch mit erheblichen Kosten verbunden und werden daher nicht so oft durchgeführt“, erläutert Ana-Maria Olteanu-Raimond vom nationalen geografischen Institut in Frankreich. „Durch die Verbindung von Erdbeobachtungsdaten mit Crowdsourcing-Informationen gewinnen wir mit der Paysages-App hilfreiche Informationen für die Aktualisierung unserer verbindlichen Datenbank und können überdies effizienter arbeiten.“ Olteanu-Raimond weist darauf hin, dass das Institut derzeit ein Upgrade der Paysages-App vornimmt und sich dabei auf Rückmeldungen aus der Pilotphase von LANDSENSE stützt.

Schlüsselbegriffe

LANDSENSE, Erdbeobachtung, Umweltüberwachung, Copernicus, Bürgerobservatorien, Flächennutzung, BirdLife International, Artenschutz von Vögeln, Natura 2000, biologische Vielfalt, Biodiversität

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