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Künstliche Intelligenz revolutioniert die Augenheilkunde

Ein Unternehmen für Medizintechnik stützt sich auf künstliche Intelligenz, um überall auf der Welt eine schnelle und genaue Diagnose von Netzhauterkrankungen zu ermöglichen.

Digitale Wirtschaft
Gesundheit

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge leiden 420 Millionen Menschen an einer Form von Netzhauterkrankung, wie diabetischer Retinopathie, altersbedingter Makuladegeneration und Glaukomen. Noch besorgniserregender ist aber, dass diese Zahlen stetig und vor allem rasant steigen. So rechnet man aufgrund der alternden Weltbevölkerung damit, dass der Anteil der Menschen mit altersbedingter Makuladegeneration in den nächsten zehn Jahren um 25 % von 196 Millionen auf 243 Millionen steigen wird. Ähnlich verhält es sich bei der diabetischen Retinopathie, einer Folgeerkrankung von Diabetes und eine der häufigsten Erblindungsursachen, von der heute 146 Millionen an Diabetes Erkrankte betroffen sind. Laut der International Diabetes Federation werden es bis 2030 sogar 578 Millionen sein. „Die Behandlung dieser Erkrankungen wird eine gewaltige Menge an Augenärzten erfordern“, so Arnaud Lambert, Präsident und Gründer des französischen Forschungsunternehmens aiVision, das sich auf die Entwicklung effektiver Diagnoseinstrumente für Netzhautpathologien spezialisiert. „Die Anzahl der Augenärzte in den nächsten 25 Jahren wird weltweit voraussichtlich um 2 % steigen – entscheidend zu wenig, um die erwartete Zunahme zu bewältigen.“ Mit Unterstützung durch EU-Finanzierung verfolgt aiVision das Ziel, diese Bedarfslücke mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) zu schließen. „Durch die Entwicklung digitaler Werkzeuge und innovativer Technologien möchten wir die Diagnose von Netzhauterkrankungen komplett automatisieren“, erklärt Timothée Faucon, wissenschaftlicher Leiter bei aiVision. „Wenn uns das gelingt, können wir die Erblindungsraten weltweit reduzieren.“

Ausbau der Behandlungskapazitäten

Ziel des Projekts ist es, ophthalmologische Schnelldiagnosen zu unterstützen, um eine schnellere Patientenversorgung zu gewährleisten. „Wir erreichen das mithilfe von künstlicher Intelligenz. Dadurch können andere Mediziner Patienten gezielt und effektiv zur Diagnose und Behandlung an Augenärzte überweisen“, merkt Lambert an. Die Lösung des Unternehmens basiert auf dem speziell für die Augenheilkunde entwickelten Werkzeug aiVista. Es integriert trainierte KI-Algorithmen, um anhand von unterschiedlichen Netzhautaufnahmen Diagnosen zu erstellen. Im Alltag sieht das so aus: Die betroffene Person sucht ihre Hausarztpraxis auf, wo dann mithilfe von aiVista Aufnahmen des Fundus (Augenhintergrund) angefertigt werden. Diese Aufnahmen werden dann an das sichere Cloudsystem von aiVista übermittelt und mithilfe der KI-Algorithmen analysiert. Die Ergebnisse stehen in weniger als zwei Sekunden zur Verfügung – und das bei einer nachgewiesenen Genauigkeit von mehr als 99 %. „Diese neue Technologie wird die augenärztliche Behandlungskapazität erhöhen und damit zum Wohl der gesamten Bevölkerung beitragen“, so Lambert weiter.

Augenuntersuchungen jederzeit und überall

Laut Faucon verspricht die aiVista-Lösung eine Revolution auf dem Gebiet der ophthalmologischen Ferndiagnose. „Eine einfache digitale Funduskamera und von Nichtfachärzten aufgenommene Bilder reichen für aiVista bereits aus, um charakteristische Auffälligkeiten und Signale diverser Augenpathologien zu identifizieren“, erläutert Faucon. „Zudem ist die Lösung überall auf der Welt rund um die Uhr verfügbar.“ In dieser uneingeschränkten Verfügbarkeit liegt der besondere Nutzen der Lösung für entlegene Regionen und Entwicklungsländer mit unzureichendem Zugang zu Ressourcen der Gesundheitsversorgung. „In Frankreich beträgt die Wartezeit auf einen Augenarzttermin durchschnittlich viereinhalb Monate, in manchen entlegenen Regionen sogar bis zu einem Jahr“, merkt Lambert an. „Unsere Lösung stellt eine Antwort auf die medizinische Unterversorgung dar, da sie Ferndiagnosen ermöglicht.“ Neben Europa wird aiVista auch im Nahen und Mittleren Osten eingesetzt und soll voraussichtlich 2021 zudem in mehreren afrikanischen Ländern sowie in den USA eingeführt werden. Zwar ist aiVista momentan noch spezifisch darauf trainiert, die Anzeichen einer diabetischen Retinopathie zu erkennen. Doch das Unternehmen ist entschlossen, die Kapazität auf alle Netzhauterkrankungen auszudehnen.

Schlüsselbegriffe

aiVision, künstliche Intelligenz, KI, Augenheilkunde, Medizintechnik, Netzhauterkrankungen, diabetische Retinopathie, altersbedingte Makuladegeneration, Glaukom, Augenärztinnen, Augenärzte, Blindheit

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